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li
GermaDistische AbhandloDgen
begründet
von
Karl Weinhold
herausgegeben
von
I^riedricli "Vog-t
XVL Heft
Die Jakobsbrüder
von
herausgegeben
von
Karl Euling
Breslau
Verlag von M. & H. Marcus
1899
Die Jakobsbrüder
von
Kunz Kistener
herausgegeben
von
Karl Enling
Breslau
Verlag von M. & H. Marcus
1899
Freifräulein Clara von Dineklage
zum geburtstag.
1^
Freifräulein Clara von Dineklage
zum gebnrtstag.
Vorwort.
Die romanhafte kleine legende, die hier zum ersten mal in
wissenschaftlicher bearbeitung erscheint, mag am ende des neun-
zehnten Jahrhunderts den leser vielleicht zunächst etwas fremd-
artig anmuten. Doch zweimal schon, als in schwerer zeit das
deutsche volk sich auf sich selbst besann, hat diese rührende
geschichte manches herz getröstet und erhoben: zur zeit der
blute deutscher mystik und der geislerf ahrten , und wiederum
als der deutsche geist seine in der tiefe schlummernden kräfte
zu der grossartigen bewegung der reformation zusammenraffte.
Die treue ist es, deren preis auch diese verse eines, aller-
dings beschränktem lebenskreise angehörenden Strassburgers
künden wollen, eine treue, die menschensinn und menschen-
geschicke, natur- und weltordnung, himmel und heilige in den
bann ihrer geheimnisvollen idealen macht zwingt, die den tod
überwindet und die toten erweckt. So reiht sich unser gedieht
zahlreichen charakteristischen kundgebungen deutschen geistes
an, der in treue und untreue das edelste und das gemeinste
unsers wesens sieht.
Auch für die geschichte unsrer alten litteratur und beson-
ders für die anfange unsrer modernen bürgerlichen dichtung
ist Kunz Kisteners legende von den Jakobsbrüdern nicht ohne
interesse; sie ist geradezu ein problem geworden.
Der erste herausgeber Kisteners, der treffliche Karl Goedeke,
der das gedieht absichtsvoll Jakob und Wilhelm Grimm zu ihrem
geburtstage gewidmet, hatte unglücklicherweise und ohne dass
man den methodischen fehler bemerkte, den fragwürdigen Heinrich
vm
von Linouwe zum dichter des ursprünglichen Werkes gemacht und
damit die forschung bis heute in falsche bahnen gelenkt. Beein-
flusst von Goedekes hypothesen und der übertriebenen annähme
grundsätzlicher minderwertigkeit aller erzeugnisse der spät-
mittelhochdeutschen poesie, hat man dann die Vorzüge, welche
unser gedieht auszeichnen, der spätzeit mittelhochdeutscher poesie
überhaupt absprechen zu müssen geglaubt.
So schwebte das gedieht, noch nicht einmal aus dem rohen
herausgearbeitet, bisher sozusagen in der luft; es mit den mittein
der Überlieferung herzustellen und ihm den in der litteratur-
geschichte gebührenden platz anzuweisen, wird hier versucht.
Die arbeit war bereits vor fast 5 jähren fertig, nachtrage
also unvermeidlich. Die wertvollsten verdanke ich dem ver-
ehrten herausgeber dieser Sammlung und der beneidenswerten
gelehrsamkeit Johannes Boltes. Auf herrn prof. Vogts rat habe
ich die negation ne (en), wo ich sie gegen die handschriftliche
Überlieferung iu den text gesetzt hatte, überall bis auf vers 741
gestrichen. Was sonst herr prof. Vogt dieser arbeit hat zu gute
kommen lassen, findet sich an den betreffenden stellen bemerkt;
besonders sei auf den nachtrag verwiesen. Die während des
druckes erschienene Publikation Konrad Häblers, Das wallfahrts-
buch des Hermannus Künig von Vach und die pilgerreisen der
Deutschen nach Santiago de Compostela, Strassburg 1899, ver-
mehrt die historischen Zeugnisse namentlich für die spätere zeit
(s. 41ff.), ohne etwas von unsern ausführungen überflüssig zu
machen.
Münster in Westfalen, Juli 1899.
Karl Enling.
Inhalt.
Seite.
Einleitung XI
I. Stand der frage 1
II. Heimat des gedichtes 13
Zeit 27
Eunz Kistener . . . . • 28
ni. Überlieferung und herstellung 30
IV. Der Stoff und seine behandlung 36
Analyse des gedichtes 36
Der Stoff 41
Behandlung des Stoffes 48
V. Charakteristik 52
Text 61
Nachtrag von F. Vogt
Zum WallsBre 125
Septimunt . ^ 126
Berichtigungen , 128
Register 129
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S V'% V,f .
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V,.. äV- =
I
stand der Frage.
Der erste, der über Kisteners Jakobsbruder öifentlich mit-
teilung machte, war K. H. Hermes. Im jähre 1846 berichtete er
über einiges, was ihm aus dem reichen inhalt der Wolfenbütteler
quarthandschrift Aug. 16. 17. (A) wichtig schien, in v. d.
Hagens Germania 7, 321 ff., und zwar hob er die gedichte „von
den sechs färben, Jude und Christ, die beiden blutfreunde
von Kunz Kistener, frauenschönheit und der weit lohn von
Wirnt von Gravenberg" heraus. Über die handschrift selbst und
ihre Zusammensetzung bot Hermes nichts; was er über den inhalt
andeutete, war ebenso unzulänglich als fehlerhaft. Ich möchte,
indem ich übrigens auf die unten folgende beschreibung der hs.
verweise, bei dieser gelegenheit nur die von Hermes aufge-
brachte fabel zerstören, dass die hs. Aug. 16. 17. 4® ,der weit
lohn' Konrads von Würzburg oder ein diesem ähnliches stück
enthalte, eine angäbe, die seitdem bis auf Goedekes Grundriss
in büchern spukt: v. d. Hagen, GA 3, 781. Goedeke, Pam-
philus Gengenbach s. 629. Grundriss I^ 217, 8. Das fragliche
stück steht bl. 85 bis 87: Dis ist der weite Ion; Unterschrift:
Hie haut die doten und die künige ein ende; anfang:
Wir sint dot, so lebent ir. Der ir sint der warent wir.
Freidank 22, 18. Es ist eine kurze totentanzähnliche reimerei
mit federzeichnungen, die tod und köuig darstellen, und besteht
aus einem wechselgespräch zwischen beiden; dreimal nimmt
jeder das wort: „mortuus dicit, vivus dicit".
Den hergang des Eistenerschen gedichtes erzählt Hermes
s. 323 ff. nicht ohne starke missverständnisse und druckt einige
Eni in g, Kistener. 1
„Unsere junge Wissenschaft der deutschen philolog^ie hat bisher mit dem
feststellen und bereinigen der texte, mit der dentung ihres wortgehaltes, so
viel zu schaffen gehabt, dass sie noch nicht zeit fand, die altdeutschen dicht-
werke aus dem zusammenhange ihrer zeit und kultur heraus zu erklären''.
Schönbach, Über Hartmann von Aue s. V.
I
stand der Frage.
Der erste, der über Kisteners Jakobsbrfider öffentlich mit-
teilung machte, war K. H. Hermes. Im jähre 1846 berichtete er
über einiges, was ihm aus dem reichen inhalt der Wolfenbütteler
quarthandschrift Aug. 16. 17. (A) wichtig schien, in v. d.
Hagens Germania 7, 321 ff., und zwar hob er die gedichte „von
den sechs färben, Jude und Christ, die beiden blutfreunde
von Kunz Kistener, frauenschönheit und der weit lohn von
Wirnt von Gravenberg" heraus. Über die handschrift selbst und
ihre Zusammensetzung bot Hermes nichts; was er über den inhalt
andeutete, war ebenso unzulänglich als fehlerhaft. Ich möchte,
indem ich übrigens auf die unten folgende beschreibung der hs.
verweise, bei dieser gelegenheit nur die von Hermes aufge-
brachte fabel zerstören, dass die hs. Aug. 16. 17. 4® ,der weit
lohn' Konrads von Würzburg oder ein diesem ähnliches stück
enthalte, eine angäbe, die seitdem bis auf Goedekes Grundriss
in büchern spukt: v.d. Hagen, GAS, 781. Goedeke, Pam-
philus Gengenbach s. 629. Grundriss I^ 217, 8. Das fragliche
stück steht bl. 85 bis 87: Dis ist der weite Ion; Unterschrift:
Hie hant die doten und die künige ein ende; anfang:
Wir sint dot, so lebent ir. Der ir sint der warent wir.
Freidank 22, 18. Es ist eine kurze totentanzähnliche reimerei
mit federzeichnungen, die tod und könig darstellen, und besteht
aus einem wechselgespräch zwischen beiden; dreimal nimmt
jeder das wort: „mortuus dicit, vivus dicit".
Den hergang des Eistenerschen gedichtes erzählt Hermes
s. 323 ff. nicht ohne starke missverständnisse und druckt einige
fiuling, Kistener. 1
stellen daraus ab ; an eine derselben, wo der name des klosters
Gnadau in der form gnode ouwe erwähnt wird, knüpft der
herausgeber der Germania unter berufung auf EMS 4, 273
einen verfehlten hinweis auf Hartmann von Aue, seinen Armen
Heinrich und dessen ungefähren Zusammenhang mit einigen dich-
tungen verwandten inhalts.
Die meisten Verdienste um unser gedieht hat sich dann Karl
Goedeke erworben. Er Hess zunächst die handschrift A buch-
stabengetreu, wenn auch nicht ohne versehen (z. b. v. 225 seines
abdrucks fragte für fregete, 1046 von für den u. s. w. sieh
die lesarten) als manuscript in 100 exemplaren abdrucken (Kunz
Kistener, Hannover 1855) und widmete es Jakob und Wilhelm
Grimm zum 4. Januar und 24. Februar 1855. In seiner 1856
erschienenen monographie über Pamphilus Gengenbach wieder-
holte er dann einen teil des Eistenerschen textes und suchte
s. 629 bis 640 Gengenbach durch reichlich ausgehobene stellen
Kisteners und mehrere wertvolle nachweise zu erläutern.
Dabei sind ihm leider manche zum teil folgenschwere irr-
tümer untergelaufen. Da die Überlieferung des Kistenerschen
gedichtes in hs. A recht schlecht ist, eine andere handschrift
unbekannt war und Goedeke auch nicht einmal den versuch
einer herstellung oder philologischen bearbeitung machte, da er
ferner mehrfach die bearbeitung Gengenbachs und Kisteners
gedieht verwechselte, so gelang es ihm nicht, von dem stücke
eine richtige Vorstellung zu geben.
Die s. 630 bis 636 gedruckte analyse ist reich an missver-
ständnissen, die ich nicht, wie die seines Vorgängers Hermes
und seiner nachfolger übergehen darf, weil sie die auifassung
und beurteilung des ganzen werkchens bis heute nicht wenig
beeinflusst haben. Missverständnisse begegnen ihm auch in den
analysen des Grundrisses, z. b. verlegt er I^ 225 in der analyse
der ausgezeichneten novelle Dietrichs von Glezze den Vorgang
in die nacht (vgl. GA XX, 709 ff.), indem er wahrscheinlich den
fehler v. d. Hagens GA 1, 453 kopiert.
So versteht Goedeke lehenbere (124) wie Gengenbach für
lebendig; lässt die Wöchnerin wie eine rose im bett ruhen,
während Kistener von erröten spricht (206); lässt den Schwaben
bei der heimkehr auf der bürg seines freundes hinter der thür
stehen und die arm gewordene rittersfrau s. 637 den söhn im
hemde empfangen (es ist nur das hauskleid gemeint ; Heyne im
DWB IV 2, 980. sitzen und spinnen in einem hembdt:
Über spräche und verskunst Heinrich Kaufringers s. 12).
Er verwechselt Kistener mit Gengenbach und hält die beiden
fassungen nicht auseinander. S. 631 sagt er: „freudig beschenkt
ihn der herr mit 10 gülden, die er anlegt und ein biderbe
man wird", Kistener „ein selig man" (158). S. 632 lässt G.
aus, dass der grafensohn sich verirrt (Kist. 372 flF.); seine trauer
und seine thränen entbehren damit der richtigen begründung.
Auch bei erzählung der ankunft in Compostella berichtet Goedeke
nach Gengenbach, nicht nach Kistener.
Einen noch lange fortwirkenden fehler beging Goedeke in-
dem er s. 634 und 637 die sache so verstand und darstellte, als
habe der graf sich nach angäbe des einsiedlers längst vermählt
und seine frau habe ihm eben damals einen knaben geschenkt.
Davon steht in den quellen nichts ; Kistener lässt den waldbruder
sagen, dass er sich mit einer Jungfrau verlobt habe; gemahelt
nahm Goedeke eben nur für vermählt, was es garnicht vor-
wiegend heisst (Hildebrand im DWB IV, 1 s. 3154 f. Schmeller,
Bayerisches wb. 1^, 1579. Heyne im DWB VI s. 1455); und
daraus ergab sich dann auch das missverständniss in betreff der
zu frühen geburt des kindes ^) und in betreff des festes auf der
bürg, das Goedeke s. 635 allerdings nach den vorher begangenen
irrtümern unklar erscheinen musste, von dem aber Kistener
798 deutlich sagt, dass es das hochzeitsfest der braut gewesen
sei. Das kind wird ja dann auch geboren, ehe das erste jähr
nach der Vermählung endet (870).
So sind Unklarheiten und missverständnisse ohne grund in
das gedieht hineingetragen und dem dichter aufgebürdet.
Auch die lokalisierung der sage, wie sie Goedeke gab, war
irrig. Er lässt das gesuchte kloster Gnadau bei Pfaffenhofen
in Bayern liegen und den Theatinernonnen in München gehören.
Daraus erschliesst er als grui^dlage des gedichtes eine bayerische
') An der stunt (v. 770) heisst alsbald, nicht „eben jetzt" und kann
hier nnr von einem Zeitpunkte überhaupt verstanden werden, geh er n ist zu-
nächst ferre und gignere, nicht in lucem edere. Schmeller, Bayerisches
wb. 1», 259.
1*
lokalsage: Pamphilus Gengenbach s. 630. So hat denn J. N. Sepp
die erzählung in seinen Altbayerischen sagenschatz zur be-
reicherung der indogermanischen mythologie (neue ausgäbe 1896
s. 657) eingereiht und mit mehr partikular-patriotismus als kritik
für Bayern in ansprach genommen (vergleiche zu Kistener 407).
Nun aber heisst das bei Pfaffenhofen in der Oberpfalz gelegene
kloster Gnadenberg, nicht Gnadau — ein solches gibt es in
ganz Bayern, und gab es nach Österleys historisch-geographischem
Wörterbuch auch im ganzen mittelalter nirgends — und Gnaden-
berg ist erst 1426 gegründet: Germania 17, 56 ^). Damit wird auch
dieser ganze versuch, die sage in Bayern zu lokalisieren, hinfällig.
Die grösste Verwirrung hat Goedeke durch seine Waller-
hypothese veranlasst. Den schiefen, etwas übertriebenen gegen-
satz, den manche, von Goedeke fein empfundene Vorzüge des
gedichtes mit der anscheinenden roheit und formlosigkeit der
Überlieferung bilden, glaubte der forscher am besten durch die
annähme aufzuheben, dass Kunz Kistener sich ein gedieht der
blütezeit mittelhochdeutscher poesie und zwar den Wallaere des
Heinrich von Linouwe mit einigen äusserlichen Veränderungen
angeeignet habe. Gengenbach s. 637 f. ; s. XXIV spricht Goedeke
nur von einer entlehnten episode des Wallaere.
Ahnlich, wie Goedeke in diesem falle, verfuhr Engelhardt,
der herausgeber des Peter von Staufenberg, als er Hartmann
von Aue für dessen Verfasser nahm und den Widerspruch dieser
annähme mit der überlieferten gestalt des gedichtes, durch die
Aktion einer späteren Umarbeitung heben zu können glaubte;
ein irrtum, der selbst in Wackernagel - Martins Litteraturge-
schichte 1, 283 erwähnung fand und dessen methodischen fehler
Paul im Grundriss 1, 169 erläutert.
Die hypothese Goedekes sucht folgenden erwägungen ge-
recht zu werden. „Das ältere gedieht", sagt er, „war so fein
und durchdacht motiviert, dass es der Verbesserung in wesent-
lichen dingen nicht fähig war. Ich will dem älteren dichter
keine lobrede halten, sein werk gewinnt bei genauerer be-
trachtung mehr und mehr und kann in der feinen Seelenmalerei
') Wülcker gibt hier nach unzuverlässiger queUe 1486 an; die berichtigung
war der Bavaria II * (1863) 519 zu entnehmen.
mit den besseren gedichten der guten zeit wetteifern. Ja eben
die feine behandlung des Stoffes, die mit dem sichersten geschick
die zartesten raotive zu handhaben weiss und weder dem XV.
noch dem XIV. jh. zugetraut werden kann, dringt eine Ver-
mutung auf, mit welcher ich den manen Kisteners ungern zu
nahe trete" : s. 637 f. Nun folgt die schon oben vorgetragene
hypothese; vgl. Gengenbach s. XXIV. In einer anmerkung wird
zur stütze dieser annähme noch darauf hingewiesen, dass sich
bei Kistener beztige auf frühere im gedieht selbst nicht weiter
dargestellte begebenheiten fänden: Gengenbach rede vers 622
von einem auf enthalt des Schwaben in Frankreich; dieser komme
aus Lamparten; 20 jähre sei er der heimat fern gewesen; die
guten rate, die der vater dem auf die wallfahrt ziehenden söhne
mitgibt, hätten in der erzählung, die sonst genau zu sein pflege,
nicht ihr entsprechendes correlat, so dass hier wol ein sprung
gemacht sei; der Wolfenbütteler hs. fehle auch nach v. 195 ein
reim (s. 637, a. 12). In der neuen bearbeitung seines Grund-
risses I s. 233 fasst Goedeke diese erwägungen so zusammen:
„Die unverwischte feinheit der darstellung und hindeutung auf
nicht ausgeführte umstände lassen auf benutzung einer älteren
quelle schliessen".
Verfolgen wir den zweiten punkt zuerst, so wird den kom-
binationen Goedekes durch die herstellung des gedichtes der
boden entzogen. Der nach v. 195 der hs. A fehlende reim ist
dadurch ausgefallen, dass zwei zeilen in eine zusammengezogen
wurden, wie andrerseits v. 303/4 der plattesten Verständlichkeit
zuliebe zwei zu dreien ausgeweitet und verballhornt sind. Nach
C liess sich in v. 195 der wahrscheinlich ursprüngliche Wortlaut
herstellen. Eine lücke in der darstellung aber, die auf andere
nicht ausgeführte umstände deutete, liegt hier dem zusammen-
hange nach in keinem falle vor.
Der in Gengenbachs Überarbeitung v. 622 gegebene hinweis
auf einen aufenthalt des Schwaben in Frankreich und an meh-
reren andren orten erledigt sich durch feststellung folgenden
Sachverhalts.
Im gedichte heisst es nach A:
730. Do woltents ime klagen.
der suon sprach ,lant mich sagen:
ir sullent wol gehaben üch.
ich wil üch wider machen rieh'.
Gengenbach hat dafür folgende verse:
616. Do wolt eins dem andern klagen
Der sun sprach jch will euch sagen
Ir sond euch wol gehaben
Ich mag eüwer armüt nit me vertragen
620. Ich will euch machen wider reich
Darumb hab jch gearbeit meich
In franckreich und wo jch was
Vnd das jch alle zeit ewer not entsass.
Die 3 Schlussverse des Baseler druckes halte ich für unecht. Bei
den erweiterungen Gengenbachs, an denen vielleicht schon seine
(vermutlich handschriftliche) quelle teil hatte, bietet sich zur
entscheidung der echtheit oder unechtheit vor allem als kenn-
zeichen der umstand dar, dass die unechten erweiterungen in
der regel keinen einzigen neuen gedanken und keinen neuen
reim bringen, sondern nur matt die im älteren gedieht vorhan-
denen variieren. Vgl. Gengenbach 101 ff. mit Kistener 163 f.,
Gengenbach 235 f. mit Kistener 299 und 295 f. u. s. w., Zfd.
A. 38, 106 f. So spinnt Gengenbach mit dem bei Kistener völlig
unmöglichen reime gehaben : vertragen 618/9 den vorange-
gangenen echten reim klagen : sagen weiter aus und schliesst
sich in dem reime was : entsass 622/3 an den unmittelbar
folgenden reim was : daz 734/5 des Originals. Dazu kommen
andere zeichen der unechtheit. Gengenbach oder seine quelle
konnte hier, wie 522, den alten reim üch : rieh nicht mehr ge-
brauchen, deshalb griff er zur paraphrase mit dem neuen un-
echten reim reich : meich. Gengenbachs v. 623 ist stark über-
laden, das steht für , deswegen weil*, wie sonst nicht bei Kistener.
Der Stil des verses 619 fällt aus dem rahmen des alten gedichtes.
Das hier eingeschwärzte vorgeben des Schwaben, er hätte in
Frankreich und in andern fremden ländern aus besorgnis um
die not seiner eitern seinen reichtum erworben, steht in direktem
Widerspruch mit der unzweifelhaft echten früheren erzählung,
nach der es der graf ist, der ihn reich macht 652, 688; ferner
im Widerspruch mit dem umstände, dass der rittersohn von der
eingetretenen Verarmung seiner eitern vorher gar nichts weiss,
sondern erst durch einen boten davon benachrichtigt wird (669),
Infolge seines Zusatzes sah sich Gengenbach auch veranlasst,
die 20jährige abwesenheit des Schwaben in eine 30jährige zu
verwandeln, wodurch ein altersunterschied von etwa 14 jähren
(für den Bayern) und 45 bis 50 jähren (für den Schwaben) sich
ergeben würde: ein unding.
Dass nun der aufenthalt des Schwaben in Italien, wovon
zweimal, 397 und 663, die rede ist, an und für sich unwahr-
scheinlich wäre oder einer aufklärung an einer anderen stelle
des gedichtes bedurft hätte, diese annähme ist doch recht will-
kürlich. Der verkehr Süddeutschlands mit Italien, besonders
mit der Lombardei, war im laufe des XIV. Jahrhunderts unge-
mein lebhaft. Riezler, Geschichte Bayerns 3, 771 ff. Manfred
Mayer, Bayerns handel s. 19. Italiener zogen häufig nach Deutsch-
land, ja Hessen sich dort germanisieren. Andrä der Zutich von
Venedig wird 1365 als bürger zu Eegensburg genannt. Riezler 3,
772. Giovanni Boccaccio kam im Dezember des Jahres 1351 selbst
als florentinischer diplomat nach Bayern (Eiezler 3, 32). Über
beziehungen Tirols zu Italien spricht Oswald von Zingerle ADB
40, 7. Vgl. Wackerneil, Montfort s. XI anmerkung. Schon die
Alpen heissen in den glossen der Metzer hs 203: „Daz lam-
partsche gebirge" (Strassburger Studien III, 21, 141). Der
reichtum der italienischen Staaten war auch im Elsass sprich-
wörtlich. (Colins Parz. 518, 19. Schmidt, Wörterbuch der Strass-
burger mundart s. 54 u. d. w. Idaliäner. StUB V 1086 u. d.
w. Italien).
Dasselbe ist gegen die forderung geltend zu machen, der
rat des vaters 345 ff. hätte in der späteren erzählung kein rechtes
correlat. Zunächst bezieht sich der rat nur auf die wähl eines
treuen freundes. Besondere freundschaftsproben, wie in andern
zweigen der Überlieferung dieses sagenstoffes vorkommen (Paulus
Cassel, Symbolik des blutes s. 77 ff., Eeinhold Köhler, Aufsätze
über märchen und Volkslieder s. 24 ff., ferner im Dit des trois
pommes p. p. Trebutien. Paris 1837 und in der prosalegende
Pfeiffers, Altdeutsches Übungsbuch s. 191), werden hier nicht
verlangt. Kistener folgte eben einer andern quelle, als den von
Qoedeke hierbei ins äuge gefassten.
Demnach können wir nicht anerkennen, dass in Eisteners
8
gedichte hindeutungen auf andere, jetzt verloren gegangene
stellen eines älteren ausführlicheren Originals, sei es nun der
Wallaere oder ein anderes epos, vorhanden sind. Eine genauere
analyse, wie sie später hier versucht wird, beweist, dass Kisteners
gedieht nicht nur ein bruchstück des Stoffes darbietet (Goedeke,
Gengenbach s. 637, 12), sondern in sich abgerundet ist.
Nimmt man ein älteres gedieht eines ritterlichen dichters
aus der klassischen zeit als original unserer legende an, so ver-
kennt man doch auch Charakter und geist des werkchens völlig.
Inhalt, Schilderung und empfindung sind nichts weniger als höfisch-
ritterlich: der söhn des schwäbischen ritters verdient sich in
einer subalternen Stellung so viel, dass er seine ganz verarmten
eitern unterstützen kann, und wie bürgerlich ehrbar ist der graf
geschildert, seine erziehung, seine ausrüstung zur reise! wie un-
höflsch die feste, wie kleinbürgerlich das idyll der heimkehr in
Heigerloch! Ein ritterlicher dichter hätte sich doch auch die
ritterlichen thalen der Jacobuslegende (Gams, Die kirchenge-
schichte von Spanien li 2, 370 ff.) und den ritterorden von
San Jago di Compostella (St. Jacob de Spada, Jakob vom Schwerte)
nicht entgehen lassen, der 1161 entstand und dessen grossmeisterei
1493 mit der kröne Spaniens vereinigt wurde. In dem ganzen
aufbau und in der ausführung des gedichtes prägt sich ein mo-
derner bürgerlicher sinn aus, der den ritterlichen feudalismus der
älteren zeit nicht mehr versteht und nicht mehr verstanden weiss.
Was Goedeke ausserdem noch bestimmte, hier an ein älteres
muster zu denken, waren gewisse Vorzüge des gedichtes, die
ihm mit dem häufiger beklagten, als untersuchten verfall der
dichtung im XIV. und XV. jh. nicht vereinbar schienen. Dieser
für die litteraturgeschichte nicht unerhebliche gesichtspunkt ver-
dient in der that volle beachtung, und er ist es auch, der mich
im zusammenhange mit Studien über die poesie des XIV. Jahr-
hunderts zu einer prttfung unseres gedichtes veranlasst hat.
Nach meiner ansieht beruht Goedekes schluss auf zwei unrich-
tigen oder nur halb richtigen Voraussetzungen : der Voraussetzung
von einer fast idealen vortrefflichkeit des angenommenen Wallaere
und der Voraussetzung von der prinzipiellen min der Wertigkeit
der spätmittelhochdeutschen poesie. Keine von beiden darf als
zutreffend gelten. Goedeke übersieht bei starker hervorhebung
der lichtseiten des gedichts manche mängel, nicht blos formaler
art, deren erkenntnis sich auch editorenvorliebe, wie sich unten
zeigt, nicht verschliesst. Dann aber ist auch inbetrefif der poesie
mindestens des XIV. jhs. entschieden zu betonen, dass sie viel-
fach besser ist als ihr ruf. Vor allem sind es die kleineren
epopöen, die gattung der novelle und legende, welche noch von
den, durch die epigonen der grossen meister vermittelten, er-
rungenschaften der klassischen poesie des XIII. jhs. zehren.
Ich war im stände, dies für Kauf ringers verskunst nachzuweisen ;
es gilt ebenso für die epische technik und die epische kunst im
allgemeinen. Die kleinkunst der epopöe verfügt noch um die
mitte des XIV. jhs. über ganz ansehnliche leistungen, wie Der
Schüler von Paris oder Fressants novelle Von den ledigen wiben
beweisen; andrerseits zeugen prosa und lyrik der deutschen
mystiker, sowie Volkslied und einige legenden davon, dass tiefe
und feinheit der empfindung keineswegs ausgestorben oder
monopol des XTQ. jhs. waren. Auch in der auffassung des
XIV. jhs. wird es sich darum handeln, die älteren unkritischen
Werturteile durch ein wirkliches Verständnis der geschichtlichen
entwicklung zu ersetzen. Wenn sich überdies tiun noch heraus-
stellt, dass Kistener von Konrad von Würzburg, Ulrich Boner
und elsässischen dichtem des XIV. jhs. abhängig ist, so kann doch
von einer dichtung aus dem anfang des XIII. jhs. wohl keine rede
mehr sein. Das nähere wird sich im laufe der Untersuchung ergeben.
Jenes gesuchte gedieht sollte nach Goedekes ansieht kein
anderes, als der Wallaere des Heinrich von Linouwe sein, den
Rudolf von Ems dreimal erwähnt, zweimal im Wilhelm, einmal
im Alexander. Die kontroverse, ob der Waller eine Ecke- oder
Erekdichtung gewesen sei, bleibt unentschieden, bis ein kritischer
text des Wilhelm von Orleos gewissheit über die lesart schafft.
Soviel aber ist jetzt schon gesichert, das Rudolf den Waller
mit Ecke oder Erek in Verbindung bringt, was dann eine pilger-
legende als Inhalt des verlorenen gedichtes vollkommen aus-
schliesst. Jakob Baechtold, Geschichte der deutschen litteratur
in der Schweiz. Frauenfeld 1892. Anmerkungen s. 31. Vogt
in Pauls Grundriss 2, 1, 323. Herr professor Vogt hat die
gute mich auf seine Untersuchungen zum Eckenliede in der
Zfd Phil. 25, 6 ff. und auf Zeidler, Die quellen von Rudolfs von
j ^ i j •'j
•» - j ^
10
«
Ems Wilhelm s. 141 zu verweisen. Vgl. AfdA 21, 242. [S.
den Nachtrag Vogt.]
Zehn jähre nach dem erscheinen des Pamphilus Gengenbach
von Goedeke behandelte Reinhold Köhler in der Germania 10,
447 ff. die romanischen Versionen unserer legende. Bei sonst
gegebenen Übersichten über die formen der freundschaftssagen
ist unsere Überlieferung regelmässig ausgelassen oder, wie bei
Cassel, übel weggekommen. Es sind lauter romanische Versionen,
die Köhler vergleicht und denen gegenüber die deutsche er-
zählung eine ausgesprochene Selbständigkeit behauptet. Köhler
lässt sie ohne genauere Untersuchung aus der Amicus- und
Ameliusdichtung entstanden sein (s. 455). übrigens entspricht
der französischen version im Dit des trois pommes am meisten
die im folgenden jähre 1866 von Pfeiffer im altdeutschen Übungs-
buche s. 191 abgedruckte prosalegende.
In derselben Zeitschrift (Germania 17, 55 ff.) veröffentlichte
dann im jähre 1872 Richard Wülcker die Frankfurter fragmente
(B). Sie befinden sich auf dem Stadtarchive zu Frankfurt am
Main, jetzt unter der Signatur Chroniken nr. 32, im eisernen
schrank der goldenen bulle, und enthalten 93 zeilen des Kiste-
nerschen gedichtes. Die handschrift, welcher die beiden zu-
sammenhängenden papierblätter in quart angehörten, hatte die-
selbe grosse wie A und wird am ende des XIV. oder am anfang
des XV. jhs. entstanden sein. Die bearbeitung ist fränkisch.
Eine nähere bestimmung ihres dialektes gestatten die spärlichen
bruchstücke kaum, da das stets zu z verschobene auslautende t
und die meisten übrigen sprachlichen erscheinungen zwar auf
einen (dem oberdeutschen nahestehenden) rheinfränkischen dialekt,
aber die nasalierte endung der 3. sg. in warten (v. 59 der frag-
mente), wenn es nicht verschrieben ist, auf niederfränkischen
einfluss (Köln) zu deuten scheint (Weinhold, Mhd. gr. s. 434).
Die verdumpf ung des a zu o, wie in noch (v. 71 fragm.), ist
durch zahlreiche Frankfurter belege bezeugt. Weinhold, Mhd.
gr. s. 33. Dass man sich gerade in Frankfurt a. M. für die
Jacobuslegende interessierte, erklärt schon die auch für den
pilgerverkehr nach dem Süden wichtige centrale läge der Stadt
und das Vorhandensein einer pilgerherberge, des Compostells
(Kriegk, Deutsches bürgertum im mittelalter nach urkundlichen
•
' • ■, •• • •
11
forschungen und mit besonderer beziehung auf Frankfurt a. M.
1868. s. 169 f., 350), das noch Goethes aufmerksamkeit auf sich
zog (Dichtung und Wahrheit I, 1). Goethe begegnete noch auf
seiner reise nach Italien, wie er Mittenwald am 7. September
1786 schreibt, angeblichen Jakobsfahrern. Die beiden papier-
blätter sind jetzt eingeheftet, aber blatt II vor blatt I; blatt
IIa und blatt Ib hat man mit durchsichtigem pergament ver-
klebt, so dass die 3 ersten worte im v. 69 des fragments ganz
verdeckt sind. Eine nachvergleichung ergab folgendes: vers 7
steht Ee in der hs., nicht Be (Wülcker); 43 werde, nicht
werde; 50 burne, nicht vurne; 53 burne, nicht borne;
76 jemerlichen, nicht jamerlychen; 93 hilff, nicht hilph;
kleinigkeiten übergeh ich. Wülckers Schätzung dieser fragmente
ist im ganzen zutreffend, doch folgt er, wie Köhler, dem fehler
Goedekes inbetreff der geburt des kindes (s. 56). Andrerseits
berichtigte Wülcker Goedekes Irrtum, der die sage fälschlich
in Bayern lokalisieren wollte (s. 56 f), vgl. oben s. 4. "Wegen
der wiederholten anführung der stadt Heigerloch in Hoheuzollem-
Sigmaringeu war nun Wülcker geneigt, die heimat des dichters
eher in Schwaben zu suchen. Übrigens sah schon Wülcker,
dass Goedekes Wallerhypothese zweifelhaft sei und mit des
dichters Versicherungen nicht im einklang steht. „Warum sollen
wir aber nicht", sagt Wülcker s. 57, „bis das gegenteil be-
wiesen ist, den treuherzigen Versicherungen Kisteners (v. 9 bis
12), dass er manche nacht durchwacht hätte, um die erzählung
in reime zu bringen, glauben schenken?"
Wieder zehn jähre später, 1882, brachte die Allgemeine
Deutsche Biographie 16, 38 einen wertlosen artikel über den
dichter von Karl Bartsch*). Ungenau, und ohne die grossen
abweichungen zu erkennen, versichert er, dass die legende auch
in der französischen und italienischen litteratur mehrfache be-
arbeitung gefunden habe. Trotzdem der von Bartsch selbst an-
geführte Richard Wülcker die völlige grundlosigkeit der be-
treffenden behauptung bewiesen, lässt er Gnadau wieder bei
Pfaffenhofen in Bayern liegen und die sage in Bayern lokalisiert
') Auch der artikel über Heinrich Kaufringer im 15. bände der ADB.
bietet ein abschreckendes beispiel dieser art von arbeit.
12
sein. Nach seiner ansieht weist der stil des gedichtes auf die
scheide des XIII. und XIV. jhs. Diese annähme ist ja willkürlich,
lässt aber vielleicht erkennen, dass Bartsch die abhängigkeit
Kisteners von der epigonendichtung gefühlt hat. Jedenfalls
kommt seine datierung der Wahrheit näher als die Goedekes.
Paulus Cassel, der in seiner schrift über die Symbolik des
blutes (Berlin 1882) s. 184, einen teil von Kisteners dichtung
bespricht, Köhlers ergebnisse aber nicht kennt, stellt nicht
einmal den hergang richtig dar. Zu den alten missverständnissen
Goedekes kommen neue, die aufzuzählen sich nicht der mühe lohnt.
Die ersten versuche einer textkritischen herstellung machte
Rudolf Hildebrand in den zitaten des Deutschen Wörterbuches
bd. V, indem er einen ins 'gute' mittelhochdeutsch übertragenen
normalisierten text konstruierte. Doch schon die dialektischen
reimeigenheiten stellen eine solche rekonstruktion völlig in
frage und weisen auf eine spätere epoche hin, wo der dialekt
wieder in seine rechte trat. Alsdann ist wiederholt in seminar-
übungen versucht, das vermutete alte gedieht zu rekonstruieren.
Der letzte, der sich mit Kisteners dichtung beschäftigt hat,
ist Wolfgang Golther in seiner geschichte der deutschen litte-
ratur bis zum ausgange des mittelalters s. 354 (DNL 163, 1).
Er setzt die erzählung in den anfang des XV. jhs., weist aber
zugleich wieder die annähme nicht ab, dass ein verlorenes werk
des XIII. jhs. zugrunde liege. Über die heimat des dichters drückt
er sich unbestimmt aus, er nennt ihn nur einen Oberdeutschen *).
So haben bis heute hypothesen fortgewirkt, die eine wirklich
historische auffassuug und Würdigung des kleinen werkes hin-
derten. Man ist dabei von einem der wichtigsten grundsätze
aller forschung abgewichen, erst dann hypothesen eintreten zu
lassen, wenn die resultate, die sich aus dem wirklich vorliegenden
material gewinnen lassen, erschöpft sind. Im folgenden soll nun
der versuch gemacht werden, die hypothesen durch thatsachen
zu ersetzen.
') Wenn ich von der ausgäbe in den Erzählenden dichtungen des spä-
teren mittelalters (DNL 11; Litteraturhlatt für germ. und rom. Phil. 1887,
508) schweige, ist dem herausgeber und der sache damit am besten gedient.
Auch von ktlrzeren erwähnungen anderswo ist abgesehen.
13
II
Heimat nnd Entstehnngszeit des Gedichtes.
Heimat.
Weder auf Bayern, wie Goedeke annahm, noch auf Schwaben,
wie Wtilcker meinte, sondern auf das Elsass, und zwar auf
Strassburg als heimat des gedichtes weist die Überlieferung.
Zunächst kommt hierbei als entscheidend der dialekt in
betracht, der durchaus den sprachstand der Strassburger denk-
mäler um die mitte des XIV. jhs. wiedergibt, wie er im allge-
meinen am bequemsten in den Strassburger Chroniken (Städte-
chroniken bd. 8 und 9) zu tibersehen ist. Die von Hegel hinzu-
gefügten urkundlichen beilagen und das von Carl Schröder
ausgearbeitete glossar leisten hierfür gute dienste, obgleich in
Schröders glossar der unverkennbare wichtige unterschied ver-
wischt ist, welcher im Sprachstande der einzelnen gattungen
von denkmälern obwaltet. Und zwar ist nicht nur, wie schon
Schulte und Haendcke für die Urkunden hervorgehoben haben,
hinsichtlich der Zulassung von mundartlichen Vulgarismen zwischen
politischen und privaten beurkundungen ein unterschied wahr-
zunehmen, sondern die spräche des Strassburger rathauses
verhält sich der mundart gegenüber bei ihren offiziellen auf-
zeichnungen auch weit zurückhaltender, als in den ratsprotokollen
und dem teils hieraus entnommenen sogenannten „Heimlichbuch",
wovon Hegel 9, 1019 proben mitteilt. So unerschöpflich reich
der inzwischen erschienene 5. band des Urkundenbuches der
Stadt Strassburg in sachlicher beziehung ist, dem sprachbilde
jener zeit fügt er wesentlich neue züge nicht hinzu. Gelegentlich
ist auf das aus dem nachlasse Schmidts herausgegebene Wörter-
buch der Strassburger mundart bezug genommen. Die förderung,
die bald jeder durch das Wörterbuch der Elsässischen mundarten
von Martin und Lienhart erfahren wird, musste ich noch ent-
behren. Um jenen sprachstand unseres gedichtes zu charak-
terisieren, bedarf es nur der hervorhebung der bezeichnendsten
erscheinungen, indem regelmässig auf Weinholds darstellung des
Elsässischen in der Alemannischen grammatik und Schröders
14
glossar im 9. bände der Städtechroniken, aber auch auf Erwin
Haendckes schrift über die mundartlichen elemente in den
elsässischen Urkunden des Strassburger Urkundenbuches (Alsa-
tische Studien heft 5; vgl. Francks anzeige im AfdA XXII 12),
sowie auf die beiden wichtigsten poetischen denkmäler aus der
ersten hälfte des jhs., Egenolfs Peter von Staufenberg und den
Rappoltsteiner Parzifal hingewiesen wird. Dabei sind schon
in der regel diejenigen zahllosen grobmundartlichen formen der
hs. A ausgeschieden, die dem Dichter abzusprechen waren, und
reimbelege an erster stelle ausgewählt.
Das alte in van festgehaltene a (Weinhold s. 92) erscheint
1092 getan : van und 1101 der van : an. (Vgl. Egenolfs Peter
von Staufenberg 31 davan : man);
e=a (Weinhold s. 93) in der : swer 433, 468, 526, 532, 616.
Schröder s. 1088a. Rappoltsteiner Parz. 79, 15 der : sper.
311, 14 der : wer u. ö.;
i = ii in minne : gewinne=gewtinne 503. Weinhold s. 94.
Schröder s. 1107 b, 1125 b;
ü=i in würt524. Weinliold s. 97. zwfirne 178. Schröder
s. 1134b;
e = ö in vert : dort 585. Weinhold s. 96. Schröder s. 1117a.
möchte : vurbrehte 890. Haendcke §§ 4, 5;
u = o in wuchen 370. Parz. 43, 37 u. ö. kumends 600.
Gumpostelle 127, 479. Parz. 822, 3 gunpleten. Weinhold
§ 118. Schröder s. 1125 b. Haendcke § 8.
Das zu 6 (o) verdumpfte elsässische ä (a) dessen hauptblüte
im XIV. jh. liegt (Haendcke s. 6 und 47), ist häufig: noch : zoch
51. not : rot 57. woren : geboren 87. not : missetot 236.
st6t:n6t 257. tröste : begöste 365. vrogte : ingenote 718,
672. verlor :j6r 736. grove : hove 884. Weinhold § 124.
ä = 6 erscheint in län : hon. Weinhold s. 97 f;
ü = iinüch:rich732. mengelich:üch522. Weinholds.99;
die Verengung des ei in e in beder 89. Weinhold s. 98.
Schröder s. 1083 a. Haendcke § 15.
e für ae ist durchgedrungen; Pfeiffer im vorwort zu Boners
Edelstein s. XI. Weinhold § 122. Schröder s. 1090 b. Haendcke
§ 3; desgleichen ü für in, und die pronominalendung iu beseitigt.
Edward Schröder, einleitung zu Peter von Staufenberg s. LI f.
16
Deutlicheres gepräge zeigt der konsonantismus. der in der
hs. A, besonders etwa von der mitte des gedichtes ab, sich als
grobmundartlich geltend macht, während der rekonstruierte text
in manchen punkten natürlich darauf verzichten musste dies
alles wiederzugeben. Hinzuweisen ist auf das häufig anlautende
jüngere d (Weinhold, s. 142. Haendcke § 43, der aber mit un-
recht von völliger willkttr im gebrauch von d und t redet), die
Umstellung des r in burne (1052, 1120) einre, ginre (Wein-
hold s. 165) die Vereinfachung der gemination rr in here
(heren : eren 535) und vere (Weinhold s. 167. Schröder
vermutet schon für das XIV. jh. ein vere; für später ist es
gesichert; s. DWB III, 1527), die teilweise Verdrängung des
mhd. auslautgesetzes in tag, lag, sag u. s. f. (Schröder, glossar
s. 1099 a. Weinhold s. 181. Strassburger Studien III 257. Edward
Schröder zu Peter von Staufenberg s. LH. Haendcke § 48),
den tausch von g und w in tuwent 321 und ruogen 350, be-
schiegentll44 (Weinhold s. 184. Schröder s. 1099a. Schmidt,
Wörterbuch der Strassburger mundart s. 87 b), den ausfall des
g in vrogte:ingnote 671, 717, (Parz. 17, 1. 511, 40. 39, 36;
genote : frote Stauf. 617. Merswin, Neun felsen s. 89 frote);
vuogte : guote 383 (Weinhold s. 180. DWB IV 1, 1110.
Schmidt, Wörterbuch s. 2 a).
Eben dahin deuten auch der unbestimmte vokal der endung
in wannan 402 (Parz. 106, 18. 107, 7 u. ö. Haendcke § 31.
Weinhold s. 92.); das praeteritum satte 467 (Weinhold s. 139,
136. Mhd. grammatik s. 186. Schröder glossar s. 1122 b), das
nur elsässische reduplizierte praeteritum beschiegent 1144
(DWB VIII, 2310), die elsässische form giner (ginre) 389,
506, 1185 (Weinhold s. 292. Schröder s. 1099 a. DWB IV, 2,
2304), üt, nüt, sü (Weinhold s. 299. Schröder s. 1129; in
Schröders Peter von Staufenberg lies auch 199 und 1119 sü;
nur für 570 hat Schröder ZfdA 38, 110 gebessert; freilich
herrscht in den handschriften [Strassburger Studien III 300, 304]
und Urkunden hierin keine volle konsequenz, aber für einen
Wechsel hätte der herausgeber wieder gar keine norm), die
gesamten sonstigen allgemeinen flexionserscheinungen, ausdrucks-
weise und sprachgut, aus dem beispielsweise hervorgehoben
werden mögen minne(: dinne 700) für mutter (DWB VI 2241.
16
Zarncke im Mhd WB 11 1, 182 a. Eonrad von Dangkrotzheim,
Namenbuch 139, 324), malotz 736 (MhdWB II 1, 28b.
Schröder, glossar s. 1113 a. Strassburger Studien III 64.
Schmidt, Wörterbuch s. 72b. Heyne im DWB VI 1514), g
549, 725 (Weinhold s. 313) und das mit seiner sippe auf Strass-
burg und dessen nähere Umgebung beschränkte grit 28. (Martin,
Strassburger Studien I 381 ff. Flohr in den Studien HI 130.
Schmidt, Wörterbuch s. 44 b. Schröder, glossar s. 1104 b).
Für Strassburg als heimat des gedichtes zeugt zweitens
die auch äusserlich beglaubigte herkunft der handschrift Ä und
der vorläge von G. Die hs A, eine Sammelhandschrift, Aug. 16,
17, 4®, stammt aus Strassburg. Hinter blatt 98 findet sich eine
liicke, während die blattzählung von 98 auf 102 überspringt;
bl. 98 ist mit einem folgenden zusammengeklebt, auf dem notizen
und federproben stehen. Man list, wenn man die verklebten
blätter gegen das licht hält, noch unter anderem von etwas
jüngerer band folgendes:
Dyss buoch Ist junckfrow Salniggin (?) * (?)
Wetzlarin von Strossburg.
Bestätigt wird diese herkunft durch den gleichmässig strass-
burgischen dialekt und den Inhalt der hs. Bl. 1 bis 44 a enthält
nämlich das ende und das register der chronik Jakob Twingers
von Königshofen, und bl. 83 ein reimgebet an den h. Christof,
der auch in Strassburg Verehrung genoss. Vgl. Pickel zu Konrad
von Dangkrotzheim v. 222.
Auch Gengenbachs vorläge hat die meisten der oben ange-
führten eigentümlichkeiten treu bewahrt und deutet damit nach
Strassburg. Goedeke Gengenbach s. 637, 13 setzte sie nach
Gengenbach. Abtei und Stadt Gengenbach gehörten seit 1340
zum Strassburger bistum. (Goedeke, Gengenbach s. X. Closener
38, 25. 93, 14.) Bischof Lambert, der von 1371 bis 1374 re-
gierte, war abt von Gengenbach. Städtechroniken 9, 1059.
Auch die Ortenau muss als elsässisch gelten. (Weinhold, AI. gr.
§§ 3, 5. Schröder, Rittermaeren s. LI.)
Selbst die prosalegende, die Pfeiffer in seinem altdeutschen
Übungsbuche abdrucken Hess, stammt aus Strassburg. Das be-
zeugt ihre mundart. Germania 3, 408 ff.
Sodann weist der name des dichters nach Strassburg.
17
Kistener ist dort die alte bezeichnung des tischlers oder Schrei-
ners, anderswo kästner, kastenmacher, kistler, kister, kistenmacher
u. s. w. genannt, dessen handwerk 1332 in Strassburg zünftig
ward. Closener erzählt 124, 18: Man mäht ouch vil lutes
zu nüwen antwerken, die vormols kunstofeln worent,
alse schüfelute, kornkeufer, seiler, wagener, kisti-
nere. Die letzeren beiden bildeten eine zunft. Hegel z. d. st.
anm. 3. Hildebrand im DWB V, 859 f. Lexer, Mhd. Hand-
wörterbuch s. V. u. nachtr. Strassburger ürkundenbuch V, register
s. 1112 und besonders nr. 618 s. 502 f., wo unter dem 17. Jan.
1365 der amtierende und sieben alte ammeister einen streit
zwischen wagnern und kistnern einer- und hauszimmerleuten
andrerseits schlichten. Im StUB III 225, 13 erscheint ein
Wernher der kistener, hausbesitzer in der Kordewangasse,
2. März 1313. StUB III 287, 38 heisst derselbe mann Wern-
herus dictus Kistener; 21. Januar 1321.
Es fehlt auch nicht an beziehungen Strassburgs zum h. Ja-
cobus. Nach Karl Hoebers mitteilung gab es dort ausser der
s. Jakobskapelle in der ehemaligen Sporergasse (der heutigen
Spiessgasse, Städtechroniken 9, 889, 8. Weissandts Stadtplan
nach Specklins modeil 137) noch eine zweite s. Jakobskapelle
an dem alten weinmarkt (Stadtplan 74/75), an deren stelle später
eine herberge trat. Bischof Heinrich I. von Hasenburg (1180
bis 1190) hat diese am 13. Dezember 1189 dem h. Jacobus ge-
weiht; ihr erbauer war Rudolf schultheiss von Strassburg.
Königshofen erwähnt diese herberge zweimal in seiner chronik
718, 11 und 739, 24. Die letzte stelle giebt von einer andern
pilgerherberge kenntnis, die dann auch nach dem weinmarkt
verlegt wurde. Königshofen erzählt 739, 18: „Do men zalte
1360 jor, do ving her Öttelin ein priestere zum munster
ane zu heischende gelt zu stüre zu einre eilenden her-
bergen, do men arme bilgerin inne gehielte, also
samelte er zu haut also vil geltz, das er eine eilende
herberge stifte uf sant Elsabetgasse (Stadtplan 27), und
wan es nu armen bilgerin nut wol do gelegen was,
derumb zoch er die eilende herberge an den Win-
merket do sii ignote ist". Vgl. jedesmal Hegel z. d. st.
Yolkskundige forschung würde an ort und stelle wohl ebenso,
Bnling, Kistener. 2
18
wie in Bayern (Sepp, Altbayerischer sagenschatz s. 652 ff.), noch
Zeugnisse für die bedeutung finden, welche die jakobsfahrten
auch für das Elsass gehabt haben müssen. Die wallfahrten
nach Compostella wurden, seitdem das h. land wieder verloren
war, immer häufiger, bis 1478 der papst Sixtus IV. das gelübde
einer wallfahrt nach Compostella sogar dem gelübde einer wall-
fahrt nach Rom oder Jerusalem gleichstellte und die dispens
dem päpstlichen stuhle vorbehielt. Wetzer und Weite, Kirchen-
lexikon u. d. w. Jakobus. Über die Pilgerfahrten zum h. Jakob
wird bei erörterung des Stoffes noch mehr die rede sein. Im
Elsass ist das Interesse an den jakobsfahrten noch im XVI. jh.
sehr rege (Pauli, Schimpf und ernst 213), und als die refor-
mation sich in bewussten gegensatz zu der praxis der wallfahrten
stellte, da war es wieder ein Elsässer, Jörg Wickram, der in
seinem ,Irr reitend bilger*, Strassburg 1556, das neue lebens-
ideal dem alten in ausführlichem lehrgedicht entgegenhielt. Un-
gewiss bleibt es, ob Wickram auch sein versprechen ausgeführt
hat, ein erzählendes gedieht ,von getreuen knechten' zu ver-
fassen, die auf einer jakobsfahrt gestorben ^).
Für Strassburg zeugt endlich die mehrfach wörtliche ab-
hängigkeit Kisteners von Strassburger litteratur, besonders aus
der ersten hälfte des XIV. Jahrhunderts, von Egenolfs Peter
von Staufenberg und dem Rappoltsteiner Parzifal. Dass diese
werke, ebenso wie unsere legende, die epigonendichtung des vor-
angegangenen jhs. zur notwendigen Voraussetzung haben, ver-
steht sich von selbst, und ist ja auch schon für den Peter von
Staufenberg zum teil von Jänicke und dann ausführlich von
Jäckel in seiner dissertation Egenolf von Staufenberg ein nach-
ahmer Konrads von Würzburg, Marburg 1898, nachgewiesen.
Davon mag also hier zunächst abgesehen werden. Auch in un-
serm falle, wo die abhängigkeit von Egenolfs Peter von Staufen-
berg wahrscheinlich gemacht werden soll, ist natürlich die ver-
mittelung durch gemeinschaftliche Vorbilder und Zwischenglieder
von vornherein nicht ausgeschlossen. Wer aber solche etwa für
Egenolf und Kistener gemeinsame Vorbilder annimmt, hat sie
*) Auch von einem zweiten Jakobsbuch öengenbachs, das Goedeke s. XIV
ans einem holzschnitte erschliessen wollte, haben sich keine spuren gefunden.
19
nachzuweisen, wenn er seiner annähme einige Wahrscheinlichkeit
verleihen will. Dass Kistener Konrad von Würzburg, den in
Strassburg beliebtesten epigonendichter, kannte, wird sich später
zeigen; die gemeinsame abhängigkeit Egenolfs und Eisteners
von Konrad reicht aber bei weitem nicht aus, um alle jene Über-
einstimmungen zu erklären. Dazu kommt ferner, dass der
dichter des XIV. Jahrhunderts sich geradezu einer ,unendlichkeit'
fest ausgeprägter formen gegenüber befindet, wodurch die er-
kenntnis der individuellen leistung bedeutend erschwert wird.
Die technischen errun genschaften der dichtung sind eben schon
bis zu einem gewissen grade gemeingut der poeten geworden.
Gewöhnliche volkstümliche ausdrücke der elsässischen mundart,
in denen natürlich grosse Übereinstimmung, besonders zwischen
den Bappoltsteiner dichtem und Kistener herrscht, kommen hier
nicht in frage, ausser wenn sie eine spezielle färbung erhalten
haben. So möge nun eine reihe von entsprechungen folgen, die
keineswegs alle einzeln beweiskräftig sind, in ihrer gesamtheit
und im verein mit den in den anmerkungen angezogenen remi-
niscenzen und übereinstimmenden Stileigenheiten (besonders bei
so wenig umfangreichen werken wie Peter von Staufenberg und
Kisteners Jakobsbrüdern) den zufall ausschliessen und beweisen,
dass Kistener von der poetischen litteratur des Elsass aus dem
XIV. jh. abhängig ist. In den anmerkungen sind die stellen
meist ausgeschrieben.
Peter von Staufenberg 13 cxd Kistener 97 ; 41Bc>o248; 310
cv)288; 326; 339 = buchstäblich 414; 439 f . cxd 447 f . ; 457(>o741;
888CXD513; 860f.cxD808f.; 199^1008; 1110(>ol231a. Vergleiche
ferner die anklänge 273 f. cxD 483 f.; 317f.(>ol53f.; 678d— 868<>o
108; 695cv)964; 717dcxD290; 751 f. cv) 498 f.; 1041 cxd 375;
1106^1154; 1127 cv) 454; 1133 f. ~ 1021 f.; 1135^780;
1144^329.
Parzifal 283, 8 cxd Kistener 205; 243, 10^228 (vgl. 657, 35.
632, 20. 48, 17. In dieser Verbindung ist ungevuog sonst un-
belegt); 651, 42cv)259 (im Diocletian vers 22 und 7614 kehrt
dann die Verbindung wieder); 663, 20cv)357 (vgl. Boner 48, 100.
59, 53); 775, 21(>o454; 107, 46^479 (vgl. 17, 19 im hintergrunde
steht Engelhard 1762, 5695, 6355. Rudolf von Ems bei Krüger,
2*
20
Stilistische Untersuchungen über Rudolf von Ems als nachahmer
Gottfrieds von Strassburg s. 15. Vgl. später Diocletian 4121,
7411). 676, 6(ND610; 785, 26(>o995; 507, 26cxd1054 (vgl.
Engelhard 3410); 667, 14(n:>1087. Vielfache mundartliche an-
klänge an den Rappoltsteiner Parzifal geben die anmerkungen.
Man sieht, wie Kistener nicht zu seinem schaden sich in stil
und technik enger an Egenolfs Peter von Staufenberg als an
die Rappoltsteiner reimschmiede Wisse und Colin anschliesst.
Dass ein älterer Strassburger dichter von einigem künst-
lerischen geschmack Gottfrieds Tristan kennt, ist eigentlich
selbstverständlich. Kistener hat ihn mehrfach benutzt und sich an
ihm gebildet. Buchstäblich sind dem Tristan vers 30 (= Tristan
9839; vgl. 12912) und vers 358 (= Tristan 14494; vgl. 9836,
12766, 13216) entnommen. Denselben vers entlehnte auch
Rudolf von Ems im guten Gerhard v. 906, 3821 (vgl. 6780)
seinem vorbilde. Kisteners vers 61 entstammt der Tristanfort-
setzung Ulrichs von Türheim, vers 22, = Heinrichs von Freiberg
Tristan vers 84, die sich wieder an Gottfried 11483 anlehnen.
Vgl. Wisse, Parz. Schorbach s. XLIX: ,So ich beste künde',
aber auch Erec 1603.
Im übrigen entsprechen sich aus Gottfrieds Tristan und
Kisteners gedieht mehr oder weniger:
Kistener 96 cv) Tristan 9362; 153 f. cv> 18 227 f.; 174cv3 35l9;
230 f. cv> 1975 f.; 310cv>3183; 312cx:)3132; 512cx:)9467; 677cv)
5125; 689f.cv>4181f.; 951cv)1744; 964cx:)2028; 1017cx:)1283;
1087 CV3 9350, 11695; 1103 cv) 9409.
Zahlreiche anklänge geben die anmerkungen. In der reim-
häufung und in der Verwendung der anapher schwebte dem
epigonen wohl neben Konrad von Würzburg (Jäckel, Egenolf
von Staufenberg s. 30) der ältere meister vor. Kisteners leb-
hafte art der erzählung mit ,wol dan, wol her, balde' u. s. f.
war bei Gottfried vorgebildet. Vgl. Tristan 2910, 16015 ,wol
baldeS 2987 ,nu wol her balde^ 3077 ,wol hin*, 5449 ,üz!' 7654
,wol hinS 9319 ,wol üf .
Auch mit entschiedenen nachahmern Gottfrieds, wie Rudolf
von Ems (Krüger, Stilistische Untersuchungen über Rudolf von
Ems als nachahmer Gottfrieds von Strassburg. Lübeck 1896)
21
trifft Eunz Eistener zusammen. Bekanntschaft mit Rudolf machen
folgende entsprecliungen wahrscheinlich:
Rudolf von Ems, Guter Gerhard Iff., 6844 ff . cv) Eistener
19f.; 6876 cv> 1217 f.; 171cv)l08; 906, 3821, 4911cxd358 (ge-
meinsame quelle ist in letzter linie die feine höfische ausdrucks-
weise, wie sie im Tristan erscheint; s. oben); 2855 f . cv> 593 ;
4896cv^659; 6438 = 863 (Tristan 1117); 6445f., 4465f., 1973f.
cv3715f.; 4466 = 715, 6463 ff. cv) 661 f.; 6607 f. cv^ 1203 f.
In Strassburg war es auch mehr als (ausser in Basel)
irgendwo anders, einem dichter möglich, sich solche kenntnisse
der werke Eonrads von Würzburg anzueignen, wie sie Eistener
besass. Allerdings übertrifft ihn darin noch Egenolf, der Ver-
fasser des Peter von Staufenberg (Schröder s. L, Jäckel s. 4);
aber auch Eistener verdankt Eonrad viel. Sein Engelhard war
nicht nur formell, sondern auch inhaltlich Eisteners Vorbild.
Buchstäblich entlehnt ist dem Engelhard (2345) Eisteners vers
1041, anklänge sind zahlreich. Prolog und epilog Eisteners
haben mit denen Eonrads manche berühr ungspunkte. Wie Eonrad
von Würzburg dichten will ,von höher triuwe' ,daz ich von
höher triuwe sage', so erklärt Eistener: ,von groszer trüwe
ich sagen wil' (v. 2) und ,von getrüwen lüten wil ich sagen*
(v. 58). Treue und Wahrheit verbindet Eistener wie Eonrad,
dieser in der form : ,triuwe und innecliche wärheit* (v. 6472 und
115, wozu Haupt zu vergleichen), jener in den werten ,trüwe
warheit* (v. 35); vgl. Boner 73, 6. ,milte* und ,trüwe' stellt
Egenolf 5, 23 wie Eistener 1177, ,milte, triuwe, diemüete* Gott-
fried Tr. 5048 ganz wie Eistener zusammen. Die Warnung vor
der untreue führt Eistener mit deutlichem anklang an die werte
Eonrads ,daz niemen triuwe braeche an in' (v. 114) ein, wenn
er V. 37 fortfährt ,Swer aber trüwe briht an in'. Beide machen
den gegensatz von treuen und untreuen, Engelh. 188 ff. (vgl.
Trojanerkr. 49655 ff. der fortsetzung), Eistener 59, 1189 f. Der
übliche ausdruck der bescheidenheit (Engelh. 140 ff., Eistener
13 ff., 1217 f., Wackerneil zu Montfort 2, 144, wo Rudolf von
Ems vergessen ist) und der typische schluss (Engelh. 6491 ,wan
ez nü gar ein ende hat', Eistener 1219 ,schier hat die rede ein
ende' =» Herzemare 533, Stauf. 1165 h., Jäckel s. 94, 72) sind ein-
22
ander verwandt. Vgl. noch Konrads Engelhard 39 cv) Kistener 55.
Über die technik des dichters sprechen beide ganz ähnlich:
E. 213cn:>K. 1208. Vgl. Haupt z. d. st. und Barlaam 5, 16. Viele
Züge und Situationen sind Konrad nachgebildet : Kistener 309 ff. cv)
Engelhard 326 ff.; 394 ff. cv^ 514 ff.; 401 ff. cv) 616 ff ; 570ff.c>o
1422 ff.; 675 ff. cv) 1432 ff; 733 ff. cxd 5144 ff ; 761 ff cvd 5443 ff ;
799 ff. cv) 4230 ff; 877ff.cv^5840ff ; 934 ff cv^ 6250 ff ; 975ff.cx^
6300 ff.; 1145 ff. cxD 6386 ff.
Einige stellen Kisteners weisen auf bekanntschaft mit
Konrads Silvester hin : so Jakobsbrüder 111 f. cv) Silv. 585 f. ; 916
ist mit ausnähme des pronomens buchstäblich dem v. 2389 des
Silvester gleich, 1110 cv> Silv. 2367; 1228 (>o 1333.
Mehr ist der Partonopier benutzt. Fast buchstäblich ist:
Part. 4456 = Kist. 123; 12495 = 144; 6015 = 876; 11122 = 370.
Dem Part. 17675 ist nachgebildet Kist. 1179 f. Anklänge
sind nicht selten: Part. 191 cv) Kist. 16; 4378 cv) 77; 6634 cv)
326; 7378cv:>328; 9137cv)361; 13187 f. cx) 666; 12161 cv)889;
9682cv)940; 1561 cv:> 1041; 9866 (10031) cv) 1150.
Von einer bekanntschaft mit andern werken Konrads sind
nur undeutlichere spuren vorhanden, insofern man nach ent-
lehnungen und nachbildungen im einzelnen, als den stärksten be-
weismitteln sucht. Aber das sind eigentlich auch nur grobe züge
von ähnlichkeit, die sich allerdings am einfachsten herausheben
lassen, um Verwandtschaft festzustellen. Fast noch wichtiger
ist die abhängigkeit in der feineren untermalung, der beim
dichter die allgemeine Stilisierung entspricht; denn diese ist
weniger vom zufall abhängig, als die möglichkeit einer Über-
einstimmung bei einem dutzend zusammengelesener verse.
Darauf lässt sich hier auch die probe machen. In Kisteners
gedichte finden sich unter anderen buchstäblich zwei Erecverse :
Kistener 414 = Erec 3908. K. 964 = E. 3414: und doch sind wir
deswegen nicht berechtigt, auf eine unmittelbare bekanntschaft
mit Hartmann zu schliessen; denn Kisteners stil ist nicht der
Hartmanns, sondern der Konrads, und die entsprechung in jenen
beiden fast formelhaften Wendungen ist als mehr oder weniger
zufällig zu betrachten. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass
auch Kistener z. b. die fast typisch gewordenen eingänge Hart-
manns gekannt hat; vgl. zu 17.
23
Um Kisteners stil als im allgemeinen Eonradisch nachzu-
weisen, bedarf es einer heute noch ausstehenden zusammen-
hängenden darstellung der stilistischen kunst Konrads nicht.
Seine kunst auf ihre formel zurückzuführen, mag berufeneren
überlassen bleiben. Für unsere zwecke genügt es, die Überein-
stimmung mit den bis jetzt beobachteten Stilgesetzen Eonrads
und manche andern einzelheiten hervorzuheben.
Mit Eonrad teilt Eistener die fülle an synonymen (Joseph
QF54, 28f.; Wolff, Halbe bir s. XXXI f.; Elitscher, Die fort-
setzung zu Eonrads von Würzburg Trojanerkrieg und ihr Ver-
hältnis zum original s. 42; Jäckel s. 7f.). haz unde nit 27.
heil und selde 40. trüwe und ernest 47. ze eren und ze lobe
63. lihen unde geben 109. liep und zart 259, 445. lasz ich
wissen dich — ich wil dir sagen 292 f. liep unde wert 318.
813. liep unde mer 606. trost unde muot 419. über brück
und über steg 556. unbetwungelichen ane not 632. wolte
unde hiesz 654. ein gedultigen vesten muot 783. reine und
gesunt 904. hie bliben und bi uns sin 1062. luogent und be-
sehent 1140.
Eistener schwelgt wie Eonrad in den ausdrücken des affektes
(Q.F. 54, 28, 29. Wolff s. XXXII): sin leit, sin jamer 932. so
jamerlich 936. wie we daz minem herzen tuot 937. so grunde-
lose klage 940. er brach, er want sich jamerlich 951. mit
groszer widerwertikeit und mit jamerhaftem muot 963. jamer
unde not 972. von schreck er viel in unmaht 975. so leide
mer 992. daz sin herze mitten brach 995. von jamer allez
daz geschach 996. so wil ich iemer haben pin 998. der junge
grave hette leit 1010. beswert von gründe was sin muot 1013.
sine swer 1024. Er führt, wenn auch seltener als Eonrad
(QF54, 29; Wolff s. XXXIII f. ; Jäckel s. 9; vergleiche unten)
die Personen unter wechselnden bezeichnungen ein. Der grafen-
sohn heisst 342 der suon, 372 der jungeling, 378 der zarte
Jüngling minneclich, 403 des herren suon uz Peigern, 508 bruoder,
1010 der junge grave, 1034 der grave. Auch Eonrads neigung
für gepaarte ausdrücke (QF 54, 29 f. Wolff s. XXXV. Elitscher
s. 38 ff. Jäckel s. 10 ff.) findet bei Eistener nachahmung: ritt
ald gat 50. unküscheit und iren grit 28. werlich unde vri 78.
reit oder gieng 268. lip unde leben 304. vuor unde ging 372.
24
getrüwe unde guot 381. giengent unde ritten 411, 557. zuht
und ere 542. rittent und liefent 587. juncher unde pilgerin
589. truog und viierte 631. ere und tugent 658. kerte und
gieng 788. schimpf unde spot 1155.
Der parallelismus der gedanken, der für Konrad so be-
zeichnend ist (QF 54, 30. Wolff s. XXXV ff. Jäckel s. 15),
lässt sich nicht minder bei Kistener beobachten: Swer guoten
werken volget noch und sich zuo den besten zoch, der mag hie
selig alten und dort sin sele behalten. Swer die boesen vliehet
und sich zuo den besten ziehet, daz vromet vor manger not
51 ff. Ähnlich 335 ff., 347 ff., 411 ff.
Breite der darstellung ist auch in vielen dingen Kisteners
eigenschaft (QF 54, 31 ff. Wolff s. XXXVIIff Jäckel s. 16 ff).
Er scheut keine Wiederholungen : 2.5; 71.1176; 9.1195.1205;
17.63; 10.16; 14.1217; 44.49; 186.192; 202f., 209f..233f.;
244 f.; 262. 270. 292 f.; 300.302; 332.335; 385 f.; 441.446.
449; 465.469; 459.475; 506. 508 f.; 552.555; 588.590; 735 f..
746f.; 848.859; 896.1127; 772 f. .889 f. . 932 . 940 . 996 . 1010.
1013. 1081 ; 982. 1091 : gebraucht behäbige phrasen: 10, 60, 69, 72,
159ff., 213 ff., 248 ff, 258, 264f., 933, 1165, 1189, 1195, 1203ff.,
1214 ff.: wendet sich mit einer apostrophe an die zuhörer und
leser (Wolff zur Birne 84): 2, 5, 15, 71, 1023, 1176, 1183,
1190, 1192, 1197 f., 1203 f., 1229: sucht durch versichernde
bemerkungen glauben zu erwecken *) und macht ungescheut
seine persönlichkeit geltend: 43, 253 ff., 941 f., 1164 ff. (Klitscher
s. 62f.).
Die Konradische breite im einzelnen ausdruck zeigt sich
beim epitheton, es ist bisweilen recht allgemeiner art und formel-
haft. Jedes der von Kistener gebrauchten beiwörter gehört auch
Konrad: grosz 3, 980, 203, 376, 793. trüwe 35, 116, 381.
erlich 73, 223. lobesam 82. wolgetan 84. stete 111. schoene
132, 182, 473, 569, 771. edel 143. zart 143, 378. liep 151.
heilig 184, 1032. minneclich 378, 869. guot 381, 686, 914,
1163. wolgemuot 685. tugentlich 768. kalt 911. grundelos
*) Man hat in jenen Versicherungen wohl den zunehmenden einfluss der
Volksdichtung wahrzunehmen, nicht das hestreben, „den eindruck-des gewissen-
haften historikers zu macheu'' (Jäckel s. 22).
25
940. Egenolfs ähnliches Verhältnis zu Konrad hat Jäckel s. 38 ff.
nachgewiesen.
Metaphern und vergleiche (QF 54, 42 f. Wolff s. XLIff.
Klitscher s. 53f. Jäckel s. 27f.) sind bei Kistener nicht ge-
rade häufig, da seine fantasie nicht reich, aber doch gestaltungs-
kräftig war. Von der allgemeinen bildlichkeit der älteren
spräche kann aber billig abgesehen werden. Hier mögen
verzeichnet werden: 150 den lieben gast. 206 als ein rose wart
sü var, die von roete ist enzunt. 361 sin herze wart im grosz.
379 eilende im under ougen sluog. 644 reht als er ein heiige
wer. 938 min eigen bluot. 1064 die rede was ime ein troum.
1087 als ein tote wart er var. 1098 an schänden blint. 1226
die weit git werlich boßsen lan.
Endlich gilt auch bei Kistener noch das von Joseph QF 54,
43 ff. verfolgte Stilgesetz Konrads inbetreff des syntaktischen
parallelismus (Jäckel s. 30 ff.). Das prinzip der kongruenz
ist regelmässig gewahrt 535, 556, 610, 615, 653 f., 749, 925,
932, 951, 966 f., 1015. Daraus ergiebt sich für Kisteners vers
496 die Verbesserung ,und vür' (C) statt ,ouch* (QF 54, 61 f.)
und für 1061 ,vrowe unde* statt ,vrowe und die' (Kistener 851,
1157). Leichte fälle einer ausnähme sind 569, 658 und 1221,
immer an erster stelle im verse. Konrad selbst hat schwerere
fälle. Joseph s. 52 ff. Der grundsatz der Steigerung wird 808 f.
(Stauf. 268 f.; Jäckel s. 32), 914, 1014, 1042 f., 1228 befolgt.
Über Kisteners abhängigkeit von Konrad in andern dingen
siehe die anmerkungen zu 649, 940, 1217.
Den Zusammenhang mit der elsässischen litteratur befestigt
die Wahrnehmung, dass Hans von Bühel den Kistener nachahmt.
Kistener 86 oo Diocletian 3362, 131cv:>15 (Königstochter 1561=
5522); 288cv)8472 (vgl. 8333, 8211); 414cv:)3340; 544cv)9045;
555cv)8193; 816cv>1796 (Königstochter 2043 f.) ; 816cv)l749
(vgl. 3342, 4127, 4611, 4965).
Noch stärker ist Hans von Bühel in seinem erstlingswerke
von unserm dichter abhängig. Nicht nur zahlreiche Situationen
und einzelne züge der Jakobsbrüder schweben dem Verfasser
der Königstochter vor, sondern oft sind es auch dieselben oder
fast dieselben worte, in die er sie kleidet. Allerdings sind buch-
26
stäbliche entsprechnngen schwerer nachzuweisen; schon die fiber-
Heferang der Königstochter macht das beinahe anmöglich. Der
Grfiningersche drack wollte das ältere gedieht eben seiner zeit
geniessbar bieten, ohne sich am die echtheit der überlieferang
za kümmern (Germania 36, 247). Far die herstellnng der ge-
dieh te des B&helers, die aber nicht eine nmschreibang in das
ältere mittelhochdeatsc^h werden darf, gewinnt Eisteners gedieht
Wichtigkeit. Hier möge nnr aaf folgende stellen hingewiesen,
anderes den anmerkangen überlassen werden. Königstochter
686 (>o Kistener 151; 7^^5(>o732; 803 cv) 1107; 1027 cv) 60;
1305 f. cv> 747 f.; 1307 cv:> 434; 1403 cv) 192; 1411 cv> 919 (als
stilistischem vorbild, während der inhalt des ansdracks sehr
abweicht); 1417, 4571f. cv> 780; 1666, 3267 cv:> 857; 1713,
3220f.(>ol83; 1806cv)892; 2404cx:)1081; 2861cv3ll33; 3071oo
258; 3076f., 1865f.cv:>783f.; 3155cv:>3l0; 3212cv)l81; 3496cv^
453; 4353cv)375 (zugrunde liegt Boner 12, 5); 4580, 6052 cv) 954;
4707cv)388; 4831 flf.cxD 1218; e007cv)711; 6337cv:>329; 6364cv)
392; 6451f.cv)389f.; 6496cv)357; 6519cv>343f.; 6524(nd314;
316, 6757ff.cv)96f.
Auch Kisteners manier, das gedieht durch egoistische wünsche
zu unterbrechen, ahmt Hans von Bühel nach (K. 4245) und über-
bietet ihn in seinen fehlem. Absichtlich sind oben auch einige
mehr oder weniger formelhafte Wendungen berücksichtigt; denn
so sehr man auch mit recht von der volksmässigkeit solcher
kunstmittel reden kann, ist doch festzuhalten, dass der einzelne
dichter, besonders der anfänger bei seinem bewussten buch-
mässigen schaffen immer auch zunächst der einwirkung be-
stimmter Vorbilder nachgibt und alle ausgebildete Volksdichtung
auf kunstdichtung zurückzuführen ist. Es ist unrichtig, Hans
von Bühel als ganz ohne Zusammenhang mit der älteren dichtung
hinzustellen, und der hauptfehler der sonst verdienstlichen arbeit
Seeligs besteht darin, dass er Hans von Bühel als ganz isolierte
erscheinung betrachtet und den litteraturgeschichtlichen Zu-
sammenhang nicht gefunden hat, aus dem stil und kunstübung
des epigonen ihre eigentliche erklärung finden ^). Wie Hans von
*) Erhebliche ergänzungen zu Seeligs monographie liefert Behaghei,
Germania 36, 241 ff.; insbesondere macht er wahrscheinlich, dass Hans von
27
Bühels litterar-historischer Charakter ganz in der elsässischen
litteratur wurzelt, sein Verhältnis zu Konrad von Würzburg und
zum ß. Parzifal , das nachzuweisen kann hier nicht verlangt
werden; für diese Untersuchung kam es darauf an, festzustellen,
dass Kunz Kistener der elsässischen litteratur des XIV. jhs.,
insbesondere der Strassburgs angehört.
Zeit.
Wenn es als gesichert gelten kann, dass Kistener Egenolf
und die Rappoltsteiner Parzifaldichter kannte, so muss die ent-
stehungszeit seiner dichtung der mitte des XIV. Jahrhunderts
nahe rücken, ein schluss, der durch den sprachstand unseres
denkmals in jeder beziehung seine bestätigung erhält.
Schon wegen seiner kenntnis Konrads von Würzburg würde
man gut thun, in der ansetzung nicht allzuweit hinabzugehen.
Als eine wirkliche ausschliessliche stilcopie Konrads kann übrigens
Kisteners werk doch wohl nicht mehr gelten; starken einwir-
kungen Konrads hat sich sogar gegen schluss des Jahrhunderts
Heinrich Kaufringers technik nicht entziehen können. Zu dieser
ansetzung, die auf die mitte des Jahrhunderts leitet, stimmt auch
die Wahrnehmung, dass Kistener mit dem wahrscheinlich rasch
populär werdenden Edelstein Boners bekannt zu sein scheint,
der erst gegen 1349 abgeschlossen wurde. Ich gebe folgende
stellen der erwägung anheim: Boner 12, 5 buchstäblich = Kistener
375; 20, 33cv)177, 586; 48, 141cv)415; 73, 9cv^l067; 77,
14cv>565; vgl. ferner die anklänge und reminiscenzen : Boner
prol. 40 cv> Kistener 16; epilog 41ff.cv>K. 20; 72, 58cx:)145:
94, 87f.cv)1228.
Als terminus ad quem ergäbe sich aus der berücksichtigung
der Zeitverhältnisse und der Voraussetzungen des gedichtes spä-
testens das jähr 1365. Seit der englischen invasion nämlich, die
unter dem hauptmann Arnauld von Servole, dem sogenannten
erzpriester von Verney, und Enguerrand von Coucy stattfand
und die das Elsass und die Schweiz furchtbar verwüstete.
Bühel ans einem badischen geschlechte stammt, vergisst aber hervorzuheben,
dass auch die jetzt badische Ortenau elsässisch war. S. oben s. 16.
28
müssen die Pilgerfahrten fast ganz aufgehört haben. Lorenz
und Scherer, Geschichte des Elsass I 99 ff. Die beunruhigung
des Elsasses durch die Engländer beginnt schon 1360: StüB V,
435, Iff. Etwa um dieselbe zeit wird in Spanien den wall-
fahrten nach Compostella zunächst ein ende gemacht. 1366 be-
mächtigt sich Don Pedro der Grausame des erzbistums von
Santiago, worauf alle kirchen mit dem interdict belegt werden.
Gams, Kirchengeschichte von Spanien III l, 388. Das gedieht
aber setzt die Pilgerfahrten v. 23 ff., 44 ff. und im epilog voraus.
Kunz Kistener.
Was nun den dichter betrifft, so sei, allerdings mit der
entsprechenden reserve, auf eine zweimal urkundlich in Strass-
burg um die mitte des Jahrhunderts und etwas später bezeugte
persönlichkeit seines namens hingewiesen.
In einer Urkunde vom 30. April 1355 (StüB V 295, nr. 336),
in welcher die geschworenen des weinrufer- und weinmesser-
handwerks bestimmungen für die angehörigen ihrer zunft er-
lassen, wird zeile 36 Cuntze Kistener unter den meistern und
geschworenen des handwerks der winrfiffere und winmesser auf-
geführt. Wahrscheinlich derselbe mann verdankt es im jähre
1372, also offenbar in höherem alter, seinem ungeratenen söhne
Andres, dass er bl. 35a im ,Heimlich buch* des Strassburger
Stadtrates, der in jenem buche besondere Straferkenntnisse zur
künftigen nachachtung aufzeichnen liess, erscheint. Es heisst
da bei Hegel, Städtechroniken 9, 1022, 25: ,Item Andres,
Cünzen Kisteners sun des winruffers, und ein knabe,
heisset Michel, waz ein pfalczgrave, den ire oren
wurdent abgesnitten, haut dise stat und eine mile
drumbe naht und tag iemerme eweklich versworn, und
wo man sie darüber in der mile weges ergriffet, so sol
man sie ertrencken, umbe daz sie Louwen Mosunge bi
naht und bi nebel in sin hus stigent und sine mentel
und sine rocke verstulent*. über das treiben der jeunesse
dor6e jener zeit vergleiche Schmoller QF XI 20, dessen rede
eine vorzügliche Charakteristik des Strassburger bürgertums im
XIV. Jahrhundert gibt. Die winrüffer mögen früher diener des
29
rates gewesen sein, waren später um die raitte des XIV. Jahr-
hunderts allmählich von den gewöhnlichen winlüt^n kaum mehr
zu trennen (StüB V209, 15) und im XV. Jahrhundert bedeutet
winrüffer nach ausweis der glossen in dem vocabular des Niger
Abbas (Metzer hs. 293. Strassburger Studien 3, 31) nichts mehr
als Schenkwirt, caupo. Über die befugnisse, rechte und pflichten
der winrüffer (Edward Schröder zu Ingold 47, 24) geben Schröder
im glossar der Städtechroniken 1132 b, Heyne im DWB VIII,
1407, und für Strassburg besonders ausser der vorhin erwähnten
Urkunde vom 30. April 1355 zahlreiche stellen des Urkunden-
buches (I register s. 584 u. d. w. wein., IV, 2 register s. 307 f.
u. d. w. weinruf er u. s. w. V register s. 1112) auskunft.
Der Vollständigkeit wegen füge ich hinzu, dass ein Dietrich
Kystener (StüB V s. 7, z. 6) in dem Protokolle des zeugenverhörs
betreffend das geschelle vom 20. Mai 1332 vorkommt. Die stelle
lautet: Dietrich Kystener hat geseit, daz er sehe dez
Malers sune einen mit einem swerte in der scheiden.
Vielleicht' haben wir in Dietrich, Kunz und Andres Kistener
drei generationen derselben familie vor uns. Häufig nämlich
scheint der name Kistener als eigenname auch in Strassburg
damals nicht gewesen zu sein; er kommt eben ausser an
jenen 3 stellen sonst meines Wissens nicht vor, was die Wahr-
scheinlichkeit, dass jener Kunz unser dichter gewesen sein könne,
nicht mindert, sondern steigert. Wenn der dichter thatsächlich
weinrufer war, so empfing er ohne zweifei auch äussere an-
regung zu seinem den h. Jakob verherrlichenden gedichte durch
den umstand, dass am hauptplatze seiner Wirksamkeit, am alten
Weinmarkte, wie oben erwähnt, eine Jakobuskapelle, später
zwei pilgerherbergen sich befanden. Er hätte sein gedieht dann
wohl in jüngeren jähren verfasst. Im übrigen würden Charakter
und zuschnitt unseres gedichtes vortrefflich in einen solchen
lebenskreis hineinpassen. Mehr als wahrscheinlich lässt sich
aber diese annähme eben nicht machen.
30
m
Überlieferung und Herstellung.
Haben die bisherigen erörterungen ihr ziel nicht völlig ver-
fehlt, so ergibt sich für den bearbeiter des gedichtes die auf-
gäbe, es als ein Sprachdenkmal der Strassburger litteratur aus
der mitte des XIV. Jahrhunderts herzustellen. Bevor wir dar-
legen, wie das versucht ist, muss erörtert werden, welche mittel
die Überlieferung uns hierzu an die hand gibt.
Über dem gedichte hat ein unstern gewaltet. Wir besitzen
es in einer recht schlechten handschrift und in einer Über-
arbeitung Pamphilus Gengenbachs; dazu kommen 93 auf zwei
zusammenhängenden papierblättern erhaltene zeilen, die Frank-
furter bruchstücke. Gengenbachs Überarbeitung allein würde
uns nicht in den stand setzen, die herstellung mit einiger
Sicherheit zu unternehmen, wie das einem ganz anders be-
schaffenen drucke gegenüber Haupt beim Engelhard mit so
glänzendem erfolg thun konnte. Auch beim Peter von Staufen-
berg ist die Überlieferung der drucke d* und d* nicht so
systematisch geändert, wie das bei Gengenbachs druck, trotz
Goedekes teilweise entgegengesetztem urteil („er hatte auch kaum
etwas anderes anzurühren als die spräche" s. 637), leider zu oft
festzustellen war. Obgleich die handschrift A nur eine recht
schlechte Überlieferung darstellt, ist sie dennoch für die her-
stellung verhältnismässig am wichtigsten. Da über diese hand-
schrift mehr falsche als richtige angaben in Umlauf sind und
das vortreffliche Verzeichnis der Wolfenbütteler handschriften,
das werk des hochverdienten Otto von Heinemann, bis zu der
hier in betracht kommenden abteilung noch nicht gediehen ist,
so berichte ich kurz darüber.
A, die quarths. Aug. 16, 17 ist eine sammelhandschrift, die
aus Strassburg stammt. S. o. s. 16. Ich unterscheide mindestens
5 bände. Die erste schrieb bl. 1—44* die von Hegel nicht be-
nutzten bruchstücke der chronik von Königshof en, bl. 45 — 48
eine prosa über die Schöpfung, bl. 48* — 50* den brief herzogs
Friedrich von Osterreich an Sigismund, datiert Constanz, 7. Mai
1415, bl. 50* — 60* eine öde reimerei ,Von dem Juden und von
31
dem cristen': die zweite bl. 60* — 80 die legende von den Jakobs-
brfidern: die dritte bl. 80* — 81* ,üis ist die Schönheit der
frowen*, ein kurzes gedieht, bl. 81 das gedieht von den sieben
färben, 190 verse, also noch 22 verse kürzer als bei der Hätz-
lerin s. 168 (vgl. HMS 4, 95. QF 77, 89), bl. 83 ein in WKL
fehlendes lied auf den h. Christoph (,0 Christophore du heiliger
man'. Chronik des Johann Oldecop, 45, 30), bl. 83*— 84
das apostolische glaubensbekenntnis in deutscher prosa, bl. 84
bis 85 ein wieder bei WKL fehlendes mariengebet (,Maria
muoter und maget Du vil werde reine), bl. 85 — 87 ,Dis ist der
weite Ion', s. oben s. 1, bl. 87* — 89* eine reimerei über die be-
weglichen feste, und bl. 90 — 94, 95 — 96 eine tafel zur bestimmung
der zeichen, in denen sich alle tage der mond befindet, be-
schreibung der 12 zeichen des tierkreises, gesundheits- und
kalenderregeln; von einer vierten band rührt die prosa ,Von
dem strite zuo Franckrich' bl. 97 — 98 her; über die dann fol-
gende lücke ist oben s. 16 schon gesprochen ; der fünften band
wären die küchenrezepte zuzuweisen, die bl. 102 — 118 die hand-
schrift beschliessen. Die Wasserzeichen des papiers scheinen
in der ganzen hs. dieselben zu sein. Auch der dialekt ist im
wesentlichen der gleiche. Die einzelnen teile der hs. sind nicht
alle zu gleicher zeit entstanden, wohl keiner früher als im an-
fange des XV. jhs.
Unsere legende beginnt, mit anderer tinte und in anderen
buchstabenformen geschrieben als das vorhergehende kampf-
gespräch, gleich auf dem noch leer gebliebenen teil des bl. 60*,
ohne Überschrift mit allen spuren der eilfertigkeit und nach-
lässigkeit. Die rote tinte, mit der Verzierungsstriche ausgeführt
sind, hat der Schreiber nicht einmal trocknen, sondern oft gleich
auf der gegenüberstehenden seite abklatschen lassen. Kleine
unbedeutende federzeichnungen sind an einigen initialen an-
gebracht.
B. InbetrefF der Frankfurter fragmente, die hier mit B
bezeichnet sind, sei auf s. 10 f. und Wülcker verwiesen.
C. Für seine reproduktion des Gengenbachschen druckes (C)
benutzte Goedeke das Wolfenbüttler exemplar. Das Berliner
exemplar (Yg 6731, aus der bibliothek K. H. Gregors von Meuse-
bach entstammend) gibt genau denselben druck wieder. Fehler
32
Goedekes sind 17 ordentlich für ordenlich, 172 gefatterein
für gefatterein, 178 schlofften für schloufften, 206
willens für willen, 270 letzti für letzi, 284 ruwen für
rüwen, 387 nemandt für nemendt, 505 beglr für bgar,
564 loraparten für lamparten, 567 zu hinter jnen aus-
gelassen, 686 lüt für leüt, 857 den für dem, 878 kymmel
für hymmeL
A, B, C gehen in letzter linie allerdings auf eine gemein-
schaftliche quelle, einen bereits stark fehlerhaften archetypus
zurück. A und C gemeinsame fehler finden sich z. b. 302, 867,
1163; B und C gemeinsame 993, 944; A und B gemeinsame
905, 920. Aber jede einzelne form der Überlieferung hat wieder
so viel eigne fehler, dass dadurch eine nähere Verwandtschaft
mit einander ausgeschlossen wird und von einer grundsätzlichen
bewertung der einen dieser drei Versionen einer zweiten oder
dritten gegenüber kaum überall die rede sein kann. Dazu kommt,
dass bei der geringfügigkeit der erhaltenen fragmente ein urteil
über die mitteldeutsche Überlieferung B nur teilweise ermöglicht
wird. Wertvoll sind uns die Frankfurter fragmente, weil sie
nicht nur, dem mitteldeutschen sprachcharakter gemäss, die wort-
körper ohne erhebliche Verstümmelungen wiedergeben, sondern
weil sie vor allem vers 867 — 876 die lücke der Überlieferung
in A C ausfüllen. Ist hier B im vorteil gegen A C, so teilt B
andrerseits wieder mit C die lücken vers 943, 944.
Gengenbach hat nicht nur die spräche, sondern auch den
ganzen' bestand des gedichtes seinen zwecken entsprechend um-
gemodelt; das musste er, wenn er das ältere gedieht seinem
Publikum mundgerecht machen wollte*)^
Den prolog 1 — 70 Hess er weg; wollte er doch nicht gleich
zu anfang sich als plagiator darstellen, wenn auch das XVI. jh.
über solche erneuerungen anders dachte als wir. Zudem über-
wog das rohe stoffinteresse bei seinen Zeitgenossen ; die harmonie,
in der grundgedanken und stoif in den besseren leistungen der
alten erzählenden poesie standen, würdigte man nicht mehr. Im
') Lehrreich ist ein vergleich, den in ähnlichem fall A. Bartsch, Germania
36, 249 fr. anstellt. Es handelt sich um die handschriftlichen hruchstücke der
(sonst nur nach drucken hekannteu) Königstochter des Bühelers.
33
epilog ist Gengenbach dann wieder naiv genug, den namen
Kisteners zweimal stehen zu lassen. Die sachlichen änderungen,
die er ferner vornahm, sind zum teil nicht ohne Interesse. Das
im XVI. jh. unmögliche wort minne (501; vgl. jedesmal die in
den anmerkungen gegebenen lesarten zu dem betreffenden verse)
musste er vermeiden (Kaufringers gedichte s. II; Schmeller,
Bayerisches Wörterbuch I^ 1619; QF 77, 25; im höheren stil
wie in der rechtssprache nahm man keinen anstoss. Zusatz zu
Kistener 1155). ,zuht und ere*, die im älteren gedieht 542 ge-
boten waren, wurden grobianisch zu essen und trinken, was
(541) zwei tage dauert. Das alte pflegeramt war wohl schon
überall in den bänden von juristischen beamten ; deshalb änderte
Gengenbach jedesmal, wo es vorkam 569, 652, 655. Ritterliche
abenteuerfahrten waren dem Jahrhundert der reformation eine
sage ; so änderte der Baseler drucker 682 ff. Anderes ist oben
besprochen s. 5ff., vgl. 164. Die lebhaften wechselreden des
höfischen epos, die ohne langweilige einführung einander folgten,
kennt G. nicht mehr; regelmässig setzt er hinzu: ,Er sprach'
und dergleichen. Die meisten änderungen nahm er mit der
spräche vor. Fast jede alte, nicht mehr verstandene wendung
wird zum anlass einer änderung oder eines schwalls von ver-
hüllenden Worten wie 560, 1174 (trüwe : nüwe) oder 117, 379.
Wenn ihm die wiedergäbe Schwierigkeiten macht, lässt er stellen
aus wie 809, 810. Die Umschreibungen und zusätze dienen
meist der plattesten Verständlichkeit 348, 533, 795. Mit rohem
unsinn und gedankenlosigkeit nimmt er es dabei nicht eben
genau: 952, 993, 1055. Oft sprengte die prosaische Wortfolge
den vers. Ob der Überarbeiter selbst oder seine doch wohl
handschriftliche quelle vers 438 von dem reime ,min' zu dem
gleichen in vers 451 übersprang, lässt sich nicht entscheiden.
Neben einer gewissen eleganz der ausstattung verraten Gengen-
bachs drucke flüchtigkeit, eilfertigkeit und beschränktheit der
mittel. Goedeke s. XV. Aber trotz aller dieser fehler und trotz
aller Willkür, die den wert der bearbeitung Gengenbachs für
unsere zwecke in frage stellt, ist die in ihr erhaltene form
der Überlieferung doch recht wichtig, weil sie ganze in A
verlorene, in B verderbte und verstümmelte versgruppen (be-
sonders 934 ff.) gerettet hat. Ausserdem geht C lange strecken
Buling, Kistener. 3
34
mit A und gibt auf diese weise der lierstellung eine noch
sicherere grundlage.
A steht dem dialekt nach und wegen ihrer verhältnis-
mässigen treue der Überlieferung dem original am nächsten.
Ihr Schreiber war freilich flüchtig und ungeübt, verlas sich nicht
selten bei flexionsendungen , mit denen er auch unsauber um-
ging, achtete nicht immer auf die Wortfolge und metrik und
Hess eine anzahl kleiner Wörter sowie einige versreihen aus.
So sprang er vers 478 von kam zu man 482 über, indem er
vers 479—482 ausliess. Ebenso ging es 935 (s. die anmerkung).
Ähnlich 376, 378. Zwei verse 197, 198 sind in einen zusammen-
gezogen. Seine vorläge enthielt wahrscheinlich schon einige
dieser lücken, sicher schon viele entstellungen des textes; s. an-
merkung zu V. 5.
Vor allem brachte der Schreiber der hs. A unzählige Vul-
garismen seiner mundart in den text, die keineswegs seine vor-
läge schon hatte. Vielmehr zeigte diese, wie manche spuren
beweisen, eine grössere enthaltsamkeit der mundart gegenüber.
So findet sich anlautendes t= mundartlichem d: tut 29, 67.
tag 206. vntertan 74 u. s. w. Rein erhaltenes a = ver-
durapftem o: gnade 128. han gebracht 12. nach 20.
lasen : Strassen 25. Jacop 227 u. s. w. Gegen die mitte
der arbeit scheint bei dem Schreiber der widerstand gegen die
mundart zu erlahmen. Die richtige reihenfolge der verse war
sicher schon in der vorläge von A mehrfach gestört.
Unechte erweiterungen hat A, wenn man den (schon in
einer, A C in letzter linie gemeinsamen vorläge) nach 302 ein-
geschwärzten vers abzieht, überhaupt nicht, nur Verkürzungen ;
ein umstand, der die glaubwürdigkeit der hs. A bedeutend stützt.
So musste hier das verfahren geboten erscheinen, im ganzen
A zu gründe zu legen und aus B C zu berichtigen. In den an-
merkungen sind die abweichungen von B und C fast vollständig
mit ausschluss der abweichenden, in bunter mischung wechselnden
flexionsformen verzeichnet; waren diese von einigem belang,
so wurden auch sie angegeben. Um eine art abschliessender
beurteilung zu ermöglichen, galt es eher zu viel, als zu wenig
zu thun. Die unechten erweiterungen waren in den meisten
fällen wohl kenntlich; einige bleiben zweifelhaft. Fehler aller
35
art, wie in den versen 934 ff., lassen im einzelnen falle über
ein eklektisches verfahren nicht hinauskommen.
Welche grenzen der herstellung eines denkmals dieser zeit
gezogen sind, hat E. Schröder in der Einleitung zu Peter von
Staufenberg s. LH und ZfdA 38, 105 ausgesprochen. Hier
kommt als erschwerender umstand noch die schlechte Über-
lieferung hinzu; ausserdem wird man sich doch wohl auch hüten
müssen, die bescheidenen verse Kisteners allzu sehr zu ver-
schönen und nachzuglätten.
Im allgemeinen war die mundart nach der offiziellen spräche
des Strassburger rathauses zu regeln. Auf die Schriftsprache
deuteten schon die über die mundart sich erhebenden spuren
eines geläuterten idioms in A. a für o wahren die Urkunden
vorwiegend noch in den siebziger jähren des Jahrhunderts (vgl.
auch Haendcke s. 45 f.), bei tuon überwiegt noch immer das t,
bei giner, einer u. s.w. die nicht umgestellten endungen; wo
und wa, do und da werden noch geschieden, ja, sogar in be-
wusstem gegensatz gegen die mundart, man möchte sagen,
hyperSchriftdeutsch, vielfach (StüB V 251, 25. 255, 7. 256, 2.
331, 21. 333, 22. 365, 5. 294, 23. 1021, 10 u. ö.) da auch
für do gebraucht. Andere einzelheiten erläutert E. Schröder
zu Peter von Staufenberg s. LI f. Vgl. zu Kistener 612, 436,
450, 513, 714, 724, 795, 883. Dass circumflexe zur bezeichnung
alter länge nicht mehr am platze sind, beweist die völlige kon-
fusion der Schreiber, die in den Urkunden sich ganz ausnahms-
weise diese noch gestatten. StUB V, 465, 29, 33. 466, 6, 9.
501, 4 u. s. w. Selbstverständlich führt die dichtersprache denn
doch wieder über die mundartliche Schriftsprache hinaus oder
bleibt vielmehr hinter der weiterentwickelung der Schriftsprache
und mundart zurück. Vgl. Haendcke s. 46 f. Es war also immer-
hin eine etwas ältere formgebung anzustreben. Die Rappoltsteiner
dichter Claus Wisse und Philipp Colin stehen, wie in der technik, so
auch in der spräche abseits. Die poetische technik erhielt durch die
benutzten Vorbilder wünschenswerte erläuterung. Einzelne Ver-
derbnisse waren nach den stellen älterer gedichte, die Kistener vor
äugen hatte, zu bessern. Endlich wurde auch durch die nachahmung
des Bühelers die echtheit einzelner verse bezeugt. Siehe zu 343.
3*
36
IV
Der Stoff und seine Behandlnng.
Analyse des Gedichtes.
Unter ani'ufung gottes beginnt der dichter mit aufstellung
seines themas: er will von grosser treue zweier freunde dichten.
Sein gedieht sei ganz neu. Mit stolz nennt er seihen namen,
versichert, dass es ihn manche nachtwache gekostet habe, und
bittet um nachsieht. Nicht um schnöden gewinn habe er ge-
dichtet, sondern zur ehre gottes und des h. Jakob, sowie, um
der weit damit einen dienst zu erweisen. Wer des dichters
absieht anerkennt, dem lohne der h. Jakob. 1 — 22.
Beim pilger kommt es auf die gesinnung an; ist diese lauter
und treu, so wird er von gott erhört und nie vom h. Jakob
verlassen. 23 — 50.
Gute werke und rechte gesinnung verbürgen ein frohes
alter und ewige Seligkeit. Den treuen werden die bösen gegen-
über gestellt. Mit einer anrufung Marias schliesst die drei-
teilige vorrede. 51 — 70.
Herr Adam, ein reicher und angesehener bairischer graf,
lebt schon seit zwölf jähren mit einer wackern gemahlin in
kinderloser ehe. Der wünsch nach einem erben bringt den
grafen auf den gedanken, sich mit diesem anliegen an den
h. Jakob zu wenden. Ein ganzes jähr verbringen beide in gott-
seligem Wandel, um sich der gnade, die sie erflehen, würdig zu
machen. 71 — 119. Die frau wird schwanger, und der über-
glückliche vater gelobt, falls ihm ein knabe geboren würde,
ihn zum danke auf eine jakobsfahrt zu schicken. Der wünsch
des ehepaares geht in erfüUung, wovon ein knecht eiligst und
frohgemut den auf der jagd abwesenden herrn unterrichtet.
Mit innigem dank gegen den heiligen erneuert der graf das
versprechen einer pilgerfahi't nach Compostella. Nachdem der
knecht 10 gülden als botenlohn erhalten, eilt man nach hause,
zu vorderst der graf, wo alle diener die freudenbotschaft wieder-
holen und reich beschenkt werden. 120 — 192.
Mit Ungeduld bahnt der graf sich den weg zu seiner ge-
37
mahlin und überhäuft sie mit liebkosungen. Der söhn soll Jakob
heissen. 193 — 216. Bald wird die kindtaufe in üblicher weise
gefeiert. 217 — 250. Der söhn, an dem der heilige so grosse
wunderzeichen tun wollte, genoss eine treffliche erziehung, der
stolz seiner eitern, der liebling des gesindes. 251 — 273.
Mit sorge gedenkt der vater an die einlösung seines ge-
lübdes, als der knabe heranwächst. Endlich entdeckt er seinem
12 jährigen söhne, der ihn liebreich nach dem gegenstände seiner
häufigen besorgnis fragt, sein längst bereutes versprechen. Der
entschlossene knabe aber ist sofort zur fahrt bereit, und nichts
kann ihn zurückhalten. 274 — 314. Er wird ausgerüstet und
nimmt von der mutter und dem gesinde rührenden abschied.
315—331. Der vater begleitet ihn einen tag lang und gibt
ihm beim scheiden ratschlage über die wähl eines reisegefährten.
Dann trennen auch sie sich. 332 — 368.
Vier Wochen zieht der knabe allein weiter und verirrt sich.
Da ruft er den h. Jakob um hülfe an. und dieser sendet ihm
einen treuen, lieben reisegefährten in gestalt eines Schwaben
aus Heigerloh, der aus Italien gezogen kommt und ebenfalls
nach Compostella pilgert. 369 — 410.
Nach etwa vierwöchentlicher gemeinsamer Wanderung er-
krankt der graf ensohn in einer herberge ; wie es scheint, tödlich.
Vor seinem ende bekennt er dem freunde, wer er sei, nennt
seine heimat und seine eitern und nimmt ihm schliesslich das
versprechen ab, ihn wenigstens tot dahin mit zu nehmen, wo-
hin er hätte ziehen müssen, nach Compostella. 411 — 450. Der
Schwabe vollzieht den letzten willen des freundes, birgt die
leiche in einem ledernen Überzug und trennt sich auf seiner
weiteren, noch zwölf tägigen Wanderung nicht von ihm; er lässt
ihn an jedem mahle teilnehmen, legt ihn jede nacht in ein
schönes bett und trägt ihn auf seinen armen vom und zum
pferde, bis er nach Compostella kommt. 451-— 478.
Halb froh, halb traurig lässt er sich die kirche des h. Jakob
zeigen, hebt den toten vom pferde, überlässt dies einem diener
und trägt den freund hinauf in die einsame kathedrale. Heisse
gebete entströmen seinen lippen, auch den freund schliesst er
ein. 479 — 504. Und sieh! Gott erhört seine bitten und be-
lohnt seine treue: der für tot gehaltene freund erhebt sich.
38
streift den Überzug ab und fragt, allmählich zu sich kommend,
mit sanftem Vorwurf: „Lieber bruoder, wa bin ich?" Unerhörtes
geschieht: die glocken fangen von selbst zu läuten an, so dass
alles Volk zusammenströmt. Man findet in der kirche niemand
als die beiden Deutschen, mit denen man sich aber nicht ver-
ständigen kann. Erst ein deutscher wirt, der aus der stadt
hinzugekommen, erklärt den umstehenden das wunder, von dem
ihn der glückliche Schwabe alsbald unterrichtet hatte. 505 — 532.
Nun werden ihnen von allen selten bezeugungen warmer teil-
nähme dargebracht, man hebt sie auf den altar, preist gott und
stellt ttber das wunder eine besondere Urkunde aus. Den monat
hält man sie zurück und lässt es ihnen an nichts fehlen. 533
bis 545.
Jetzt rüsten sie sich zur heimkehr, besuchen zum letzten
mal die Wallfahrtskirche und beten um glückliche rückkehr.
Leichten herzens ziehen sie von dannen. Unterwegs verspricht
der grafensohn dem treuen Schwaben unverbrüchliche freund-
schaft und die hälfte seines erbes. 546 — 566.
Sie sehen bald das Bayernland wieder. Stolz zeigt der
grafensohn im vorüberziehen dem freunde seine bürgen und
Städte, über die er ihn zum pfleger machen will. Vater und
mutter sehen endlich den heimkehrenden söhn von der zinne
aus und eilen ihm entgegen. 567 — 590. Herzlich wird er em-
pfangen, doch sein freund steht anfangs unbeachtet weinend
abseits. Da wird der junge graf zornig und verlangt für ihn
freundliche begrüssung, indem er seine rettende that erzählt
und die Urkunde überreicht. Alle preisen den freund, und er
wird zu ehren und würden erhoben. 591 — 654.
Als ein jähr vergangen, bittet er, zu seinen eitern heim-
kehren zu dürfen; diese seien verarmt, er habe sie seit 20 jähren
nicht gesehen. Teilnehmend erkundigt sich der graf nach seinem
vater, Herrn Hug von Heigerloh, und versieht ihn mit reich-
lichen mittein. Nur ungern lässt man ihn ziehen. 655 — 688.
Niemand kennt ihn mehr in seiner schwäbischen heimat.
Als er nach seinen eitern fragt, weist man ihn zu einer Wäscherin
vor der Stadt. Hier hatten die eitern eine notdürftige Unter-
kunft gefunden. Auf den ruf der Wäscherin tritt die mutter
in ärmlichem kleide aus dem hause, ohne in dem nach ihr
39
fragenden fremden ihren söhn zu erkennen. Dieser ruft traurig,
„e muoter, daz si gotte leit, so! daz sin din bestez kleit". Ein
herzbewegendes wiedersehn folgt nun, worauf der söhn nach
dem vater sich erkundigt. Der isst das gnadenbrot seiner be-
kannten in der Stadt. Kaum hat die mutter den wünsch aus-
gesprochen, dass er doch jetzt zugegen sein möchte, als er er-
scheint. Die wehmütigen klagen der eitern endet die erklärung
des guten sohnes, dass er sie wieder reich machen wolle. 689
bis 732.
Das glück des Zusammenseins mit den hocherfreuten und
wieder zu ehren gebrachten eitern wird aber jäh unterbrochen.
Der söhn wird aussätzig und muss von aller menschlichen ge-
sellschaft abschied nehmen. 733 — 752. Mit klapper, hut und
gewand eines aussätzigen durchwandert er das land, bis er zu
einem einsiedler in einem walde gelangt. Der fromme mann
erklärt ihm, er solle nach Bayern ziehn, sein freund habe sich
verlobt; wenn seine gemahlin ihm dann ein kind geboren habe,
so sollte man diesem die kehle abschneiden und ihn mit dem
blute bestreichen : alsdann würde er rein werden. Der Schwabe
wendet sich entsetzt davon, der einsiedler ermahnt ihn zu ge-
duld und vertrauen. 753 — 786.
Während sein freund die Vermählung mit seiner braut feiert,
erscheint der unglückliche am thore der bürg. Der Wächter
weist ihn ab und droht ihn zu schlagen. Verzweiflung ergreift
ihn, sodass er beschliesst sich im burggraben zu ertränken.
Doch gott wendet noch einmal seinen entschluss. Er versucht
in das thor einzudringen und trifft da einen mitleidigen menschen,
der ihn nach seinem begehr fragt. Er verlangt den jungen
grafen zu sehen. Da erkennt ihn der mann und holt den grafen,
der sofort alles verlässt, um in treuer liebe dem freunde ent-
gegenzueilen. Es hilft kein sträuben des armen, er wird trotz
seiner furchtbaren krankheit in den kreis der familie zurück-
geholt und in sein altes amt wieder eingesetzt. 787 — 862.
Vor ablauf des Jahres wird das kind geboren, von dem der
waldbruder prophezeit hatte. Der Schwabe aber wehrt sich
standhaft gegen den gedanken, dem tode dieses knaben seine
rettung zu verdanken. Als sie einst zur falkenbeize ausgeritten
sind, fragt der graf den weitgereisten älteren freund, ob er
40
denn nie von einem heilmittel seiner krankheit gehört habe.
Nach standhafter Weigerung berichtet dieser dann endlich doch
von der Weisung des einsiedlers, mit der bitte, das mittel nicht
anzuwenden. Doch dem grafen lässt der gedanke, sich treu
am freunde zu erweisen, keine ruhe. 863 — 908.
Es ist im frühling, als der junge graf ein maifest im walde
veranstaltet, an dem alle burgbewohner mit ausnähme der beiden
freunde und des mit seiner amme zurückgebliebenen kindes teil-
nehmen. Auch die amme entfernt der graf dann unter einem
vorwande und beschliesst die schauderhafte that. Aber er kann
in seinem jammer das ihm aus der wiege entgegenlächelnde
kind nicht töten, bis ihm ein engel erscheint, der es ihm be-
fiehlt. Der innere kämpf seiner gewaltig erregten gefühle wogt
auf und ab. Die freundestreue kämpft mit der vaterliebe.
Endlich ist das werk gethan. Er ruft den freund herbei, der
aber vor schrecken über die blutthat besinnungslos niederstürzt.
Unverzüglich bestreicht ihn der vater mit dem blute seines
sohnes, und der freund gesundet auf der stelle. 909—982.
Jetzt aber gilt es, das eigene leben zu retten. Die leiche
des kindes wird gereinigt, die blutspuren auf der erde ent-
fernt, von dem kinde, von bürg, land und leuten herzergreifender
abschied genommen, die pferde gesattelt und beide entfliehen.
983—1026.
Indessen ist die amme zurückgekehrt und trägt angstvoll
das kind in den wald zum festplatz, an dem die flüchtlinge
vorübermüssen. Als sie nahe kommen, vermag der graf nicht
ohne einen letzten abschied von vater, mutter und weib vorbei-
zureiten und springt trotz der gegenvorstellungen des gefährten
vom pferde. Man empfängt ihn wie sonst, und fragt nach dem
zweck der ganz unerwarteten reise. Der graf versucht eine
notlüge. Man nötigt ihn freundlich zu bleiben : da sieht er die
amme mit dem kinde ankommen und glaubt sich vernichtet.
Zum letzten male ruft er den h. Jakob an und bricht unter der
Wucht der auf ihn einstürmenden gefühle wie tot zusammen.
Man ruft ihn wieder zu sich und reicht ihm das inzwischen
auf fürbitte des heiligen durch ein wunder gottes wiederbelebte
kind zum küsse. Nun kennt seine freude und sein dank gegen
den heiligen keine grenzen; er ruft den freund, der nur zögernd
41
herankommt und über dessen genesung man sich wundert. 1026
bis 1124.
Jetzt berichtet der graf alles und beweist seine angaben
mit den blutspuren und dem roten streifen, der noch am halse
des kindes sichtbar ist. Die vorwürfe der mutter werden durch
die allgemeine freude erstickt. Zum danke baut man das kloster
Gnadeouwe. Die freunde aber leben mit ihren angehörigen ein
heiligmässiges leben bis zu ihrem tode. 1125--1175.
Mit einem preis der treue, hervorhebung seiner Verdienste
um dies gedieht und Segenswünschen für den leser und hörer
schliesst Kunz Kistener. 1176—1230.
Der Stoff.
Im allgemeinen gehört der Stoff der ,Jakobsbrüder' dem
grossen kreise der wandernden freundschaftssagen an, und zwar
der gruppe der Amicus- und Ameliussagen, deren gemeinsames
motiv ,gegenseitige lebensrettung eines freundes durch einen
freund* ist, ,von welchen der erstgerettete, um seinen aussätzig
gewordenen retter mit dem blute der Unschuld zu heilen, sein
eigenes kind opferte Vergleiche zur sage Bächtold in den
anmerkungen zu seiner Geschichte der Deutschen litteratur in
der Schweiz s. 37, Dunlop-Wilson I 317 f., Köhler, Aufsätze über
märchen und Volkslieder s. 34, v. d. Leyen, Indische märchen
s. 142 und ausserdem eine meines Wissens noch nicht beachtete
lateinische version, die sich in einer Wolfenbütteler handschrift
findet. Diese stammt aus dem kloster Sittich in Kärnthen und
ist ihrem hauptinhalt nach in der letzten hälfte des XII. Jahr-
hunderts geschrieben: Heimst, nr. 206 (neue nr. 239. von Heine-
manns Katalog I 1, s. 186). Bl. 129*— 30 und fortgesetzt auf
dem Unterrande der blätter 130* — 133 liest man von einer
hand des XIV. jhs. auf leer gebliebenem pergament: ,De duobus
sociis sibi consimilibus curialis legenda'; anfangend: ,Temporibus,
orti sunt duo pueri, miro (fehlt in dem kataloge s. 187) modo
sibi consimiles". Es ist im wesentlichen die von Schönbach aus
einer Grazer hs. WSB 88, 850 ff. abgedruckte prosaerzählung,
die der im Speculum historiale XXIII 162 ff. des Vincentius
Bellovacensis nahe steht.
42
Was nun aber unserer legende innerhalb dieser gruppe der
Amicus- und Ameliussage einen besonderen platz anweist, das
ist zunächst die darin vollzogene Verbindung der freundschafts-
sage mit sagen von wundern des älteren Jakobus.
Wie sich die fromme fantasie die seit dem 7. jh. behauptete
wunderreiche überkunft des heiligen nach dem hauptort seiner
späteren Verehrung ausmalte, zeigt am besten eine aus dem
kloster Bergen (nicht Berge, wie der katalog angibt) vor
Magdeburg stammende handschrift der Herzoglichen bibliothek
in Wolfenbüttel, Heimst, nr. 1115, neue nr. 1222, (katalog I, 3,
s. 63) die dem XII. jh. augehört, bl. 74. ,Incipit liber unus (der
katalog liest ,11*) sancti Jacobi Zebedei, patroni Gallecie, de
XXII miraculis eins argumentum Kalixti pape* (der katalog
liest ,argumento cum*). Die ausztige, welche Vincens von Beauvais
im Speculum bist. tom. IV, lib. XXVII, cap. 30 aus diesem (in
der Histoire littferaire de la France tom. X p. 532 dem Calixtus
abgesprochenen) Libellus de miraculis gegeben, sind in der Patro-
logia (Migne) 163, p. 1370 ff. abgedruckt. Etwas ausführlicher
sind die Acta Sanctorum Juli 6, 45 ff. Bl. 90* ff. schliesst sich
in der Wolfenbüttler handschrift der wunderbare bericht ,de
translatione s. Jacobi* an, dem im wesentlichen die Legenda
aurea (Lombardica historia. Argentorati 1489) cap. XCIV, das
alte Passional 220, 20 ff. Hermann von Fritzlar (Mystiker I
167, 8 ff.) und andere heiligenleben folgen. Dem geschichts-
Schreiber der apostellegenden, Lipsius, ist diese handschrift ent-
gangen. Obwohl nun der erzbischof von Toledo Roderich Ximenes
auf der zwölften allgemeinen synode im Lateran 1215 die nach-
richten über Jakobus in Spanien für kindergeschichten frommer
weiber erklärte (Lipsius, Die apokryphen, apostelgeschichten
und apostellegenden II, 2, s. 225 f. von Hefele im Kirchenlexikon
III 774) und obwohl u. a. auch Toulouse anspruch auf den hei-
ligen erhob, der in der kirche des h. Saturnin begraben sein
sollte, wurde doch Compostella schon seit dem IX. Jahrhundert ^)
vielbesuchter Wallfahrtsort, dessen ansehen sich im laufe der
*) Geweiht war die Jakobskirche zu Compostella im jähre 899 (Gams,
Eirchengeschichte von Spanien II 2, 362). S. X der Acta Sanctorum Juli 6,
32 ff. werden die ,peregrinationes ad Compostellanas s. Jacobi reliquias anti-
quitns institutae' behandelt.
43
Jahrhunderte nur noch steigerte (Lipsius II, 2, 220 ff., der bald
trotz aller Weitläufigkeit völlig im stich lässt). Der listige knecht
des pfaffen Amis erkundigt sich 1245 ff.
,wie manec jär des waere,
daz der wirt die hüsvrouwen nam,
unt wie dicke er hin ze Röme quam
sante PSter ze lobe,
unt ze sancte Jacobe^;
und die zechenden bürger in der Wiener mervart erzählen ,von dem
mer unt von Sant Jäkobes wege* 144 f. Bertholds Warnungen
(Pfeiffer I 459, 26 ff.) müssen, wie die Geilers, wenig gefruchtet
haben. Man spricht von über 100000 pilgern, die zuweilen während
eines Jahres im 13. und 14. Jahrhundert aus allen teilen Europas
in Compostella zusammenströmten. J. G. Kohl, Zeitschrift für
deutsche kulturgeschichte , n. f. 11, 104. Verwundungen und
tötung der pilger beim drängen um den hauptaltar waren nichts
seltenes, und ,daz munster wart so wol richende also iekein
appoteke', wird erzählt Hermann von Fritzlar 167, 35. ,Waz
blinder und lammer und sieben da hine quämen, di wurden alle
gesunt; und diz palacium wihete man ime zu einer kirchen, daz
jö noch manig pilgerin sihet, daz iz ein gröz bürg gewest ist;
nu ist iz ein hßrlicher tum'. 167, 36 ff. ,Di grösten zeichen,
di kein heilige getun mac, di tut dirre heilige, wan* (diese be-
gründung ist offenbar sehr triftig) ,her der verreste ist, der hie
dise Site mores lit. dar umme so suchit man in aller kristenheit,
unde vrowen und man wägent lip und gut, das zi koment zu
sime munstere*. 169, 14 ff. — Hermann ist selbst dort ge-
wesen. 123, 25. König Ordonno II. hatte Jakobus den patron
des ganzen erdkreises genannt. Gams a. a. o. 382. Den be-
schwerlichen, oft gefährlichen weg beschreibt das bekannte
ältere Jakobslied
,Wer das elent bawen wel,
der heb sich auf und sei mein gesel
wol auf sant Jacobs Strassen!'
Uhland nr. 302 (vgl. WKL II nr. 1246), und ein jüngeres, das
manches aus diesem entlehnt, bei Goedeke, Gengeubach s. 631.
Anmerkung 4. Vgl. Heyne im DWB IV 2, 2202 f. Einiges
historische verzeichnen Röhricht und Meisner, Deutsche pilger-
44
reisen 1880 s. 699 u. d. w. Santiago. Röhricht, Deutsche pilger-
reisen, Gotha 1889, s. 36.
Die wunder, welche man dem h. Jakob zuschrieb, in prosa
und Versen wiedererzählte und häufig plastisch darstellte, waren
zahlreich; man predigte viel darüber, besonders in Compostella.
Hermann von Fritzlar, Heiligenleben 168, 2 ff. Eins der am
meisten überlieferten kehrt in Kisteners , Jakobsbrüdern* wieder,
die erweckung ^) eines pilgers vom tode. Das wird berichtet in
zwei legenden der Wolfenbütteler handschrift neue nr. 1222
blatt 77 (vom jähre 1108) und blatt 82 (vom jähre 1090) —
letzteres ist die auch im Spec. bist. (Patrologia 163, 1371),
in der Legenda aurea cap. XCIV E (der Strassburger ausgäbe
von 1489) im alten Passional 223, 38 ff., in Hermanns Heiligen-
leben Mystiker I 168, 2 ff., und in sechs von Goedeke, Gengen-
bach s. 638 ff. angegebenen fassungen sich wiederfindende becher-
geschichte^) aus Toulouse^), — in der Legenda aurea cap. XCIVD,
im alten Passional 225, 86 ff. und in der ersten der von Kläden
in V. d. Hagens Germania 7, 252 ff. mitgeteilten erzählungen vom
h. Jacobus.
Etwas näher auf die quelle, aus der die wundergeschichte
in Kisteners gedieht geflossen ist, führt uns die schon erwähnte
lateinische legende vom jähre 1108 in der Wolfenbütteler hs.
neue nr. 1222 bl. 77*ff.*). Da wird von einem manne aus Frank-
reich berichtet, der, wie der graf Adam bei dem Strassburger
dichter, mit seiner gemahlin in kinderloser ehe lebt, vergebens
einen erben wünschend. Nun pilgert er ad limina apostoli, und
seine gattin schenkt ihm dann einen söhn. Als der knabe 15
jähre alt ist, zieht der vater mit seiner gemahlin, dem söhne
*) Übrigens ist die Wiedererweckung kein specifisch christliches wunder,
sondern als uralter märchenhafter zug schon aus der 4. erzählung des geistes
in Somadevas Katha Sarit Sagara zu belegen.
') In mehreren französischen von Köhler, Germania 10, 451 zusammen-
gestellten Versionen der Amicus- und Ameliussage dienen zwei becher als
erkennungszeichen .
") Vgl. Sepp, Altbayerischer sagenschatz s. 652 ff.
*) Der auszug des Vincens von Beauvais lautet a a. o. p. 1372: ,Anno
domini 1108 in oris Galliae vir quidam uxore sterili fllium non habens sanctum
Jacobum propter hoc adiit et rediens filium habuit, cui Jacob uomen imponens,
cum esset annoriim XV, cum ipso et matre adire sanctum Jacobum et ei offerre
45
und dem gesinde zum dank nach Compostella *). Unterwegs aber
stirbt der söhn. Die eitern brechen in jammer aus, die mutter
will sich töten; aber durch den h. Jakob wird der söhn, quasi
de gravi somno, vom tode erweckt. Hierbei entspricht der an-
lass, die pilgerfahrt des sohnes, der allerdings nicht mit einem
freunde reist, sein tod und seine erweckung dem deutschen
gedieht.
Nun verband sich mit dieser legende die sage von den
beiden treuen freunden, deren keim wahrscheinlich orientalischen
Ursprungs ist, die aber auch zum teil in der abseits stehenden
lateinischen legendenlitteratur ihr seitenstück findet. Acta SS.
6, 49CfF. Patrologia ed. Migne p. 1370. Legenda aurea (Lug-
duni 1516) cap. XCIV ist die belohnung eines treuen gefährten
erzählt, der sich, ,qui fidem non promiserat', eines kranken und
alsbald sterbenden pilgers angenommen hat, während die übrigen
fortgezogen waren. Die quelle, in der sich jene Verbindung
beider motive zuerst vollzog, ist bis jetzt nicht bekannt; predigt
und sonstige mündliche Überlieferung, die bei der fortpflanzung
und Weiterentwicklung der wandernden erzählungen im mittel-
alter die allerwichtigste rolle spielt, wird auch hier thätig ge-
wesen sein. In den überlieferten fassungen der so gestalteten
sage von den beiden treuen jakobsbrüdern sonderten sich als-
bald zwei gruppen von einander ab. Den Versionen der ersten
gruppe sind die freundschaftsproben und erkennungszeichen
eigen (Köhler, Germania 10, 448 — 451); dazu gehört ausser
allen französischen fassungen Pfeiffers prosalegende. Die zweite
gruppe, der Kisteners vorläge und die italienischen erzählungen
folgen, hat solche proben und besondere erkennungszeichen nicht.
Ein nachklang jener proben scheint in Kisteners versen 341 bis
proposuit. Sed in medio itinere puer aegrotans exspiravit: de cuius morte
parentes valde doleutes quasi amentes totum nemus clamoribus repleverunt.
Mater autem sie sanctum Jacobum interpellavit: quod si filium ei non redderet,
se vivam cum eo faceret sepeliri. Interea dum puer ad tumulum deferretur,
qnasi de somno excitatus revixit. Et qualiter eum sanctus Jacobus in sinu
suo tenaerit et jusserit ei cum parentibus iter incoeptum perageret, cnnctis
astantibus narravit'. Näher steht der Wolfenbtitteler hs. der Acta SS. 6, 48 C ff.
ex ms. monasterii Marcbianensis abgedruckte bericht.
*) Soweit stimmt eine bayerische legende überein, die Sepp als verbürgte
begebenheit s. 666 berichtet.
46
359 erhalten zu sein, die auf eine über die beiden gesonderten
gruppen hinausliegende gemeinsame sagenform hindeutet. Einen
hinweis auf slavische sagen unseres kreises verdanke ich Johannes
Bolte: „Lydia Schischmdnoff, Legendes religieuses bulgares, 1896
p. 255. nr. 91 : Les trois frferes et le vieillard. Diese slavische
sage will nächstens Dr. J. Jaworskij in Lemberg behandeln;
vgl. Dragomanow, Die slav. sagen über opfern des eignen kindes.
Die Donauländer hg. von Strauss. 1899. 1,1—12. Sepps.660ff.".
Zur äpfelprobe s. Laura Gonzenbachs Sicilianische märchen
nr. 90 und Zeitschr. f. Volkskunde 6, 173. Auch diese beiden
nachweise hat Boltes umfassende gelehrsamkeit beigesteuert.
Inwiefern die einführung des schwäbischen ritters aus Heigerloh
auf eine mit Hartmanus Armem Heinrich zusammenhängende
Überlieferung sollte schliessen lassen, wie Goedeke, Gengenbach
s. 630 vermutet, entzieht sich der nachprüfung. Es liegt wohl
nur wieder ein auf ganz vager ähnlichkeit der schwäbischen
herkunft beruhender zweckloser hinweis vor. Die grafen von
Haigerloch waren im Elsass bekannt genug: königin Anna, die
1278 verstorbene gemahlin Rudolfs von Habsburg, war eine ge-
borene gräfln von Hohenberg- Haigerloch. Closener 44, 34 und
Hegel z. d. st. Ein graf Albrecht von Hohenberg und Haigerloch
war die hauptstütze des herzogs Albrecht von Österreich in
Schwaben. Closener 58, 9. In einem zusatz zu der lateinischen
erzählung von herzog Ernst kommt ein graf Wetzilo von Haiger-
loch vor. Bartsch s. XLIV. Leider teilt die vorläge Kisteners
mit Hartmanns quelle das Schicksal, uns bis jetzt nicht bekannt
zu sein.
Kistener selbst bezeichnet v. 1194 seine vorläge als eine
nicht deutsche, die er in reimen (v. 12 und 128) umgedichtet
habe. Demnach wäre wohl an eine lateinische oder französische
zu denken. Wieder ungenau ist es, wenn Goedeke im grund-
riss I" 233 angibt: ,Kistener will das gedieht aus dem latei-
nischen verdeutscht haben'. Dieser sagt vielmehr vers 1193 ff.:
,ders uns ze liste hat gedaht
und ze tütsche hat gebraht,
daz tat Euonze Kistener'.
Gegen eine französische vorläge (nicht quelle) spricht ausser
dem von Scherer, Geschichte des Elsasses 1^64 hervorge-
47
hobenen umstände, dass litterarische einflösse Frankreichs im
XIV. Jahrhundert in Strassburg überhaupt nicht wahrzunehmen
sind, manches, was auf eine längere Überlieferung der sage in
Deutschland schliessen lässt: die einführung des bayerischen
grafen, herrn Hugs von Heigerloh, des deutschen wirtes in
Compostella, und wohl auch das intime deutsche lokalkolorit.
Dass der elsässische dichter dies alles von dem eigenen hinzu-
gethan und eine in diesen punkten ganz abweichende oder farb-
lose vorläge so völlig um- und ausgearbeitet haben sollte, ist
kaum anzunehmen. Wir werden damit also allerdings auf eine
lateinische vorläge geführt. Ob Kistener selbst latein verstand,
ist trotz vers214ff. sehr fraglich; vers 72 beruft er sich auf
mündlichen bericht ,man seit mir*, wenn man dieser formel be-
deutung beilegen darf. Vgl. v. 252 ff., wp die werte ,sit han
ich gehoeret sagen . . . von lüten, diez mit ougen sahent' nichts
als die konventionelle legendenphrase sind. Vgl. den schluss
des Volksliedes Uhland 303. Möglich, dass er sich das latein
übersetzen Hess, wie die elsässischen Parzifaldichter das fran-
zösische.
Charakteristisch für den aufbau der sage von den jakobs-
brüdern und zugleich ein zeugnis für ihre verhältnismässig späte
entstehung ist die kontaminierung meist schon verbrauchter
typischer motive. Erfolgreiches gebet oder gelübde einer kreuz-
oder wallfahrt bei unfruchtbarer ehe erscheint z. b. im Alexius
der verschiedensten Versionen, im Reinfried von Braunschweig,
im Zwölfjährigen Mönchlein, im Wilhelm von Österreich des
Johann von Würzburg ; botschaft von der geburt eines knaben
wird auch im Alexius A und Reinfried von Braunschweig ge-
bracht; die glocken fangen beim wunder von selbst zu läuten
an im Alexius A 758 (vgl. die lateinische quelle s. 163 f.), die
heimkehr nach 30 oder 20 jähren ist ein uraltes volksmässiges
motiv, z. b. im alten Hildebrandslied 50; das mitführen einer
leiche, der allerlei ehren zu teil werden, erinnert an die sage
von Karls des Grossen gemahlin; das erscheinen eines als bettler
verkleideten am hochzeitstage weist schon der St. Oswald des
XII. Jahrhunderts und der gute Gerhard auf; viele formen der
heilung des aussatzes durch blut stellt Cassel in seinem buche
über die Symbolik des blutes s. 158 ff. zusammen; über die mai-
48
fahrt vgl. Johannes Bolte zu Schumanns Nachtbächlein s. 411.
Schon Wtilcker verwies Gennania 17, 57 auf den Busant GA
nr. XVI, V. 694 ff.
Auch den grundgedanken der treue, der besonders vers 2,
37, 58, 1176 ff. betont wird und das ganze werkchen durchzieht,
fand Kistener bereits in Konrads Engelhard vorgebildet, dem
er wahrscheinlich die nachhaltigste anregung verdankte.
Behandlung des Stoffes.
Da die vorläge Kisteners nicht erhalten zu sein scheint,
ist es nicht möglich, den grad der Selbständigkeit sicher zu be-
stimmen, mit welcher der dichter seiner vorläge gegenüber ver-
fuhr. Wir sind hier nur auf Vermutungen angewiesen.
Der dreiteilige prolog und epilog sind eigene arbeit mit
anlehnung an Konrad von Würzburg. Jäckel s. 93.
Als erfindung des elsässischen dichters kann das kloster
Gnadau gelten. Dass ein solches im mittelalter nicht nachzu-
weisen ist, wurde schon oben erwähnt. Auch der name der
modernen herrenhuteransiedlung Guadau südlich von Magdeburg
ist frei erfunden. Hartmann nimmt im Erec 7069 ,der Gnaden
sant' an. Auf die aus der vorläge stammende Versicherung
Kisteners, dass das kloster ,jetzt noch' stände und dergleichen
(v. 257, 1164), ist ebensowenig etwas zu geben, als wenn es
z. b. im R. Parzifal 111, 31 heisst:
,Büffoy der turn geheissen wart,
und allenthalben durch daz laut
ist er noch Büffoy genant'. vgl. s. 47.
Vers 1165 spricht Kistener auch nur von hörensagen ,daz wir
hoeren sagen'; gekannt also hat er kein kloster dieses namens.
Wenn der dichter ferner 1171 f. diesem kloster zugleich männer,
frauen und kinder als insassen verleiht, so trägt diese angäbe
den Charakter der erfindung^). Bekanntlich wurden kloster
derart 787 verboten. Wie kam aber Kistener auf jenen namen?
Diese frage beantwortet die topographie des Elsasses, das die
') Allerdings waren der poetischen erfindung durch die wunderliche
Schöpfung Ludwigs des Bayern zu Ettal die wege gewiesen. Z. f. d. A. 38, 361 ff.
49
Zusammensetzung der Ortsnamen mit ,owe' ungemein liebt: allein
im Unterelsass und der Ortenau verzeichnet die dem 8. bände
der Städtechroniken beigegebene karte elf in der nähe des Rheins
gelegene orte dieser art.
Die liebevolle epische ausmalung der meisten Situationen,
die, besonders familienscenen auszeichnende, oft herzlich an-
mutende auffassung und die durchdringung des ganzen mit der
einheitlichen idee der treue, kurz das ,warme leben und die
deutsche sele'. die dem stoflfe eingehaucht sind, werden wir wohl
dem dichter als verdienst mehr oder weniger zuschreiben dürfen.
So ist aus der legende unter seinen bänden ein kleiner
roman geworden, in dem erbauliches und unterhaltendes ver-
bunden: der weg, den Hartmann der legende gewiesen.
Bei der darstellung kam ihm mancher vorzug des immer-
hin mit diskretion verwendeten dialekts zu statten, ,der durch
häusliche tugenden ersetzt, was an äusseren Schönheiten fehlt,
die anmut und Unschuld der empfindung, der schmeichelnde ton
der Vertraulichkeit und alle die verborgenen reize, die jeder an
den heimatlichen lauten besser fühlt, als er sie schildern kann',
wie Scherer so treffend von der neueren elsässischen mundart
sagt. In der that ist die ausdrucksweise oft echt volkstümlich;
manche Wendungen derart sind in den anmerkungen verzeichnet,
hier sei nur an ausdrücke wie ,minne' für mutter, ,sin herze
wart im grosz* und »eilende im under ougen sluog' erinnert. Ein
nachteil dieser Vorliebe für ungezwungene volksmässige aus-
drucksweise zeigt sich in der Verbindung dno xotvov s. zu 33.
In der verskunst verfügt der dichter noch über die errungen-
schaften der besseren mittelhochdeutschen technik und unter-
scheidet sich dadurch vorteilhaft von seinen etwas älteren lands-
leuten Claus Wisse und Philipp Colin , deren arg verwahrloste
verse oft nichts als zerhackte prosa sind. Kistener baut seine
verse regelmässig, wenn auch nicht immer zierlich, ohne sich
zweisilbige Senkungen zu gestatten, wie man es bei einem schüler
Gottfrieds und Konrads nicht anders erwarten kann. Zweifel-
haft bleiben etwa nur 209, 837. Allerdings fand sich für Kon-
radische feinheiten kein publikum mehr. Zu 5. Die Senkung
fehlt öfter an 3. stelle. Klitscher s. 20 f. Auftakt und betonung
weichen von dem, was gegen ende des XIII. Jahrhunderts bereits
Enling, Kistener. 4
60
allgemein erlaubt war, nicht ab. Allerdings erscheinen bei ihm,
wie schon längst allgemein im dialekt, in der schriftprosa und
in der poesie viele verkürzte (in zweifelhaften fällen immer
durch reime erwiesene) sprachformen, die von den klassischen
dichtem vermieden waren. Dreihebige verse mit stumpfem
schluss, über die Jänicke zu Peter von Staufenberg s. 60 spricht,
liegen vor: 63 . 411 . 625 . 697 . 805 . 939 . 1165. Durch ent-
sprechende betonung zu beheben ist 729: D6 wöltents ime klagen.
Dehnung ist wahrscheinlich eingetreten 882, 112.
Auch der immer trostloser werdenden monotonie der kurzen
reimpare gegenüber wahrt Eiste ner noch anklänge an bessere
muster, wenn er z. b. reimhäufung (31 ff., 35 ff., 45 ff. u. s. f.,
aber auch bisweilen ohne sinn für abwechslung 685 ff. oder aus
notbehelf 845 ff. Klitscher s. 50) verwendet. Allerdings macht
er im reim auch von den freiheiten gebrauch, die ihm die mund-
art gewährte, überschreitet sie aber auch nicht. So reimt er 19
gemacht : nach. Weinhold, Alem. gr. s. 140, (Es kann sich hier
nur um ergänzung der schon oben s. 14 f. verzeichneten reime
handeln.) 35 im : dahin, 171 dran : kam, 478 u. ö. man : kam,
670 arm : varn, 724 stan : nam. Weinhold, Mhd. gr. § 216,
229 wol : vor, Alem. gr. s. 162, 677 schier : mir, Mhd. gr.
§ 45. Vgl. Jänicke zu Stauf . s. 57 ff.
Wie sehr Kisteners nachahmer Hans von Bühel wieder die
metrik vergröberte, ist in der schrift Über spräche und vers-
kunst Heinrich Kaufringers s. 16 in anschluss an Seeligs (aller-
dings nicht erschöpfende) Untersuchungen (Strassburger Studien
III 306 ff.) hervorgehoben. Vgl. aber auch oben s. 26, 32.
Die epische technik des dichters, insbesondere sein poetischer
Stil, beruht allerdings, wie wir schon sahen, wesentlich noch auf
tradition der kunst Gottfrieds von Strassburg und Konrads von
Würzburg. Insofern ist Kistener epigone. Doch wenn es das
merkmal des epigonentums ist ,durch die poesie die ideale einer
zeit festzuhalten, die, zur litterarischen Vergangenheit geworden,
den boden der gegenwart verloren' haben, so kann er als epigone
in diesem sinne eigentlich nicht gelten. Die aus seinen versen
redende gesinnung hat mit den höfischen anachronismen auf-
geräumt, er lebt in der realen gegenwart. Er predigt nicht
höfische tugenden wie Konrad von Würzburg (QF 54, 12 und
61
Egenolf 1 ff. Vgl. die bornierten Standesvorurteile Part. 4690 ff.
und Troj. 6428 ff.), sondern allgemein menschliche. Aber auch die
form weist der Konradischen kunst gegenüber eine fortentwicklung
auf. Die poetische floskel wird auf ein geringeres mass zurück-
geführt, die spräche wird weniger bildlich, die konventionellen,
durch Umschreibung des begriffs gebildeten Wendungen (QF 54,
33 ff. Jäckel s. 23 ff.) schwinden mehr und mehr, die ermüdende
Umständlichkeit und die ausführlichen Schilderungen, in denen
die höfische dichtung so viel gesündigt, sind geradezu verpönt.
Schon der fortsetzer des Trojanerkriegs ersetzt Konrads über-
mässige breite durch eilende kürze (Klitscher s. 37 f.); schon
Egenolf meidet das ausspinnen langer reden (Jäckel s. 16). Was
die kunst hierbei zum teil einbüsst, wird durch andere Vorzüge
zu ersetzen versucht. Die handlung wird rascher, mehr leben
und empfindung nähern diese poesie im gegensatz zu der kon-
ventionellen haltung der älteren dichtung der volksmässigkeit.
Häufige ellipsen wie sü uf unde 854, vrouwe und herre
balde der 615, uf hin allez daz da was 585, sü hin, sü
sazent uf ir pfert 552, lebhafte, ohne einleitung ausbrechende
ausrufe wie , balde reichent wasser har!* 1094, , balde,
daz wir hin abe sin!' 1030 (vgl. oben s. 20) verleihen der dar-
stellung den Charakter drängender entschiedenheit, die mehr an-
deuten, als ausführen will. Auf Übergänge, die bei Konrad
manchmal (wie Troj. 5764 ff.), beim Büheler fast immer in pein
liches geschwätz ausarten, wird wenig geachtet 521 ff., 732 f.,
1030 f. Der junge graf erhält nicht einmal einen namen: es
bahnt sich der Übergang zu jener entwicklung an, welche typen
an stelle der individuen setzt und in die volksballade ausläuft.
Unterstützt wird diese entwicklung durch die neigung des alt-
deutschen epischen Stiles, „die Situation der Vorgänge, ihre ört-
lichen und zeitlichen umstände, undeutlich zu lassen". Schön-
bach, Über Hartmann von Aue s. 416. Während es in der
höfischen mhd. poesie eher individuen als Individualitäten gibt,
werden jetzt allmählich typen geschaffen, die als individualitäten
gelten können, ohne konkret benannte wirkliche individuen zu
sein. Hier beginnt, wie in der novelle, die Individualisierung
der neueren poesie durchzubrechen. Das eigentlich menschliche
wird von Kistener voll und kräftig herausgehoben: hier ist kein
4*
52
schematisch nach dem höfischen ideal konstruierter ritter mehr,
sondern ein mensch mit leidenschaften; keine modedame, son-
dern eine mutter; keine konventionell beschriebene familie mit
den unerlässlichen sozialen eigenschaften, sondern eine in wenigen
strichen meisterhaft gezeichnete familie in ganz bestimmten Ver-
hältnissen, eine familie, die ihre frühere soziale Stellung mit
einer kleinbürgerlichen vertauscht hat. Bei Kistener hat der
alte graf noch einen namen ohne rechte Individualität, die
andern personen sind individualitäten ohne namen : beim Büheler
trägt in der Königstochter keine der handelnden personen eine
nähere bezeichnung, da gibt es nur einen könig von Frank-
reich, einen könig von England, einen papst, einen bürger
von Rom, einen marschall, einen königssohn, eine königstochter
u. s. f. Während noch Egenolf in höfischer weise verfährt,
folgt die volksmässige dichtung durchweg der eben bezeichneten
richtung.
Aus einzelnen partieen des gedichtes endlich, wie der heim-
kehrscene v. 689 ff., spricht eine art von lyrischer Stimmung,
welche die Situation auf kosten des ereignisses bevorzugt und
manches der ausgestaltenden fantasie des hörers überlässt. Vogt
in Pauls Grundriss II 1, 369, 371.
So hat der dichter es erreicht, was zu seiner zeit so schwer
war und in unserer zeit ihm manche warme anerkennung ver-
schafft hat, bis zu einem gewissen grade individuell zu sein.
V
Charakteristik.
Von dem glänze, den eine ungemeine, in politik, kunst,
geschichtschreibung und religiösem leben sich ausprägende kul-
turelle regsamkeit über Strassburgs vierzehntes Jahrhundert
breitet, fällt auch ein freundlicher Widerschein in die stube
eines einfachen bürgers.
Allerdings umgibt uns hier eine ganz andere geistige atmo-
sphäre, als dort auf den hohen ritterburgen mit ihren stolzen
53
hallen und entzückenden fernsichten, an die sinnige betrachtung
weit ausgreifende ahnungsvolle gedanken knüpft: eng, wie die
winkligen gassen und die dunklen häuser, ist auch, wie es äusser-
licher beobachtung scheinen muss, der gesichtskreis der bewohner.
Die schöne weit, welche die reiche fantasie grosser dichter in
das ritterliche leben hineingezaubert hatte, war ins grab ge-
sunken, und ihre oft mit sagenhaftem ruhni bekleideten gestalten
spukten, zu blutlosem Scheinleben verurteilt, meist nur noch in
dem köpfe eines sprossen altadliger geschlechter, der begann
mit velleitäten die leeren selten des Charakters zu tapezieren,
oder im gehirn biederer handwerker, die Apollo im zorn zu
verseschmieden gemacht hatte, und die nun, wie ihre unsterb-
lichen zunftgenossen im Sommernachtstraum, in langweilig ehr-
barer müsse behagliche karikaturen schufen, ohne im mindesten
die kluft zu ahnen, die ihre nur allzu bürgerliche denkungsart
von den ideen für immer vergangener zeiten trennte. Und doch
gehörte diesen leuten die zukunft, nicht der abgelebten höfischen
weit. Unter heissen kämpfen hatten sie sich die ihnen ge-
bührende anerkennung innerhalb des städtischen gemeinwesens
errungen; und, gestützt auf seinen ihm immer mehr das über-
gewicht verbürgenden Wohlstand, hatte der bürger gelernt mit
grösserer Sicherheit und allgemach mit breiter würde aufzu-
treten. Eine bürgerliche kunst und bürgerliche litteratur be-
gann sich zu entfalten. Aber schwere zeiten waren ins land
gegangen und hatten die dauerhaftigkeit der damaligen gesell-
schaft auf eine harte probe gestellt. Grosse epidemieen, Über-
schwemmungen, misswachs, hungersnot schufen ein soziales elend
von kaum übersehbarer ausdehnung und gaben dem grübelnden
geiste eine ernste richtung. Und als nun der fürchterliche
schwarze tot die schwergeprüfte menschheit schrecklich heim-
suchte, da entlud sich die fieberhafte Spannung der gemüter
in den furchtbaren ausbrüchen der judenmorde und der fana-
tischsten Selbstpeinigung. Während auf den Strassen die ein-
förmigen weisen der geissler ertönten, arbeitete daheim mit
einer geistigen kraft, die thatsächlich einen höhenpunkt mittel-
alterlichen geisteslebens bezeichnet, die mystische Philosophie
an der lösung des ewigen welträtsels.
Freilich für die frömmigkeit des gemeinen mannes war der
54
ausgleich zwischen dem christlichen Spiritualismus und der sund-
haft schwachen natur des menschen leichter gefunden: er vollzog
sich für ihn in etwas derb -handgreiflichen wundern, an deren
Segnungen teilzuhaben man andächtig sich bemühte. Legenden
und legendäre züge begegnen häufiger in den mystischen Schriften
und erscheinen auch selbständig im südwestlichen Deutschland,
am anziehendsten in der geschichte vom zwölfjährigen mönchlein,
einer weihnachtserzählung von zauberhafter innigkeit. Kein
wunder also, wenn sich der bürgerliche dichter, der sich in der
litteratur die sporen verdienen wollte, der legende zuwandte;
einer legende, welche die uralte freundschaftssage mit wundern
des h. Jakobus verband. Es ist aber auch kein zufall, sondern
vollkommen ausdruck der zeitrichtung, wenn in der musterlegende
Hartmanns, im armen Heinrich, durch leiden und Prüfungen die
reine menschlichkeit triumphiert und ein glückliches erdendasein
der preis des edelmutes und der Selbstüberwindung wird, während
in Kisteners Jakobsbrüdern das geschick der für immer ver-
bundenen freunde eine fromm-entsagende wendung nimmt; heilig
zu werden, schon hier auf erden, ist das losungswort der
mystischen frömmigkeit. S. zu 249.
Der dichter der Jakobsbrüder ist ein bescheidener mann,
nicht ohne Selbstachtung, der keineswegs für geld (17) schreibt
oder gar wie seine Rappoltsteiner kollegen mitten in den epilog
die kostenrechnung für seinen auftraggeber einlegt. Aber neben
der ehre gottes und der Verherrlichung des h. Jakob, zu dem
er grosses vertrauen hegt, schwebt ihm, dem weltkinde (1202),
doch auch etwas von recht weltlichem schriftstellerischen ehr-
geiz vor; am urteil der weit, die sonst so bösen lohn gibt, und
an der guten meinung seiner leser und hörer ist ihm im gründe
nicht wenig gelegen (8, 18, 1191 ff.). Muss er es sich doch sauer
werden lassen; manche nacht hat ihn an seinem werke arbeiten
sehen (11), und neben den wünschen für sein Seelenheil findet
auch wohl ein naiver seufzer um das liebe geld den weg in
seine verse (159, 68, 247 ff.).
Solche wünsche stören ja allerdings den epischen ton und
verletzen teils die gesetze feineren geschmacks: aber man darf
mit dieser zeit des realismus einer aufstrebenden gesellschaft
nicht zu streng ins gericht gehen und vergegenwärtige sich das
55
damalige niveaa des ästhetischen geschmackes. Da gibt es viel
schlimmere beispiele der geschmacklosigkeit : die drollige zettel-
schule des heiligen geistes bei Rulman Merswin, Neun f eisen
s. 127, die vielen Plattheiten des Rappoltsteiner Parzif als ! Hier
wird z. b. mit der raiene eines rosskamms berichtet, wie der
bauer das pferd Sagremors mit einem Strohwisch säubert 645,
45 ff. Karados macht witze, die höchstens im rauchcoupee er-
laubt sind 63, 32 ff. Die begegnungen mit dem teufel werden
zu regelrechten kapuzinaden ; und wer über die Ohnmächten buch
führen wollte, die der dichter verbraucht, bekäme ein nettes
Sümmchen zusammen, das nur noch Hans von Bühel erreicht ^).
Dieser nachahmer Kisteners, ein adeliger laie und ein in seiner
zeit ausgezeichneter dichter, leistet in roheit und geschmack-
losigkeit gelegentlich beinahe das menschenmögliche, so dass
der einfach bürgerliche Kunz Kistener ihm gegenüber als eine
hocherfreuliche erscheinung absticht. Für die albernheit und
Plumpheit der Übergänge, die dem Büheler die versnot abpresst,
ist kaum ein tadel scharf genug. Die seelische bewegung der
Personen, trauer oder Überraschung, finden bei ihm bisweilen
einen hochkomischen ausdruck: weinend fallen häufig die Prin-
zessin und ihr liebhaber im Diocletian 7980 vor betrübnis zur
erde, eine körperlage, die auch der kaiser sofort einnimmt, als
er erschrickt (Diocletian 8690 ff.); trotzdem der dichter ver-
sichert, er sei wie tot zur erde gefallen, fährt er gleich fort:
,0 we der groszen not'
sprach der keiser, do er uf kam.
sine kleider er do nam
und zureisz sü alle zu male.
Wie psychologisch unwahr und wie grob die scene Bühelers dar-
gestellt ist, als Ludwig, um den freund zu retten, seine kinder
tötet (Diocletian 8860 ff.), lehrt ein vergleich mit Kisteners ent-
sprechender Schilderung. Die kaiserin ,wütet wie ein zorniger
hund' und ,frisst sich selbst vor zorn' (Diocletian 5730, 2767);
der könig von England sagt seiner mutter (Königstochter 697 ff.),
sie habe ihm mütterliche treue erwiesen, wie der wolf der sau!
*) Ob traditionenes dabei im spiele ist, gäbe Eohde, Der griechische
roman s. 161 zu bedenken.
56
der biedere marschall kündigt der unschuldigen königin (Königs-
tochter 2371 ff.) den tod auf dem Scheiterhaufen an, indem er
ihr die angenehmsten aussichten im jenseits eröffnet.
darumb, gnedige frowe min,
so gebent üch nun glich darin
und lident es gedulticlich :
so kumpt ir in das himelrich
und mit üch üwer liebes kind.
das wünschent üch all die hie sind.
und bichtent und gebt (dolt?) durch got ser,
wann ir blibent nit lenger mer,
dann unz die nacht herfür gat;
dann helffe uns die trinitat
und auch üwerm lieben kinde.
Wir sehen, die ritterliche gesellschaft des vierzehnten Jahr-
hunderts, für die der ßappoltsteiner Parzifal bestimmt war und
der Hans von Bühel angehörte, war nicht wählerisch, nicht
verwöhnt, in künstlerischer beziehung ohne feingefühl, beherrscht
von einem verrohten empfinden. Wie viel erfreulicher die in
der maierei, in der mystik, in der litteratur neu aufstrebende
bürgerliche kunst und Wissenschaft!
Beurteilen wir also den dichter historisch, so müssen wir
ihm hoch anrechnen, dass er sich von den groben Plattheiten
und roheiten seines Jahrhunderts frei hält.
Unserm dichter erscheint als höchste eigenschaft des menschen
die opferwillige treue, mit der er gelegentlich aufrichtigkeit, be-
scheidenheit und freigebigkeit verbunden wissen will. Werk-
heiligkeit ohne bekämpfung der leidenschaften verwirft er (23 ff.).
Durch alle äusserungen eines weltentrückten Wunderglaubens und
alle phrasen des kirchlichen konventionalismus scheint ein ge-
sunder sinn für diesseitigkeit erfreulich hindurch. Das mensch-
lich ergreifende der fabel steht im mittelpunkte seines Interesses,
ohne, wie bei Hans von Bühel, in rührseligkeit und ,nassen
Jammer* auszuarten. Kistener hat sinn für freundschaft und
familie; freud und leid menschlicher geschicke haben bei ihm
meist angemessenen, bisweilen feinen ausdruck. Wie diese
Steigerung des gefühls mit den allgemeinen geschichtlichen Vor-
aussetzungen zusammenhängt, hat bis jetzt am besten Harnack,
j
57
Dogmengeschichte III * 380 ff. gezeigt. Kistener versteht es, die
gestalten der dichtung seinem bürgerlichen publikum in dessen
weise nahezubringen: den grafensohn im pilgerge wände , arm,
verlassen, wie er stirbt und verdirbt; den rittersohn als un-
bemittelten fahrenden abenteurer, den die mit reichtum nicht
gesegneten elteni schon früh haben in die weit ziehen lassen
und der sein glück im fremden lande sucht; die rittersfamilie
zu Heigerloh in einem vorstadtidyll bei einer Wäscherin.
Allerdings eine psychologische lösung der Verwicklung, wie
sie Hartmann gegeben hatte, lag Kistener zu hoch und wider-
sprach auch den anschauungen des mittelalterlichen bürgers,
der auf intim vertrautem fuss mit den gestalten des legenden-
himmels lebend, deren eingreifen in die geschicke ganz natürlich
fand. Dass die mystik als solche die nothelfer und den ganzen
apparat äusserlichen kirchentums gar nicht ausschliesst, sondern
vielmehr fordert, hat sehr richtig Harnack, Dogmengeschichte
III*, 379 bemerkt. Das grässliche geschieht hier aber auch
nicht mit unnatürlicher kälte, sondern den Jammer und den tief
tragischen konflikt in der seele des vaters lässt uns der dichter
mit erleben: aber wenn sich das herz müde gerungen, dann
lässt er fromm gott und seine heiligen eingreifen.
Seinen stoff beherrscht er völlig, um eines armutszeugnisses,
wie es sich Hans von Bühel in der Königstochter 4246 ff. aus-
stellt, nicht zu bedürfen, und er wahrt durchweg die einheit
des Stoffes und der idee. Er beobachtet auch mit erfolg das
gesetz des künstlerischen kontrastes, wenn er uns von den fest-
lichkeiten der bürg an das totenbett des pilgers in der reise-
herberge, von dem festlichen gepränge der kathedrale in Com-
postella in die einsame bürg und die gassen von Heigerloch,
von grossem glück zu tiefem elend, von aufregenden scenen zu
glücklicher befriedigung führt. Das mag auch ein Vorzug seiner
quelle gewesen sein. Aber man vermisst doch den sinn für
geschmackvolle gleichmässigkeit und abwechslung in der aus-
führung, ein mangel, den er mit der volksballade teilt. Ebenso
fehlt ihm natürlich die schwungvolle fantasie und die gedanken-
füUe des grossen dichters, der die schranken seiner zeit und
seines Volkes überwindet. Was Görres den einfältigen deutschen
hausverstand nannte, wird hier oft als hausbackenheit lästig.
58
•
Kompositionstalent ist unverkennbar; Wiedererkennungen und
glückswechsel sorgen fiir Spannung. Charakterisierungskunst
zeigt sich mehr in der Zeichnung der Situation als in markanter
darstellung der personen. Der dialog ist lebhaft, rednerischer
schmuck volksmässig sparsam. Zu dem Stoff hat der dichter
ein wirklich inneres Verhältnis, das sich in vertraulichem mit-
gefühl ausspricht.
Was Kunz Kistener im übrigen seinem werke mitgeben
konnte, verdankt er zum grössten teile der lekttire. In Strass-
burg hatte noch lange der deutsche Nonnus, der viel nach-
geahmte Konrad von Wtirzburg den geschmack beherrscht, ob-
gleich man sich auch gegen andere dichter nicht verschloss.
Wie bei Egenolf, dem Verfasser des Peter von Staufenberg, die
lektüre des Partonopier nachwirkte, so bei Kunz Kistener die
des Engelhard. Der litterarischen entwicklung, welche die
dichtung in bayerisch - österreichischen landen in der zweiten
hälfte des Jahrhunderts nahm, als sie sich in bewussten gegen-
satz zu der Unselbständigkeit der höfischen üb er Setzungspoesie
stellte, bleibt er ganz fern. Die litteratur des Elsasses und
der benachbarten Schweiz bot ihm die beste anregung. Gott-
fried und Konrad sind seine hauptsächlichsten Vorbilder. Er
kannte ausser Gottfrieds Tristan und Konrads von Würzburg
Engelhard, Partonopier und Silvester auch das fabelbuch Boners,
Egenolfs Peter von Staufenberg, die Parzifaldichtung von Claus
Wisse und Philipp Colin und wahrscheinlich noch manches ältere
werk der epischen dichtung.
Scherer hat also nicht recht, wenn er in der Geschichte
des Elsasses I 64 dem XIV. Jahrhundert abspricht, dass man
die grossen Schöpfungen des XIII. Jahrhunderts noch zu würdigen
verstanden oder diesen meistern nachzueifern sich überhaupt
nur mühe gegeben habe. Nichts wäre freilich unbilliger, als
Kisteners leistung an den mustern der klassischen zeit zu messen:
er besitzt weder Hartmanns kunstvolle klarheit, noch Gottfrieds
glänzende stilistische kunst, auch nicht Konrads geschick und
lebendigkeit, nicht einmal Egenolfs glückliche fertigkeit als nach-
ahmer: sondern ein individueller, allerdings äusserlich beschei-
denerer, aber innerlich vielleicht wertvollerer lebensgehalt sucht
hier mit anlehnung an das frühere nach entsprechender ge-
59
staltung. Auch die litteratur dieser zeit zeigt wie die maierei
ein doppelgesicht, als ruhepunkt alter, als ausgangspunkt neuer
entwicklungen. Lamprecht, Deutsche geschichte 4, 293. Dabei
mangeln Kistener eigentümliche Vorzüge nicht: nichts mehr
von dem blass aristokratischem ton und der. zwecklosen Weit-
schweifigkeit des höfischen epos, sondern gesunde natürlichkeit
und sicheres gefühl entschädigen für den mangel eines um-
fassenden Weltinteresses. Kisteners leistung steht mit allen
ihren fehlem doch beträchtlich über dem niveau der ritterlichen
dichtung seiner zeit, hoch über dem niveau der bürgerlichen
kneipe, das bald in der deutschen dichtung massgebend wird.
Die Jakobsbrüder beschliessen nicht ohne glück die altdeutsche
epoche der rein epischen dichtung in Strassburg.
An anerkennung und beifall hat es ihm nicht gefehlt. Ein
in seiner epigonenhaften zeit mit auszeichnung genannter dichter
der nächsten generation nimmt ihn sich in seinem erstlingswerk
zum entschiedenen Vorbild, ahmt ihm eifrig nach und entzieht
sich erst in seinem späteren reiferen werke dem überwiegenden
einfluss seines landsmannes. Kisteners fleissig abgeschriebenes
büchlein findet den weg nach norden undsüden: man schreibt
es in einen andern dialekt um, man hält es nach mehr als
anderthalb Jahrhunderten für würdig, im druck allgemein zu-
gänglich gemacht zu werden. Die anerkennung, die es fand,
erschwert uns die herstellung; sie war es, die hauptsächlich die
mannigfachsten Verderbnisse und modelungen verschuldete, wo-
von es erst gereinigt werden musste, um die alte Wirkung wieder
ahnen zu lassen.
Text.
In gottes iiamen vahe ich an, [A. bl. 60a.]
merkent vrouwen unde man:
von groszer trüwe ich sagen wil,
die zwene einander tatent vil.
5 hoerent diz gedichte an,
ez gehorte nie kein man,
wan daz ich ez han geseit
den lüten umbe ein hübescheit.
ez tet Kuonze Kistener.
10 tuot ez not daz ichz bewer?
1. Der prolog 1 — 70 fehlt ii> C. Über seine ähnlichkeit mit dem prolog
des Engelhard s. einleitung, s. 21. Sachenwirt 40, 1.
2. Die entsprechenden formen der apostrophe bei Eonrad stellt Wolff
zur Birne 84 zusammen. Vergl. unten zu 649. Beispiele Eonrads für den
gepaarten ausdruck gibt Jäckel, Egenolf von Staufenberg s. 12.
3. truwen A. Auch Le dit des trois pommes spricht am schluss den
grundgedanken der treue aus: ,Par essemple vous ai en ce dit racont6,
comment nous devons tous garder no loiaut6^
5. gedichte ir lüte verstau A. Die anrede ir lüte verrät sich
neben vers 8, den lüten umbe ein hübescheit als unechte erweiterung.
An solchen Verderbnissen, die in der regel dem streben nach breiter deutlich-
keit oder dem bemühen entspringen, die redeweise des Schreibers mit der des
Originals auszugleichen, ist kein mangel: vergl. zu vers 302, 307, 520, 1038,
1195 dz wissend, 1210. Eonrads gesetz. der sich vor der letzten hebung
keinen hiatus erlaubt (Haupt zu Engelhard 716), gilt bei Eistener nicht mehr :
39, 125, 243, 395, 468, 509, 628, 547, 691, 737, 919, 1023, 1112, 1229. Jänicke
ging in der entfernung des hiatus bei Egenolf zu weit; zu Stauf. 206. Wie
auch der fortsetzer des Trojanerkriegs den hiatus zulässt, zeigt Elitscher s. 23 f.
7. Wonne A.
8. Rappoltsteiuer Parzif al, prologus 217 ,durch ere und durch hübischeit^
9. Cuntze A. — 10. ich es A, und so fast immer.
62
ich han gewachet manige naht,
daz ichz ze rime han gebraht.
si üt dinne wandelbere,
ich wolte daz ez besser were.
15 Nuo hoerent ez luterlich, Ibl. 61.]
ez hat bekümbert dicke mich.
ich meinte got din (und kein gelt)
sante Jacop und die weit.
swem ez ze beeren si gemacht,
20 der spreche mir daz beste nach,
daz sant Jacop in mache rieh
hie unde dort eweclich.
Swer aplaz von gotte gert,
went Sil, daz sü got gewert,
25 die bilgrin suUent lazen
11. Eonrads Alexius 1328, ,im wart ge wachet manege naht^
12. dz ich zÄ rüme A. — 13. Sige ^t do wandelbere A.
16. het A. Parton. 190 ,daz min tumbez herze sich vil kumbers an ge-
nomen hät^ Troj. 19605 ,swaz uf der höchgezite was ougen unde sinne, die
wären üze und inne bekümbert da mit sinem lobe'. Boners Edelstein prolog 40:
,dä Yon hab ich, Bon^rius, bekümbert minen sin alsus^
17. meinde . darine . A. gelt, nicht gel (Goedeke) steht in der hs.
Im allgemeinen vergleiche die von Schönbach, Über Hartmanu von Aue
s. 436 ff. erörterten eingänge Hartmanns.
19. Dem.hoerende.A. Rudolfs guter Gerh. 1. ,Swaz ein man durch
guoten muot ze guote in guotem muote tuot, des sol man im ze guote jehen,
wan ez in guote mac geschehen, swen sin gemüete I^ret daz er ze guote
keret herze sinne unde muot, daz er daz beste gerne tuot, der hüete an dem
guoten sich, so ist ez guot und lobelich^ 6844 ,swer habe so getriwen lip,
so diemüeten sin, daz er des mseres kurzwile ger, der läze min 16n daz wesen,
ob er ditz msere hoere lesen, daz er mir günne alsölher gunst, genieze ich
Inder miner kunst, daz ich einen danc bejage nach dem ich warp ie mine
tage* u. s. w. Zu Kistener 1217. ,gemach'? Vogt.
20. Boner ,von dem ende diss buoches* 41 : ,und der, der ez ze tiutsche
bräht hat von latin, des müez gedäht iemer ze guote werden in himel und
üf erden*.
23. Der appel OS A, nicht app las, wie Goedeke drucken Hess. Passional
in V. d. Hagens Germania 7, 271: ,Er tet als die alle tunt, die applaz wollen
erreichen; diz solde im wesen ein zeichen umb der sunden vergift*. Jakobs-
lied bei Goedeke, Gengenbach s. 631 anmerkung : ,wer gnad vnd ablass haben
will, der möss sein sünd vor bfisen*.
63
nf allen gottes strazen
durch got haz unde nit,
unküscheit und Iren grit.
Swer gottes Worten also tuot,
30 die sint luter unde guot,
swaz der jüngliug guotes gert,
wissent daz in got gewert,
swem geverten got beschert,
mit dem er uzer lande vert
35 und trüwe warheit globet im,
er welle varn mit in dahin.
Swer aber trüwe bricht an im,
er möhte baz daheime sin.
Swer sant Jacop gerne ert,
40 des heil und selde würt gemert.
Der vil heiige zwölfbotte,
die gnade hette er von gotte:
ez ist, als ich üch sage hie : [bl. 61 a.]
28. Im Libellus de miraciilis s. Jacobi (Patrologia [Migne] 163 p. 1372)
wird erzählt, ein junger mann sei wallfahren gegangen, ohne vorher seine
nnkeuschheit gebeichtet zu haben. Jacob belehrt ihn: ,quicunque propter me
vult peregrinari, prius debet sua per confessionem peccata dicere et post pere-
grinando eadem commissa poenitere'. Acta Sanctorum Juli 6, 45 B ff. 54 E ff.
Legenda aurea (Lugduni 1516) cap XCIV. Ähnlich mahnt Calixtns IL im
Sermo primus in vigilia s. Jacobi Zebedaei apostoli a. a. o. p. 1378 A. Auch
litteraturgeschichtlich bemerkenswert ist eine folgende stelle derselben predigt
p. 1.381 C: „qui . . . jocos joculatorum diversos fecerunt vel viderunt, vel
cautilenas mendosas decantaveruut , nisi resipueriut, profecto damnabuntur''.
Qautier, Les 6pop6es f rangaises II ' 22. Des jgrites' klagt Merswin vor allem
die bürger und handwerker au, Neun felsen s. 38 ff. — 29 u. ö. wer A.
30. buchstäblich = Gottfrieds Tristan 9839. Dieselbe Verbindung Konrad
Troj. 4164, 5646, 7543, 14430.
33. gewerten A. Zum ano xoivov vgl Jänicke zu Peter von Staufen-
berg 69, Behaghel zur Eneide s. CVIII und Paul, Prinzipien der Sprachge-
schichte « s. 114 f., 265 f., Kistener 179 f., 441 ff., 631 ff.; auch 140 f., eine er-
scheinung, die Behaghel zur Eneide s. CXXIf. umschrieb.
35. in A. — 37. brichet . in A. — 38. lieber A.
40. vns A. über den ausdruck ,heil und ssBlde meren^, Bartsch zum Turnei
11, wo man zahlreiche belege Konrads hinzufügen könnte.
41. vil fehlt A. vgl. 98. — 43. ,als ich üch sage* R. Parz. 255, 42.
Im allgemeinen vgl. Klitscher s. 60 ff., Jäckel s. 22 f.
64
sante Jacop nie enlie
45 verderben uf der straze sin
von hungers not kein bilgerin.
Swer trüwe und ernest hat dahin,
der sol von gotte sicher sin,
daz sant Jacop in nüt verlat,
50 swer uf der straze ritt od gat.
Swer guoten werken volget noch
und sich zuo den besten zoch,
der mag hie selig alten
und dort sin sele behalten.
55 Swer die boesen vliehet
und sich zen besten ziehet,
daz vromet vor maniger not.
Die boesen gent boesen rot.
von getrüwen lüten wil ich sagen,
60 wan ichn magz lenger nüt vertragen.
als ich allerbeste kan,
ein rede ich getihtet han
ze eren und ze lobe
got unde sant Jacobe,
65 die bede guot zerende sind.
44. verlie A.
49. in fehlt, enlat A. Stauf. 10, 411. Eonrads Herzemaere 328. Den
gedanken führt die legende in v. d. Hagens Germania 7, 263 f. aus.
50. rittet A.
52. der sich . dem A. Troj. 49209 ,dar umb ein ieclich saßlic lip . . .
sich zem besten sol gehän^
54. R. Parz. 272, 32; 737, 24; Troj. 49809.
55 f. ßoethe zu Reinmar 94, 9. — 67. von A.
60. wan ich enmag es nüt lenger vertragen A. vertragen wie
verdagen (von Merzdorf zur Königstochter 1027 falsch erklärt), auch Pyra-
mus und Thisbe (Zfd A 6, 505) 46 ,si woltenz lenger niht vertragen^ und
Hätzlerin s. 116, 26 gebraucht: ,der herre sprach: der red vertragt*.
61. so A. buchstäblich ^ Ulrichs von Türheim Trist. 22. Heinrichs von
Freiberg Trist. 84. ,als ich beste kan* : Konrad Silv. 89. Troj 19699. Älteres
bei Radke, Die epische formel im Nl. 33.
64. Passional in v. d. Hagens Germania 7, 260 und 264. ,lobe : gote und
sante Jacobe*. Vgl. Kistener 538.
66
Nu helf ans Maria und ir kint,
daz unser ende werde guot.
gewin der weite sanfte tuot.
Die vorrede ich han geseit.
70 got mere unser selikeitl
HoBrent, wie ich den sin gevant!
men seit mir daz in Peigernlant
saz ein erlich biderman, [bl. 62.]
der lüte und lant het undertan.
75 daz er ze rehte ein vrum man hiesz,
durch liep und leit er schouwen liesz.
er was ie dem rehten bi;
66. in helfe ist das schliessende e von jüngerer band.
68. Zum gedanken vgl. Engelhard 126 ,swaz guot gewinnet, daz ist wert^
Troj. 1984 ff., 46222 ff. Liedersaal 218, 385.
70. C beginnt: ,Wend jr hSren wunder ynd gross lob Von dem
gflten herren sant Jacob Vnd losent wie jch die sach befand Man
lyset das'.
71. gevant A, nicht gewant, wie bei Goedeke zu lesen. Bühelers
Diocletian 9444 ,Ein gut geselle mir sin gedacht, der mir den synn geschriben
brachtS
72. men A; nicht, wie Goedeke dmckt, man. Peigernlant A, nicht
Peigerlant.
74. vntertan A. Dem leüt vnd land was vnderthan G. Von
allitterierenden formein, über die, soweit sie Gottfried verwendet, Preuss in
den Strassburger Studien I 3 ff., und, soweit sie Eonrad gebraucht, Haupt zu
Engelhard 3465 handelt, finden sich bei unserm dichter folgende: lüte unde
lant 74, 648, 1015, leben, lüte unde lant 119, liep und leit 76, ze
liebe und nüt ze leide 461, von liebe und von leide 715, leide und
liebe merlll5; auch ausserhalb solcher formein liebt Eistener allitterierende
Verbindungen, wie lant erbelos 90, lant mich luogen wie sü leben
186, er sach sü an, sü nam sin war 205. Über allitteration bei Budolf
von Ems Erüger, Stilistische Untersuchungen s. 13. Weniges bei Egenolf ;
Jäckel s. 14.
75. Durch dz er frummen hies A. Dar zu er wol fromm hiess
C. ,ze rehte' ergänzt nach Troj. 45743 ,der ir man ze rehte hiez^ Über zeit
und Veröffentlichung der fortsetzung Jäckel s. 85. Auch Eistener benutzte
wahrscheinlich den Trojanerkrieg nicht anders als mit dieser fortsetzung,
deren dichter seinem können näher stand als Eonrad.
76. Durch lieb und leid er nit enliess C. Durch liep durch leit A.
77. 78 umgestellt in C. er stund alle zeit dem rechten by G. Die
parallelen Eonrads (Engelhard 4115 ,der hie stat dem rehten bi^ Part. 4378
Enling, Eistener. 5
66
sin bürg stuont werlich unde vri,
duf er vertreip sine zit
80 daz men sin lop kündet wit.
er was genant her Adam,
ein guoter grave lobesam.
er lebete alse ein cristenman
mit siner vrouwen wolgetan.
85 sä hieltent ördelich ir e.
zwölf jare oder me
sü vrüntlich bi einander woren,
daz vruht von in nie wart geboren.
ir beder klage die was ie grosz,
90 daz ire lant erbelos
nach irme tode sölten sin.
Er sprach ,vernim mich, vrouwe min,
waz ich han vor manigen tagen
,denn ich dem rehten stüende bi^) würden anf die lesart von C führen, die
aber wegen des ,stuont' im folgenden vers wahrscheinlich nicht echt ist. Ein
ähnliches lob wird Troj. 630 gespendet : ,anreht daz vlöch er unde meit'.
78. stet A. was C. unde fehlt C.
79. do uff A. Dar vff hielt er eerlich sein zeit C. Der ausdruck
,8ine zit vertriben' ist bei Konrad häufig. Z. b. Troj. 700, 20526, 27694 [41735].
80. noch kündet C.
81. 82 und 83 : 84 umgestellt nach C. Es folgen in A. 83, 84, 81, 82.
81 geheissen A. Wolff zur Birne 35 und 299.
82. ein gross her e A. Part. 14344 ,zuo dem gräven lobesam^ Über
,lobesam' Haupt zu Engelhard 1185, Jäckel s. 51; auch das volkstümliche
wolgemuot verwendet Kistener 596, 685. Schilling, De usu dicendi ülrici
de Zazikoven s. 24. — 83. also A.
84. über ,wolgetän' bei Konrad Wolff zur Birne 102, 11 1, 415. Jäckel s. 43f.
85. ördelichen A. Die mundartlichen formen bei Lexer im DWB 7,
1324. gar ordenlich C.
86. By zw8lff jaren vnd dar zu me C. mer A. Hans von Bühel,
Diocletian 3362 ,Sy warent bi einander drü jar, das sy nie kein kint gewanS
88. Das kein frucht von jn C.
89. so gross A. die und ie fehlt C.
90. jr letit vnd lant C. erbloss AC. — 91. solte A.
92. Herzm. 288 ,vernim mich, trüt geselle min*. Silv. 793 ,vernim waz
ich dir welle sagen^
93. was ich von m. t. so rehte wol han gehöret sagen A. wie
jch han C. ,80 rehte wol* Wolff zur Birne 411. Silv. 3039 u. o. Jäckel s. 44.
67
so rehte wol gehoeret sagen,
95 waz sant Jacop zeichen tuot!
vrouwe, dunket ez dich guot,
(wan ich so guoten glouben han
an den vil heiligen man;
er lat nieman ungewert,
100 der mügelicher bette gert)
daz wir sin bede bittent sint,
daz er uns beschere ein kint?'
Der rat geviel der vrouwen wol. [bl.62a.]
,her, wise mich, wie ich sol
105 sante Jacop rtiefen an,
daz er uns nüt versagen kan'. /
er sprach ,wir süUent beide,
als ich dir nu bescheide,
durch got lihen unde geben,
110 boBsen werken widerstreben'.
Daz hielt die vrouwe stete
96. euch C. Gottfrieds Tristan 9362 , dunket ez dich guot^ Hans von
Bühel, Königstochter 6757 ff. ,er sprach: liebe huszfrow min, will es üch auch
danken guot, so sag ich üch da minen muot'. Wolff zur Birne 204. Troj. 3303
,dä von sd danket mich daz guot^
97. gar gilt en C. Staaf. 13 ,wan ich sin guoten glouben han^ Engel-
hard 1360. Kist. 1183.
98. an den heiligen vnd werden man C. Alexius A 1052 ,den
vil heiligen man* u. o. — 99. Der doch niemandt lot vngewart C.
100. müglicher ding von jm hegart C. ß. Parz. 217, 13 ,ez bit
üch mügelicher dinge doch^ Merswin, Neun felsen s. 122 ,wilt du bitten, so
solt du got bitten einer mugelichen bitte'. Kistener 162. Closener 69, 12.
,mügelicher und zimelicher dinget — 101. bittende A. yn baide C.
102. vns helffe vmb ein kind C. — 103. Wolff zur Birne 270.
104. Here A. Sie sprach nun vnderwis C.
105. Den lieben sant C. — 107. Der herr C.
108. DasjchC. ,nu' fehlt A. hie C. ,als ich in nü bescheide' Lach-
mann zu Iwein 2989 = guter Gerhard 171. Troj. 48647. Vgl. Stauf. 678 d, 868,
Jäckel s. 23.
109. Allzeit durch gottes willen geben C. Über , lihen unde geben*
stellt Bartsch zum Turnei 28 einige stellen Konrads zusammen. Hans von
Bühel, Königstochter 3549 ,ich wil üch lihen unde geben*. — 110. Vnd C.
111. hielte A. mit willen stät C. Wolf zur Birne 126, 127. ,dia
6*
68
ein ganz jar mit gebette,
daz sü mettin nie verlag
noch in dem jare dheinen tag,
115 sie bette uf iren knüwen
sant Jacop dem vil getrüwen,
daz ir ein kint beklibe,
dem nach irme tode blibe
ir lehen, Ifite nnde lant.
120 Got gewerte sü zehant:
die vrouwe eins kindlins swanger wart.
der her gelobete die vart,
daz ez ein knabe were,
würde er lehenbere,
125 er wolte ie gerne in
schicken nf die verte hin
gen Gumpostelle in die stat,
da sant Jacop gnade hat.
sus gelobete er die verte.
130 Sant Jacop in gewerte,
die vrouwe in dem jar genas
vronwe stsete^ Troj. 38272. Herzm. 439. ,daz hielt er allez Staate mit rede
und mit getsete^ Silv. 585. Jäckel s. 56. — 112. mit irem gebStC.
113. mettini nie A. Das sie kein mettin C. — 114. nie kein C.
115. bettete A. bSttet ernstlich 0.
116. dem fehlt A. vil fehlt C.
117. Das er jnen nit verzigi Vnd an erben nit belibi Vnd jn
hulff vmb ein kindt Das gewärt er sie geschwindt Das von jn
arbte letit vnd landt C. — 119. lüten A.
120. sie do C. ,eins kindes si swanger wart zehant^ B. Parz. 47, 1.
Über ,zehant^ bei Konrad im reime Wolff zur Birne 300.
122. gehiesz sant Jacob zart G.
123. Dar vmb das es ein knab ward C. er A. ez Kistener 135.
Farton. 4455 ,der uns da seite msBre, daz ein knabe waBre^
124. Vnd läbent blib vnd nit sturb C.
125. in gerne in A. So wölt er jn allein schicken do hyn 0.
126. fart A. Des gab er yn die trüwe sein C. ^
127. Gunponstelle A. — 128. do der lieb C.
129. also A. Also verhiesz der herr die vart C.
130. sie jr gew&ret wardt C.
131. Hans von Bühel, Diocl. 14 f. ^darnach fuogt es sich also, das die
69
eins kindes schoene, ein knabe ez was.
die vrouwe in irme muote hiesz, [bl. 63.]
daz man den herren wissen liesz,
135 daz ez ein knabe were.
Ein kneht vemam die mere:
er saz nf nnd reit vil bald
zno dem herren in den wald.
er suochte in, da er jagete.
140 die botschaft er im sagete,
dem herren liebe mere,
daz sin vrouwe genesen were.
er sprach ,edeler herre zart,
ich sag üch uf dirre vart,
145 her, ir sulnt kein ungmach haben:
min vrouwe ist vrisch und hat ein knaben'.
Do wart so rehte vro der man,
sante Jacop rief er an
,gelobet du lieber heiige sist,
150 daz du min vfirsprech gwesen bist
unde mir den lieben gast
fronwe des kindes genas, ein schoener lieber knabe es was^ Königstochter
1561 ,ein httbscher lieber knab es was' = 5522. Vgl. 3327 f.
132. Eins kindts ein schSner 0. — 133. jn jren noten C.
134. man es C.
137. balde : in dem walde A. Vff ein pfSrd sass er bald C.
138. Vnd reit zum C. Zum reime vgl. Wolff zur Birne 159, 160.
139. in fehlt A C. Vnd lüget 0.
140. Dem herren er frSlichen C.
141. Das wanderzeichen vnd guten (!) mfirC. Wolff z. Birne 235f.
142. Daz fehlt A. Troj. 41658 ,nü mir kämen msere, daz min vronwe
genesen wsere eines snnes^
143. 144 fehlen in A. [Vielleicht nur erweiterung in C wie nach 154. Vogt.]
144. Parton. 12495 ,als ich in sage üf dirre yart^ — 145. Ir sond kein vn-
müt C. Boner 72, 58 ,yronwe, habent kein nngemach^ Hans von Bühel,
Königstochter 660 ,frowe, nun habent guot gemach^; vgl. 784.
146. hat fehlt A. hat ein schonen kuaben C. ,yrisch' B. Parz.
719, 4. — 147. war A. von hSrtzen C.
148. Er rfifft s. J. mit ernst an C.
150. fürsprech sist A. fürsprecher gewesen bist C.
151. diesen lieben C. Hans von Bühel, Königstochter 686 ,also kam
zno uns der liebe gast*.
70
nmbe got erworben hast
got si gelobet! ich bin gewert,
des ich lange han begert'.
155 der kneht hiesch im daz botenbrot:
zehen gfildin er im bot.
die gfildin leit er sider an,
damit wart er ein selig man.
Oot nns onch beraten sol:
160 sante Jacop, tno so wol,
dn wellest alle die gewem,
die mngelicher bette gern!
Der herre do sin jagen liesz,
den jeger er daz wilde hiesz
165 schicken uf die bnrg hindan.
die hnnde hiesz er loufen lan. [bl. 63 a.]
152. so trewlich C. — 153. so si A. Got sey C.
154. dz A. Das C. jch von hSrtzen C. ,gewert : begert* Tristan
4907, 18227. Guter Gerhard 6173 u. o. Engelhard 567. Welt lohn 210.
Wolff znr Birne 389. Stanf. 317. Jäckel s. 77. Formelhaft. Es folgen nach
154 in C: Des herren knecht getrüw Sprach gar frClich ane rüw.
155. hisch A. Herr jch will haben C. — 156. Der herr jm 0.
157. Die selben g. leit er an C.
158. Vnd ward do mit ein biderb C. Über ,88elic* bei Konrad han-
delt Wolff zur Birne 498. Jäckel s. 56. Hier steht es in engerer bedentung
gleich ,rich*, wie auch Hans von Bühel in der Königstochter 827 beide Wörter
fast tautologisch verbindet ,sie wurden selig und auch rich^
159. Ich getrew got C. Vgl. Hans von Bühel, Königstochter 4245.
160. Lieber s. J. nun thü C. Dass die wendung ,tuo so wol* besonders
für den Stricker bemerkenswert sei, wie Jensen, Über den Stricker als bispel-
dichter s. 75 f. annimmt, kann man bei der Verbreitung dieser redeweise nicht
behaupten. Vgl. Erec 4802. Wolframs Parz. 620, 1. Tristan 2718, 7608,
8782, 14487. Engelhard 1832. Silv. 2684. Parton. 1446, 2862, 4836, 9462.
Herzm. 324. Troj. 1864, 2352, 2694, 4410. R. Parz. 589, 19.
161. du fehlt C.
162. gereut A. mögliche ding von dir C. So berat vnss auch
dess vnss sey not In dyser zeit vnd nach dem todt C.
163. Also der herr C. do fehlt C.
164. er do A. Den herren vnd knechten ze sal er bliess vnd
hiess das gewilde do Mit guten züchten also senden C. Über
unorganisches e in dieser zeit, das in ,wilde' vorliegt, spricht Jänicke zu
Stauf. 54.
71
sine diener warent alle vro,
heiles buttents ime do.
er dankte in allen gemein:
170 jbalde lant uns riten hein!'
einer sluog yfir den andern dran,
der herre doch ze vörderst kam,
wan er was geritten woL
sin herze was gemüetes vol.
175 er reit in allensament vor,
er was der erste an dem tor.
In enpfleng wol allez daz da was.
er dankete in zwfirne baz.
den hern an lachende lief
180 gemeine daz gesinde rief
,daz botenbrot wellent wir haben;
her, ir hant ein schoenen knaben,
des min vrouwe genesen ist.
des si gelobet der heiige Crist'.
185 Er sprach ,ich sul üch gerne geben;
lant mich luogen wie sü leben'.
Zwene vielent an daz pfert,
167. wurden C.
168. Vyl gelückes wunsten C. ,heiles bieten* unbelegt. ,batents?*
169. gemeine A. — 170. Er sprach wir send C.
171. Einre A. Sie schlügen alle frischlich dran C.
172. doch fehlt A C. ze aller C. — 173. wanne A.
174. aller frSiden C. Gottfrieds Tristan 3519 ,sin herze daz wart
muotes vol*. — 175. alle verre C.
176. Darumb was er C. am thor C.
177. wol fehlt A. Boner 20, 33 , allez daz da was*. — 178. drystentC.
179. Das hoffgesind gemeinlich lieffC. Tristan 3941, 5184, 11179.
180. gemeinde A. Mit lauter stimme eir zu jm rieff G.
181. Hans von Btthel, Königstochter 3216 ,das bottenbrot das muosz ich
han*. — 182. habt A.
183. Hans von Bflhel, Königstochter 1713 ,mein gnedige frow genesen
ist*. 3220 f. ,die loben den yil werden Crist, das mein frow küngin genesen ist*.
184. Darvmb werd gelobet crist C.
185. Er sprach fehlt A. sol A. es gerne C.
186. wie die frowe lebe A. Über ,luogen* s. zu 192.
187. Zwen knecht 0.
72
darnach zwene an sporn und swert,
balde sü im gurten abe.
190 er sprach ,nement swaz ich habe!*
den mantel gab er in darzuo:
,nu luogent, waz die vrouwe tuo!'
Vür die vrouwe er do lief.
dem kinde er da Jacop rief,
195 als er ez heiszen wolte,
so man ez toufen solte: [bl. 64.]
er sprach ,ir sulnt got wilkum sin,
lieber sun und vrouwe min!'
sä dankte im mit vröuden wider:
200 ,lieber herre, sitzent nider*.
er saz zuozin uf daz bette,
vil liebes er mit in hette.
vil groszer vröuden in beschach,
daz man stt bede weinen sach.
205 er sach sü an, sii nam sin war;
als ein rose wart sü var,
die von roete ist enzunt.
er kust sü vrüntlich an den munt.
vröude über vröude was do.
188. Die andern and sporen vnd ans C.
189. Das gurten sie jm bald ab C. — 190. nun n&mendt C.
192. jluogen* bei Konrad s. Haupt zu Engelhard 932. Joseph QF 54, 72.
Hans von Btthel, Diocl. 8422 ,das ich luoge, wie ez im ge^ Zu ,waz die
vrouwe tuo* vgl. Hans von Bühel, Königstochter 1403 ,was die küngin tuo*.
193. Der herr zft der frawen C. — 194. da fehlt C.
197/8 sind in A in einen vers zusammengezogen: Wilkum sün vnd
frSwe min. — 198. Mein lieber C. — 199. mit vroüden fehlt A.
201. zu in A. zu jr nider C. — 202. Liebi vyl C. mit ir C.
203, 204 fehlen in A. — 205. B. Parz. 283, 8 ,er saz abe, dez nam
sü war^
206. gefar A C. QF 54, 68. 42. Preuss, Strassburger Studien 1, 47.
Troj. 27917 ,wart alsam ein röse var*. Jäckel s. 44. — 208. frSlich C.
209. do was C. Die anapher (vgl. 347 ff.) ist besonders bei Gottfried
und Hans von Bühel (z. b. Diocletian 1300, 1315, 1492, 4360, 8505. Königs-
tochter 488, 497, 1722, 2134, 2142, 5376, 5461, 7933) häufig, wovon Seelig,
der des dichters stil (Strassburger Studien 3, 314 ffl) behandelt, schweigt. Über
73
210 sü wurden t vröuden nie so vro,
als do und darnach mangen tag.
Got uns wol gehelfen mag,
daz wir sin vroelich hie und dort:
daz bitte ich durch die heiigen wort,
215 die hüte in der messe las
der priester, da got selber was.
Der herre sprach ,wir sulnt daz kint
toufen daz wir sicher sint*.
die vrouwe sprach ,man ensol,
220 daz kint ist keg und lebet wol.
aht daz wir gevattern hant^
er sprach ,ich hau darnach gesantS
Do kam ein erliche schar
geritten von den lüten dar.
225 uf maus tor an den angen stiesz,
vrüntlich man sü wilkomen hiesz.
daz kint man hin ze toufe truog:
dar kam weite ein ungevuog.
der pfaffe segente ez gar wol. [bl. 64a.]
Gottfrieds anaphern Preuss, Strassburger Studien 1, 28 ff. Über Egenolf Jäckel
8. 30. Boethe, Beinmar 295 ff. — 210. Do was vermitten aller hass C.
211. als do fehlt A C. manichen A. — 212. auch wol helffen C.
213. wir frSlich sint A. wir hie s&lig werden vnd dort C.
214. durch fehlt A. Des bit jchdie heiligen werck vnd wort C.
Zur Sache vgl. Freidank 67, 7 ,disiu wort sint als ein wint wider den, diu
in der messe sint^ Stauf. 944 ff. Ein stilistisches yorbild Troj. 11348.
215. Die der priester hüt C. — 216. Vnd got selb do by was C.
217. Es sprach C. kindelein : sein C. Über die kindtaufen Kriegk,
Deutsches bürgertum n. f. 1871, s. 188 ff.
220. frysch es lept C. — 221. achte A.
223. kam gar C. Troj. 885 ,Der kam da hin ein michel scharf
224. geritten fehlt A. Geritten für die bürg hin dar C.
225. diethorC. angelA. Vgl. Engelhard 4301 ,biz an den angenS
226. früntlichen A. — 227. man do ze C.
228. yff die stat sein füg C. B. Parz. 243, 10 ,nach ime lute ein
ungefuog^ 657, 35 ,starker wunden ein ungefuog^ 632, 20 ,ir waz gegen
im ein ungefuog^ 48, 17 ,Yil maniger bände ein ungefuog'. Einleitung s. 19.
229. gar fehlt A. der pfaff der es touffen wolt C.
74
230 er yragete sfi aber vor,
wie des kindes name solte sin.
des seitent im die pfetterin
,inan sol es toufen Jacop
sante Jacop darch sin lop,
235 der mangen menschen nzer not
erloeset hat von missetot^
So man daz kint getoufte,
sin gettelinz do slonfte
in sin westerhemdelin.
240 do hulfent in die pfetterin.
sfi gabtent ime erlich
cleinote von golde rieh.
den gevattern dankte er.
sü sprachent ,dsiz sint liebe mer
245 und hant mit willen daz getan.
herre, lant uns urlop han'.
do vuorent sü in gottes segen.
Der welle unser iemer pflegen,
unze daz wir heilig werden,
250 daz wir so werbent hie uf erden.
Das kint wart uf die bürg getragen.
230. fregete, nicht fragte (Goedeke) steht in der hs. A. Der fragt
wie do solt C. Gottfrieds Tristan 1975 ,er frägete umbe daz kindelin wie
sin name solte 8in^ — 231. wie und solte fehlte. — 232. gef&tterein C.
233. nennen C. — 234. Dem guten s. J. C.
236. manigen A. hilfft auss not C.
236. Vnd erl8st hat vor bSsem todt 0.
237. Also A. Das kind thet man do also toufften (!) C.
238. Die gSttel es C. — 240. Also dann jst der gStten sin C.
241, 242 fehlen C. — 242. cleinotter A.
243. Dem A. Sein genattern 0. — 244. dissint A.
245. Wir band es m. w. gethan C. — 246. nnn land 0.
247. heim in C.
848. m&ss vnser C. Stauf. 415 ,der müeze ouch unser beider pflegen'.
249. jheilig werden', 1175 ,in der zit', steht wohl im Zusammenhang mit
der mystischen frömmigkeit, deren ziel dies ist. Merswin, Neun felsen, s. 28,
29, 31, 35, 36, 38 ff. ,gehilgen in disen ziten'. Preger, Geschichte der deut-
schen mystik 3, 214. — 250. So l&bend wir lang yff erden C.
251. wider vff C.
76
Sit hau ich gehoeret sagen
grosze zeichen, und geschahen!
lüten, diez mit ougen sahent,
255 die got und sante Jacop tet,
die man bewerte an der stet,
da noch hüte ein closter stot.
nu helfe uns got uz aller not! [bl. 65.]
Ir kint sü zugent liep und zart,
260 ein stolzer Jüngling ez da wart.
swaz er anvieng, daz stuont im wol,
sü tribent mit im mangen gol,
daz noch wol geraten wil.
kint darf man nüt straffen vil.
265 ez beschulte in siner jugent,
daz man seite grosze tugent,
diez in der kintheit bevieng.
swa er hin reit oder gieng,
daz gesinde nam sin war
270 und vartent sines willen gar.
252. jch vyl C. Wolff zur Birne 340 g. e. — 253. Grosser, die C.
254. lüte A. von leüten C. mit den A C. Troj. 17622 ,die ez mit
engen sähen^ S. Einleitung s. 47. •— 256. Do ward bewart C. stetteA.
257. hüte fehlt A.
258. Ysser A. Troj 42629 ,daz ez in hülfe üz aller not'. Hans von
Bühel, Königstochter 3071 ,got helffe in noch usser notS
259. erzugen sie gar zart C. R. Parz. 651, 42 ,die frowe, die im
gast hette liep und zart*. Diocletian 22, 7614. Königstochter 568. Vgl.
Engelhard 1286 und zu 3713. Troj. 24052 ,si was ir liep gar unde zartS
260. Dar auss ein C.
261. 262 fehlen C. 264 folgt nach 268, und dann Das zu eren werden
wyl C.
262. zu gol vgl. Diocletian 2892, 3606. Strasshurger Studien III 306.
263. wol fehlt A, war aher nach Stauf. 501 herzustellen. Zu geraten
vgl. Hans von Bühel, Diocletian 4435.
264. das kint AC. Das gegenteil der hier geäusserten meinung hatte
Rudolf von Ems in seinem, Kistener vielleicht bekannten (vgl. zu 683) Bar-
laam 380, If. als seine ansieht aufgestellt. Weitläufige ausführungen über
diesen der reformationszeit wichtigen gegenständ bietet Wickram im Irrreitend
Bilger bl. 44 f . — 265. beschuldete A. in der C.
266. im Seite A. von jm C. — 267. ving A. — 269. sein eben C.
270. fortent A, warteten C. Die meisten ausdrücke von ,vären* c.
76
den san die matter hette zart,
nie kint dem vater lieber wart,
ir beder trost an ime lag.
Sil lieszent selten dheinen tag,
275 sü gedehtent an die vart.
der knabe zwölf jar alt wart.
wan in der her darnach ansach,
zuozim er vil dicke sprach:
,sun, wolte got, daz du die vart
280 bettest getan, die globet wart
e din muoter din genas!
sante Jacop, hilf uns daz,
daz wir geleisten dise vart,
die wir lange hant gespart*.
285 Der san darambe waste niht:
so er den vater traren siht, [bl. 65 a.]
balde er hin zaozim gieng,
vriintlich er in nmbevieng:
,lieber herre, sage mir,
290 vater min, waz wirret dir?'
,Sit da vrfintlich bittest mich,
san min, lasz ich wissen dich,
gen. hat das DWB 3, 1267 aus Kaisersberg. Der artikel verte, das im Mhd.
wb. 3, 257 b, 21 als ein sw. v. angesetzt ist, wird durch die richtige lesart
Closeners bei Hegel 49, 12 hinfällig. Glosener schrieb nämlich ,satt6nt^
271. Die müter das kind hat gar C. Jolande 2943.
272. seinem C. Troj. 7403 ,wan mir nie gast so lieber wart'.
275. gedochtentA. gedachten C. [Zum indikativ in der Überlieferung
vgl. Morolf 615, 4, 5 u. anm. Vogt.]
276. Do nun C. — 277. Wann der herr das kind ansach C.
278. Zu menger stund gedacht er ach C.
279. Lieber sun C. — 280. verheissen C. — 281. Do C.
282. HerrsantC. — 283. Wir leisten mögen dyse C. die vart A.
284. so lang C. — 286. traurig C. — 287. Gar bald C.
288. Vnd jn 0. Stauf. 310 ,mit armen er sü umbevieng'. Kistener 325.
Hans von Bühel, Diocletian 8472, 8333, 8211. Formelhaft. Jäckel s. 74.
289. Er sprach lieber herr vnd vatter mein C.
290. Was mag eüwer seüfftzen sein C. Stauf. 717 d ,waz wirret
dir^ Boner 94, 61. — 291. Er sprach : fragest C.
292. min fehlt A. Mein kind so 0.
77
lieber sun, ich wil dir sagen,
wie wir hant vor langen tagen
295 gelobet eine Jacopvart,
daz din muoter swanger wart,
der heiige hat geweret mich,
darumbe sol ich schicken dich
alleine uf die verte hin.
300 daz beswert vast minen sin,
daz wir so ver alleine dich
sölnt schicken hin, daz jamert mich^
er sprach ,sit mir got hat geben
sele lip guot unde leben
306 nnd daz sante Jacop bat,
daz üch got geweret hat,
und Sit ich wol geriten mag.
293. Vnd wil dir jn gantzen trüwen C.
294. hant fehlt A. vor mengen C.
295. Sant Jacoh gelopt ein C. — 296. din din A. Eee das C.
297. Also hat sant Jacob C. — 298. müss C.
299. Gon knmpostell yff die fart Do sant Jacob begraben
wart C. fart A.
300—302. mir m&t vnd sin Send wir allein dich schicken do
hyn C.
302. hin fehlt A. Nach diesem verse folgt der flickreim Die rede er
merckete eben A. Die rede verstund der knab gar eben C, der sich
schon dadurch als unecht erweist, dass er das zahlenverhältnis der reimpaare
zerstört. Ähnliche flickverse: Gengenbach nach Eistener 524 (Goedeke vers
524, Ygl. s. XXII f.). Friedrich von Schwaben ,Er nam ir eben war' v. d. Hagens
Germania 7, 111. Troj. 43729. Boner 36, 10. GA LVII 101. Bühelers Diocletian
57, 137, 1250, 1718, 3433. Königstochter 5338. Kaufringer 1, 317. 14, 79
XL. ö. Schmicher, Kellers Erz. 306, 18. Andreas Kurzmann WSB 88, 816, 198 a,
851, a. 9. Jäckel s. 80. Als spezifisch Rosenplütsche Wendungen kann man
das ,eben war nemen' u. ä. nicht bezeichnen. ,eben war nemen* ist gewöhn-
liche prosaische weudung Merswin, Neun felsen 91 : ,nnd dis nimmet der bese
geist gar ebbene warS
303. Vnd spräche, sit fehlt A. sit hat mir got A. dann got hatt C.
304. guot fehlt A. Seel lyb gut ynd C. HMS 3, 468t, 29 ,got der
hat uns vil gegeben, die sinne, lip, s§le unde leben'. Wolff zur Birne 308
[Troj. 45303]. Jäckel s. 12, 13. — 305, 306 fehlen C.
307. nnd fehlt A G. sit ich wol riten vnd gon mag A. Das jch
wol gereiten mag G.
78
so enblibe ich niemer tag^
Vater und muoter baten in
310 ,sun, la dir nüt ze gach sin,
biz daz wir dich besorgent baz.
liebez kint, nu ere uns daz^
er sprach ,lant üwer bitten sin: [bl. 66.]
ich blibe nüt, ich wil dahin'.
315 Do sU erkanten sinen sin,
daz ime ernest was dahin,
man zoch ime dar ein pfert,
daz het er liep unde wert.
er sprach ,daz pfert ist min gevuog'.
320 geltes gabent sü im gnuog.
sine tugent mähte daz,
yil manig ouge wart da naz.
die muoter weinte inneclich:
,lieber sun, nu küsse mich'.
325 zertlich sü in umbevieng,
daz leit ir aller nehest gieng:
308. So belib jch freilich niemer C.
310. so C. Gottfrieds Trist. 3184 ,nnd läzet in niht sin ze gäch'. Näher
steht wieder Königstochter 3155 ,nit lasse dir sein also gach^
311. Vnd lass vnss dich besorgen C.
312. Mein liebes k. gewer C. ,eren' = obcedire Diocletian 3587.
Troj. 7341. Stilistisch schwebte Gottfrieds Trist. 3132 vor: ,na, liebez kint,
nn sage uns daz'.
313. Der san sprach mit willen Baide offenbar vnd stillen
Nun lassent C.
314. Hans von Bühel, Königstochter 6524 ,die müssent auch mit mir
dahinS Vgl. 770.
315. Do fehlt A. Vnd do C. Zur Situation vgl. Engelhard 326 ff.
316. sein ernst stund C.
317. schönes C. B.. Parz. 709, 22 , ein schöne ros zoch men im dar^
318. Das was wol hundert guldin wSrt C.
319. wol mein füg C. — - 320. Sie goben jm gold vnd silber C.
321. tuwent A. grosse C. — 322. da fehlt A. Do ward C.
323. Sein müter C. — 324. Mein liebes kind C. — 325. Gar z. C.
326. Wan jr das C. Ti'oj. 5804 ,diu selbe clegelichiu not der muoter
sin vil nähe lac'. 8864 ,vil nähe gie ze herzen ir^ Parton. 6632 ,8in muoter
79
,ouwe, junger pilgerin!
got, laz dir in enpfolhen sin'.
Swaz uf der bürg gesinde hiesz,
330 dein oder grosz, er nüt enliesz,
er gebe in letze allen gar.
Mit im vuor ein michel schar.
er sprach ,lant üwer truren sin*.
got gebe im heil, er vert dahin.
335 geleite sü im gabent
den tag unz an den abent.
die naht sü bi im lagent,
kurzwile sü bim pflagent.
vrüege vuorent sü hin heim.
340 der pilgerin vuor allein. [bl. 66a.]
E der herre von im schiet,
sime suone er daz beste riet,
er sprach ,lieber suon min,
du solt mir volgende sin:
vor in allen begunde merken diz allbie, wan ez ir aller nähest gie'. Klage
21, 3 ,d6 ir nähen gie min fröudenrich gebrehte* QF 54, 42.
327. E A. Sie sprach o we junger sun mein C.
328. ach got A. Nun lass mich dir C. Parton. 7377 ,und lä mich
dir bevolhen sin^ Stauf. 1144 ,lant üch die magt bevolhen sin^ Hans von
Bühel, Königstochter 37 f. ,das bitt ich lieber herre min, laszt üch unser kint
enpfolhen sin*. 3547 ,und land mich üch enpfolhen sin*. Formelhaft.
329. der do A. was C. Den wurden allen jr äugen nass Er
gnodet jn allen gross vnd klein C. Zur ausdrucksweise vgl. Kistener
177, R. Parz. 398, 21. ,sprach alles, daz in der bürge was*. Hans von Bühel,
Königstochter 6337 u. ö. — 330. erdonütA.
331. gab AC. aller A. in allen die letzi dar C. — 332. so reit G.
333. Vnd gabent jm ein gelaite do C.
334. Vnd machten jn auss trauren fro C. ,got gebe im heil* B. Parz.
89, 37. ,got gebe üch heil* 194, 11 ; Hans von Bühel, Diocletian 4314. ,got
gebe dir heil* Königstochter 366; Tristan 2476. ,dahin varn* DWB 2, 687 f.
336, 337, 338 fehlen C. Troj. 45575 ,der Mirmidoneisen schar die naht
mit im da lägen, vil jämers si da pflägen*.
339. Des morgentz fürens wider C. — 340. reit do hin C.
341. Doch ee C.
343. 344 fehlen A. Ihre echtheit wird durch die nachahmung in des
Bühelers Königstochter 6519 f. bezeugt: ,er sprach: ,vil lieber sune min, nun
solt du mir gehorsam sin*. Stauf. 651.
80
345 dheinen geyei*ten soltu han,
er si den ein getrüwer man:
wiltu slaffen, wilta wachen,
brist dir üt daz soltu machen,
wiltu zeren oder sparn,
350 wiltu mögen oder vam,
sitzest du ab und wilt erbeiszen:
bitet er diu ungeheiszen,
daz er alles wartet din,
des geverte soltu sin.
355 sich, der ist ein getrüwer man,
an den mäht du dich wol gelan.
lieber suon, des bit ich dich'.
,Gerne, herre, daz tuen ich*,
do wart ir scheiden nttwe.
360 der herr erzougte im trüwe,
sin herze wart im also grosz,
345. Goedekes form saltu steht nicht in der hs. A. — 346. Es C.
347. Die verse folgen in A: 358, 357, 347—356. Die form der anapher
mit ,wiltu* Minnekloster 334 ff., 195 ff.
348. bristet A. öebrist dir ützit C. ,gebri8t üch üt* R. Parz. 233, 10.
350. Du wellest rüwen oder faren Solt dich vor bSsen leüten
bewaren C.
351. dann nider, anbeissen C. — 352. Der dein dann beit C.
353, 354 in C so umgestellt: Desselben geverte saltu sein Der
do hat gewartet dein. — 355. getruwe A. — 356. wol lan C.
357, 358 auch umgestellt in C. 357. Mein liebes kind G. Eonrads
Sant Nicolaus 125 ,und des bite ich, herre, dich^ R. Parz. 663, 20 ,dez bitte
ich dich*. Boner 48, 100; 95, 53; Königstochter 6496 ,sun, ich wiU bitten
dich*. 358 = Gottfrieds Trist. 14494. Rudolf von Ems Gerhard 906, 3821.
Wolff zur Birne 363. Jäckel s. 83. Noch bei Hans von Btthel, Königstochter
443 wirkt die höfische formel nach, die sich dann bald verliert, herre fehlt A.
359. war bescheiden A. wider new C. — 360. sein trew C.
361. Wann jm ward sein hSrtz gar gross C. DWB IV 2, 1212f.
verzeichnet zuerst diesen gebrauch von ,gr6z*, übersieht aber die älteren bei-
spiele: Tristan 12220 ,sö wirt min herze sä zestunt grcezer danne [hs.] set-
munt* [,setinunt*, ,Septimunt* Groote, Massmann, Simrock. ,sphere munt'? Bech-
stein, ,senstemunt* Golther]. 9101 ,dem begunden die gedanke sin üf swellen harte
gröze*? und die Kistener vorschwebende stelle Konrads Parton. 9137 ,sin herze . . .
wart von jämer also gröz, daz im üz sinen ougen flöz vil manic traben bitter*.
Dazu Pyramus und Thisbe (ZfdA 6, 509) 165 .doch wären ir gedanke gröz*.
81
daz er von weinen sich begosz.
der suon den vater tröste:
,ei herre, waz begoste?
365 du solt mir tuen als ich dir,
nu scheide dich euch vro von mir.
diz ensol nüt anders sin.
got gesegene dich, ich var dahin*.
Vier wuchen vuor er uf der vart, [bi. 67.]
370 daz niemen sin geverte wart.
irre vuor er unde ging,
des trurete ie der jungeling,
sante Jacop rief er an
,erh(£r und wis mich armen man!
376 ich weiz nüt, war ich keren sol,
darumbe ich groszen kumber doP.
vor leide weinte er inneclich
der zarte jüngling minneclich:
eilende im under ougen sluog.
Daraus geht hervor, dass die verbindnng nicht auf den ausdruck des kummers
zu beschränken ist. Shakespeare, Coriolan 5, 5 g. e. Jolande 4Ö46 ist die
Verbindung eine andere: ,dat was so gröz der müder^
362. weinende A. Das er sein wangen mit weinen C.
363. trost : begost A C. — 364. Ach lieber herr C.
366. dich ouch fehlt A. Ach lieber herr scheid von mir C. Eon-
rads Schwanritter 1223 ,wellent ir mit zome scheiden iuch von mir^
367. Wann es mag nit C.
368. Trist. 787, 2780. Parton. 2960. — 369. reit C.
371. Er reit dick jrr vnd auch ging C. — 372. das A. trauretder
edelC. — 373. bat er an A. rüfft. ernstlich C.
374. Nu weiss ich leider noch enkan A. Stauf. 1041. Jäckel s. 35.
375. war ich sol oder keren mich A. Der vers ist buchstäblich
Boner 12, 5 entlehnt und kehrt dann bei Hans von Bühel in der Königs-
tochter 4353 wieder.
376. Fehlt A. Engelhard 5666 ,daz ich hie smsehen kumber doP.
377. Von A. Er weint von C.
378. fehlt A. Stauf. 1090 ,do weint die maget minnenclich^ Zum epi-
theton Jäckel s. 52 f.
379. Zur Verdeutlichung gebraucht C mehr werte: Wond yndas eilend
sein Das jm bracht worlich grosse pein Vnd fast vnder die äugen
Salin ii:, Eistener. 6
82
380 Uf der stat kam sin gevuog
ein man getrüwe unde guot.
schiere erhebet wart sin muot,
daz sant Jacop daz yuogte,
des lachte der vil guote.
385 sin herze wart von gründe vro,
vor vröuden weinte er aber do:
,got hat unvergessen min.
ei wiltu min guoter bruoder sin?'
ginr gedahte wie er daz meinte,
390 do sach er daz er weinte.
er grüeste in: ,habe guoten muot',
als ein getruwez herze tuot.
des herren suon vragete in
,wa verstu her, wa wiltu hin?'
schlag. Der schöne ausdruck ist von Eaisersberg, Hans Sachs (DWB I 792)
nnd Ayrer nachgeahmt. DWB III 408 f. Dass er so allgemein gewesen, wie
J. Grimm annahm, ist bei seiner eigenart und dem mangel an Zeugnissen un-
wahrscheinlich. Auch hier knüpfte vielmehr Eistener an Eonrad an, der
Part. 17385 sagt ,diu minne ir ingesigel streich der klären under ougen^
Troj. 14812 ,ir zweiger hande schine diu minne im under ougen streicht
380. Dar nach fand er sein füg C.
382. Darumb so ward er wol gemüt C. über erhebet spricht
Jänicke zu Stauf. 669.
383. Jocop der gute dass A. Als es sant Jacob fügt C.
384. Do ward lachen C. Engelhard 5668. — 386. Er weinet aber C.
387. het vergessen A. Sprach got C. Tristan 9455, ,got ... du
hast min unvergezzen^ Meier zu Jolande 489.
388. min fehlt A. WöltestduC. David von Augsburg bittet , Mystiker
I 31' Christus, ,nnser lieber wallbruoder in disem eilende' zu sein. Trist. 10506.
Hans von Bühel 4707 ,wilt du min lieber sune sin*.
389. gemein A. Der bröder gedacht C. Hans von Bühel, Eönigs-
tochter 6450 ff. ,zuo stund er sach und vernam, das sie alle da weineten. er
fragt sie, wie sie das meineten'.
391. ErsprachhabC. ,hant eht nuwan guoten muot' R. Parz. 297, 41.
392. getruwe A. Vnd trost jn als eintrewC. Vgl. zu 414. Solche
kurze nebensätze mit suln sind Gottfrieds manier, was natürlich nicht aus-
schliesst, dass auch andere sie nicht selten gebrauchen. Strassburger Studien
1,73 ff. Eistener 414, 595. Wolff zur Birne 363. Jäckels.28. Noch bei Hans von
Bühel, Eönigstochter 443 wirkt die formel nach. Unmittelbare nachahmnng liegt
bei Hans von Bühel in der Eönigstochter 6364 vor: ,als die getrüwen hertzen
thuont'. Älteres Meyer, Altgerm, poesie 377 ff. — 394. oder wo wilt C.
83
395 do Seite ime balde er
,ich kam von Lamparten her
und wil gen Gumpostelle'.
,e beit und rit getelle,
ich were gerne euch dahin, [bl. 67 a.]
400 und la mich din geverte sin**
einer vragt den andern mer,
wannan er des landes wer.
des herren suon seite daz,
wie er uzer Peigern was.
405 giner sprach ,ich wil dich lieb han,
so bistu min landesman:
ich bin ein Swap uz Heigerloch,
da hau ich vater und muoter noch'.
die zwene trugent überein
410 ir bruoderschaft wart gemein.
Sfi giengent unde ritten
gemeinliche mit sitten.
einer pflag des andern wol,
395. er jr (!) bald die mSr C. — 396. Er sprach A C.
397. Vnd han müt gon C. gon anch A.
398. Lieber so beit vnd reit nit schnell C.
399. auchgernC. — 400. Vnd fehlt C. Jetzt folgen in A 409, 410.
401. frogete, nicht fragte (Goedeke) A. Sie fragten einander
der C. mere:wereA. — 402. der jtingling landts C.
403. Der jnng her seit dem brüder C.
404. Das er C. vs A. payerland C.
405. Er sprach, dich yyl gern C. Über ,liep haben^ Hanpt za Engel-
hard 1217. — Wann du bist C.
407. Hegerloch A Heierloch C. Wie man es fertig bringen kann,
trotz dieses verses, Heigerloh nach Bayern zu versetzen, möge im Alt-
bayerischen sagenschatz zur bereicherung der indogermanischen mythologie
s. 557f. nachlesen, wer s. 660 ff. in den beiden Jakobsbrüdern zugleich die
stemprlnzen, die reiterzwillinge. Bei und Polel, morgen- und abendstem, Idas
und Lynkens, die beiden Aspin, Baldr und Hermodr, Hassan und Hussein
u. s. w. u. s. w. wiederzufinden vergnügen haben sollte.
409. kamen C. — 410. Das jr C. — 411. vnd auch C.
412. mit guten C. ,mit sitten' Boner 62, 4. Hans von Bühel, Königs-
tochter 82, 6174. — 413. plag A. Wemhold, Al.gr. s. 117.
6*
84
als ein vrfint des andern sol,
415 vier wachen oder me:
do wart des herren suone we
in der herberge, da er lag.
Der bruoder sin mit trüwen pflag,
er gab im trost unde muot:
420 jlieber herre, spar kein guot;
swaz dich last, daz la dir geben,
vrist du dir din jungez leben'.
Er sprach ,got Ion dir dinen gruosz,
ich weiz wol daz ich sterben muosz.
425 nu sage ich dir min heling ganz:
ich bin ein graf von rehter schanz, [bl. 68.]
min vater ist ein groszer her.
wiltu haben guot und er,
sage mime hern gen Peigern daz,
430 wie ich hie din geverte was:
swaz ich habe, daz ist din:
und tuo daz, lieber bruoder min*.
Er gelobte ez im der.
er sprach ,din we ist mir swer,
435 das wissest vür die warheit.
414. guter fründ C. dem A C. Peter von Staufenberg, der diesen
vers buchstäblich bot, des (339); die lesart der hs. A ist buchstäblich gleich
Erec 3908 und Hans von Bühel, Diocletian 3340. Vgl. zu 392. — 415. Boner
48, 191 ,achtzehen wuchen oder meS
416. dem jungen herren C. — 419. vnd guten C.
420. junger herr A. sparen C.
421. Gebrist euch ützit das wil ich C.
422. Vnd euch fristen üwer leben C. — 423. deiner trew gross C.
424. ,s6 weiz ich also rehte wol als daz ich ersterben sol^ Engelhard 5721.
425. heiig A. Weinhold, AI. gr. s. 169. hälung C. Lieblingswort
Gottfrieds in den späteren partieen des Tristan. Eonrads Troj 4946, 15756.
427. groff vnd herr C. here : ere A. — 428. beholen C.
429. jm heim C. payer landt C. — 430—432 fehlen C.
433. jm es by der band C.
434. dein gebräst der jst mir leit C. Hans von Bühel, Königs-
tochter 1307 ,doch ist dise fart mir gar schwer'.
435. Das sag ich dir für die G.
85
sist mir in ganzen trfiwen leit'.
E sin leben schiet dahin,
er sprach ,lieber bruoder min,
bit got und sante Jacop,
440 daz im min sterben si ein lop.
daz ich stirb so ellendeclich,
ach got, daz laz erbarmen dich,
daz ich so gar eilende bin:
owe, vater und muoter min,
446 die mich zugent liep und zart:
nu stirb ich eilende uf dirre vart.
eins dinges wil ich bitten dich:
bruoder, des gewere mich:
stirbe ich, vtier mich tot dahin,
450 da ich der verte lidig bin'.
,Ja, ich gib dir die trüwe min,
ich wil dich vüern mit mir dahin,
du sigest lebende oder tot,
mich irre denne grosze not'.
455 Zehant er starp uf mitten tag. [bl. 68 a.]
der bruoder einen ledersag
436, fehlt C. es ist A. Der R. Parz. hat für ,sist' auch die Schreibung
,est* 261, 11. Haupt zu Engelhard 3786.
437. Ee das. schied von jm C. — 438. Da sprach er C.
439 bis 450 fehlen C.
441. stirb fehlt A. Stauf. 1088. Diocletian 4685.
448 f. Stauf. 439 f. ,min frünt, des wil ich bitten dich, ach herzeliep, ge-
were mich*.
450. Ich habe mit A lidig, nicht ledig geschrieben, weil die elsässische
form so bei Boner (35, 50), im R. Parz. (571, 11), bei Nicolaus von Strassburg
(Mystiker I 277, 36), Rulman Merswin s. 105 u. ö. in Urkunden und Chroniken
vorkommt. Haendcke s. 10. Bei Konrad las ich sie Troj. 22353 [48945].
451. Er sprach jo min truwe gib ich dir A. Ich verheysse dir
by der trewe mein C. — 452 fehlt A.
453. Stauf. 1127 ,so bin ich lebend unde tot*. Hans von Bühel, Königs-
tochter 3496 ,ob ir sint lebende oder tot*. 262 ,wan ich tod oder lebend bin*.
4583 ,ist er lebende oder tot*.
454. meines lybes not C. R. Parz. 775, 21 ,in irrete danne geveng-
nisze not*. — 455. den mittentag A. . mitten fehlt C.
456. Sein brüder das gar hert wag C.
86
ime gehe machen hiesz,
darin er den toten stiesz.
er vuorte unde truog in
460 gewilleclich mit vuoge hin
ze liebe gotte und nüt ze leide
zwölf grosze tageweide.
und swa er in die herberg kam,
den toten ie er mit im nam:
465 wan er die rehten mal asz,
des toten er nüt vergasz,
er satte im die spise der.
in trüwen also lebete er.
er gap sü durch die sele sin,
470 daz im got hülfe uzer pin.
und des nahtes an der rast,
do nam er den toten gast
und leitn an ein schoen bette,
reht als er gelebet hette.
475 er truog in spat unde vruo
von dem pferde und darzuo
457. Einen leder sack er machen hiessC. Wie Thetis Troj. 13990 ff.
In der legende (Acta SS. 6, 49Cff. Patrologia 163, 1370. Legenda aurea
cap. 96) nimmt der h. Jakob den treuen gefährten samt dem toten hinter sich
aufs pferd. — 458. Geh&b das er yu dar jn stiess C.
459. Er trüg vnd ffirt yn mit jm do hin C. trüge A.
460. Vnd wolt ju nit lassen hinder jm C. ,mit vuoge* Engel-
hard 2711. — 461, 462 fehlen C. 461. Engelhard 2271, 3904, 6B63.
462. grosze fehlt A. — 463, 464 fehlen A.
464. allzyt C. er fehlt C. — 465. Wie wol er C.
466. todten mans C. — 467. sein spyss C. dar A C.
468. Recht als oh er labte nemendt war C.
469. Vnd gab sie durch got vmb C. — 470. jr C.
471. und fehlt A. Ich habe und hinzugefügt und vers 472 do für so
geschrieben, weil es bei Haus von Bühel in der Königstochter 3276 heisst:
,und da ich schlaffen solt des nachtes, da kam ein kamerer on vil
brachtest
472. so A C. er auch den C. — 473. zu jm an das bet C.
474. Über ,reht als* Wolff zur Birne 167. Jäckel s. 29. Kistener 644.
475. Des morgens do er auff stund frü C.
476. So trug er jn dem pferd wider zu C.
87
gnedeclich den toten man,
unz daz er gen Gnmpostelle kam.
Do was er leidig und euch vro.
480 er vragte zuo der kirchen do.
und do er vür die kirchen kam,
er band ab dem pfert den toten man
und lonte eime knaben,
die pfert hiesz er den haben.
485 er nam uf sich den toten man
und truog in altersein hindan:
,0 vürste sant Jacop,
la dir min erbeit sin ein lop,
die ich mit dem toten habe.
490 la uns unser Sünden abe'.
mit vröuden er vür den altar kam. [bl. 69.]
er opferte den toten man
und einen güldin pfenning:
,swaz ich Sünden ie beging,
496 da vür bit ich herre dich,
vür den toten und vür mich*.
uf sinen knüwen er do rief
got an süfzende tief.
477. Gar tugentlich C. — 778. Gumpestelle A.
479 bis 482 fehlen in A, weil der Schreiber von kam (478) zu man (482)
übersprang. S. einleitung s. 34. 479. R. Parz. 107, 46 ,sü worent leidig nnd
ouch fro*.
484. den fehlt A. Der jme die pfSrd solt haben 0.
486. zu der kilch C. — 487. Er sprach se hin sant C.
488. Vnd lass dir sein mein arbeit ein lob 0.
489. mit disem C. — 490. Vnd nim vnss vnser C. sünde A C.
491. Vnd do er C.
492. Knüwen er vor sant Jacob began C.
493. Er opffertjm ein C. Nach Stauf. 524 schiebt h ein ,und opffert
einen gnlden mit andacht uff den altar hin'. — 494. Er sprach 0.
495. Das bitt jch lieber C. 495, 496 umgesteUt in C.
496. Hab das C. vnd öuch A. Einleitung s. 25.
497. Er knüwet ernstlich vnd C.
498. mit seüfftzen C. Stauf. 751 f. ,von himel got er ane rief uz
gründe sines herzen tief^ Eist. 936. Jäckel s. 24.
88
er lag nider in crüzewis:
500 ,i^h mane dich mit ganzem vlisz,
sant Jacop an din minne
die du ze got ie gewänne,
gedenke an die trüwe grosz,
teile uns mit den abelosz'.
505 Als er so in der andaht lag:
do trittet giner an den sag,
daz er von einander schrant.
der bruoder wüste uf zehant
den sag er ime sloufte abe:
510 ,wie unsanfte ich geslaflfen habe!
wie hastu verbunden mich!
lieber bruoder, wa bin ich?'
Do er zuo im selber kam,
die glocken giengent selber an
515 und lutent da selber sich,
do kam geloufen mengelich
499, fehlt C. in fehlt A. Troj. 33103.
500. gantzenA. Sant Jacob jch ermanä dich der lieb on spot C.
501 und 502. Die du gewannest je zä got C. Parton. 9790 ,durch
die vil staeten minne, die du zuo dime kinde treist^
504. deile mit vns A. dein C.
505. Also : so (506) A. Vnd als er yn der andacht was C. so fehlt A.
506. So begund sich jn dem sack r&ren das C. Tempnswechsel
wie 1067. — 507. sich der sack zertrant C. — 508. bruoder fehlt A.
509. Vnd zog jm den wotsack ab C.
510. Er sprach jch geschloffen hab C. Zu diesem ausruf des vom
tode erweckten; R. Köhler, Kleinere Schriften 1555 f.
511. 512 umgestellt in C.
512. Das sag mir das bit jch dich C.
513. Vnd ee das er C. ,do sü zuo ir selber kam' R. Parz. 675, 30;
203, 44; 204, 16. So lautete der mundartliche ausdruck. Gottfried schrieb
so im Tristan 1447, 1449. Merswin, Neun felsen s. 18, 124, 142 ö. Immer
,fon imme selber' und ,in imme selber'. Ebenso heisst es immer bei Hans
von Bühel, Königstochter 2050, wo ,selbs' natürlich in ,selber' aufzulösen war,
2069, 4315, 7763. Weinhold, Mhd.gr. §499: also nicht selben, wie Jänicke
und Schröder im Peter von Staufenberg 888 gegen die Überlieferung schreiben.
514. giengen alle an G. Zeitschr. f. Volksk. 8, 30 f.
516. arm vnd rieh C.
89
und woltent stt vragen mer,
waz zeichen da geschehen wer.
sü fundent in der kirchen stan
520 deheinen den die zwene man.
do wolt sü vragen mengelich : [bl. 69 a.]
,wir merkent leider wenig üch'.
^ ein Dütscher würt drang zuo in der,
der ein seit im die rehte mer,
525 daz er was tot vor zwölf tagen:
,ich han in gevüeret und getragen,
daz ich in brahte tot her.
nu ist worden lebende er.
wellent ir nüt glouben daz,
530 wa er tot und lebende was,
schickent üwer botten der,
man seit üch die rehte mer'.
Do ervuorent sü die warheit,
daz ez was, alse ich han geseit.
535 balde die pfaffen und die heren
die zwen brüeder huobent zeren
hin uf den altar ze lobe
517. erfaren die C. 517 und 518 sind fast wörtlich = Alexius A 507,
508 ,nnt fragten maere, was Zeichens geschehen waere*. Berger zu Grendel
1762. Die ganze episode erinnert an den Alexius.
520. keinen menschen A. Niemandt dann zwen einig man C.
521. Man wolt sie fragen zä stundt C.
522. Wir haben hier geschmacklose nachahmung der lebhaften wechsel-
rede im höfischen epos vor uns, vgl. 1118, 1138.
522. Do was yn vmb jr sprach nit kundt C.
523. trang A. man gieng dar 0.
524. Der brüder nam sein eben war C.
525. C schiebt ein: Er sprach dyser hoch erboren man Den jr
hie sehent stan Der ist gewesen todt vor XIIII tagen.
526. Han in har geffirt C.
527. Biss das jch jn han bracht h&r C. — 528. leben er A.
529. Vnd wend C. — 531. So C. eweren . dar C.
532. So wirt es euch thon offenbar C
533. Do nam die pfaffheit Nach dem als die geschrifft seit
Vnd auch die korherren Erhüben die zwen bruder zu eren G.
534. do was es A. — 537. in A. hin fehlt G. durch ein lob G.
90
got unde sant Jacobe.
die zeichen tet men schriben.
540 die brüeder hiesz men bliben.
do blibent sü den manot,
zucht und ere man in bot.
do wart in besigelt daz,
daz zeichen wiez geschehen was.
545 die brieve sü enpfiengent.
In die kirches aber giengent
ze gotte nament sü urlop:
,e herre sante Jacop,
din geleite gip uns zwein,
550 hilf uns gesunt wider hein'.
die brüeder wurdent des gewert. [bl. 70.]
sü hin, sü sazent uf ir pfert:
,sist zit, wir sölnt uns scheiden.
wir haut verr tageweiden^
555 Do huobent sü sich uf den weg
über brück und über steg,
538. Got ynd dem lieben herren sant Jacob C.
539, 540 umgestellt in C. 539. grossen . auf f schreiben C. 540. Man
hiess die br . do C. — 541. Sie beliben do zwen tag G.
542. Schon essen vnd trinken man jnen gab C. ,ii^ bieten zuht
und gre* Engelhard 743 u. o. — 543. Also ward versigelt C.
544. Was grossen zeichen do C. Hans von Bühel, Diocletian 9045
,als das zeichen geschehen was'. Von diesen schriftlichen certifikaten, den
compostelas, erhielt San Jago seinen beinamen. G. Liebe, Die wallfahrten des
mittelalters und ihr einfluss auf die kultur. Neue Jahrbücher von Ilberg und
Richter 1898 I s. 154. Fromm -unsinnige Volksetymologien bieten Gams, Die
kirchengeschichte von Spanien II 2, 369 und Sepp, Altbayerischer sagen-
schatz s. 667.
545. Des namen die br&der ein brieff zu yn 0.
546. Vnd giengen wider zu der kirchen hyn C.
547. Von got . sie do C. — 548. Vnd hatten den lieben herren C.
549, 550 so umgestellt in C: Das er yn hülff mit lieb wider heim.
Gib glück vnd gesuntheit vns zwein. — 552. Sie sassent frSlich C.
553. ist nun C. uns fehlt C.
554. gar ferro C. Hans von Bühel, Diocletian 8193 ,du hast so vil
tagweide^ — 555. Zum ausdruck Wolff zur Birne 183.
555 : 556 und 557 : 558 umgestellt in C.
556. manche brück vnd st&g C.
91
als man gan und riten muosz.
lihte was in der vuosz.
des herren suon sprach ,trüwe
560 sol dir iemer wesen nüwe,
die du mir getan best.
die wile ich lebe, ich tuo dir sbest.
ich wil nüt vergessen din.
min erbe sol din halbez sin'.
565 des weges lang vil wol in zwein,
sant Jacop half in wider hein.
Stt kament hin in Peigemlant.
der Swap die warheit do bevant:
schoBne bürge und stette er da sach.
570 des herren suon zuozime sprach:
jdarüber rauostu pfleger sin,
daz hilf ich mit dem yater min'.
SU kament heim uf mittentag.
der grave an der zinnen lag.
575 als verre er sti kumen sach,
der vrouwen rief er unde sprach
,got uns zeuget liebe mer:
unser suon vert dort her'.
jLieber herre, kumt er do,
Ö57. Die wir reiten vnd gon mfissen C.
558. Gar liecht wurden yn die fusse C.
559. mein trew C. — 560. nümmer me C.
561. Die trew die C.
562. Daramb thün ich dir C. Troj. 183 ,die wile ich lebe^ ,daz er
mir tnot daz beste' Engelhard 5646. Eistener 674.
563. uiemer C. — 564. gut sol halbs dein eigen C. halber A.
565. vil fehlt C. den zwein C. Boner 77, 14 ,des weges gelang im
deste baz^ Hans von Bühel gebraucht ,lingen' absolut : Königstochter 3532.
Diocletian 3764, 8427. QF 54, 68.
568. do man A. do fehlt A. der warheit . empfand C.
569. und fehlt A. 569 bis 572 fehlen C.
572. hilf dir mit A. Hans von Bühel, Diocletian 7600 ,was ich ver-
mag, das hilff ich dir*. — 574. herr an einer C. — 575. So ferr als er C.
576. Seiner G. — 577. hat unss erzeiget C.
578. Sich . der vert C. — 579. Sie sprach . jst es also C.
92
580 so wart ich werlich nie so vro.
mir ist getroumet lange swer [bi. 70a.j
also wie er tot wer^
,Nu luoge, wie er her vert!'
so siht sü, wa er kumet dort.
585 uf hin allez daz da was
gemein daz din der bürge saz,
stt rittent unde liefent
wilkum sü in riefent:
jjuncher unde pilgerin,
590 willkum sülnt ir gotte sin!'
Sü sazent ab und giengent.
mit vröuden süs enpfiengent:
,bis wilkum, liebez kint,
und die mit dir kumen sint!'
595 er dankte, als man vründen tuot,
der vrouwen vil wolgemuot.
ginr zoch in her, der ander hin,
sü vielent gar alle an in.
sines kuraends warnt sü vro.
600 Sin bruoder stuont alleine do.
580. bin jch von gantzem h&rtzen fro C.
581. ist lange getroumet A.
581, 582 fehlen C. Zu ,also wie* bringt das DWB 1, 249 nur neue, das
MbdWb. 3, 673a gar keine beispiele. — 583. Kum lug C.
584. Vnd sich C.
585 bis 587. Bald was vff was yn der bürg was Bittent vnd
lüffent alle das C. — 588. hiessent A.
589. Sind got wilkomm junger bilgerein C.
590. Got vnd marien der muter sein C.
591 bis 594 fehlen C. 593 f. guter Gerhard 2855 ,min vil liebez kint,
und ouch alle die bi uns sint*. — 595. yn C.
596. die frouwe A. Sie waren alle wol gemüt C.
597. Eir zoch yn hin der ander här C. Die ausdrucksweise ist bei
Konrad besonders beliebt: Parton. 1724, 5506, 5906, 11548, 15442, 18310,
21346. Turnei 769. Engelhard 2854, 3214. Troj 564, 8800, 9880, 12740,
14246, 14233, 16428, 34496, 36263, 39634, [43082, 45317]. Vgl. Kistener 394.
598. fielen an yn mit grosser bgSr C.
599. was menglich fro C.
93
des herren suon uz zorne sprach,
do er den bruoder eine sach
,dazt unverwissenlich getan!
wie lant ir den so eine stan?
605 het ich braht ein heiden her,
er solt üch sin lieb unde mer!'
daz nam der bruoder in den sin.
er kerte umbe sich von in
und weinte troufende durch daz,
610 daz ouge und wangen wurdent naz:
,sante Jacop, herre min, [bl. 71.]
sol min trüwe vloren sin,
got, daz laz erbarmen dich.
ez machet joch verzwiveln mich'.
615 Vrouwe und herre balde der:
601ff. sun sprach sehent wie Stadt Der mir so gross trew er-
zeiget hat Vnd von dem todt hat ernert mich Er jsteüch biliich
lieber dann jch Lond jr den einig ston Das dnnckt mich nit wol
getan C. tJber sprach im reime bei Eonrad: Wolff zur Birne 322.
607. sein sin C.
608. Vnd kart sich trauriglich von yn C. sich vmb A.
609. tröffe das A. Weint das jm sein wangen wurden nass
Sprach herr sant jacob hilff das C. Die Verderbnis tröffe wurde durch
den grammatisch möglichen ausfall des d (trouffeue) begünstigt. Wein-
hold, Mbd. gr. § 373. Zum bilde vgl. Diocletian 6402 ,sin ougen tru£fen als
ein lach'. , durch* war nach R. Parz. 676, 7 herzustellen; vgl. 141, 16; 313,
46; 540, 35. Mhd. wb. 1, 405. Noch in einer 1720 zu Strassburg erschienenen
anekdotensammlung kommt ,durch diss' für ,um dessent willen* vor. Strass-
burger Studien 3, 139. — 610. ougen A.
611 bis 614. Mir doch bass gelonet werd Meiner arbeit vff
dyser erd C.
612. Den zu individueller behandlung mahnenden bemerkungen Pauls
(Grundriss II 1, 929) und Vetters (Einleitung zum Heiligen Georg des Beinbot
von Dume s. CLff.) gegenüber verzeichne ich hier zu vloren ausnahmsweise
einmal Städtechroniken 9, 939, 27 velüre, was der herausgeber im StUB 5,
40; 36 wahrscheinlich geändert hat, indem ich hinzufüge, dass, wenn nicht
das gegenteil bemerkt ist, alle übrigen fälle von synkope, apokope u. s. f. bei
Kistener teils in der Volkssprache, teils auch in Urkunden und älteren dich-
tungen nachzuweisen sind. — 614. joch fehlt A.
615. Der herr vnd fraw bald hin giengen Den brüder sie gar
wol empfiengen C. Zu ,balde der* vgl. Merswin, Neun felsen s. 53, 18. ,nä
der* 8. 124. ,nu wol her* einleitung s. 20, 51.
94
jbruoder, la dir nfit sin swer,
daz wir hant vergessen din.
wir bitten üch, daz irz lant sin^
,daz mugent ir wol jehen'
620 sprach der saon jii* bant gesehen
deheinen man bi üwern tagen
noch gehört von keime sagen
der groezer trttwe ie getet,
wen er mir getan het.
625 daz süUent ir mir jehen,
die brieve sülnt ir sehen'.
Zehant man die brieve las,
da sahent sü geschriben daz.
sü sprachent ,dazt daz groeste ding,
630 daz mannes lip ie beging,
daz er dich truog und vüerte tot
unbetwungenlichen ane not
zwölf tage unde naht,
wie erzttgete er die mäht!
635 ez was ze vil: nüt genuog,
daz er dich in die kirchen truog,
und des nüt gedehte.
616. Lieber brüder nun lass dir nit schw&r sein C.
617. hatten C.
618. Der jttngling do sprach Aus seins h&rtzen ungemach C.
619. Liedersaal 38, 66: ,8ie sprach das mügent jr wol jechn'.
621. Von keynem C. man fehlt A C.
622. Noch nie band gehört sagen C.
623. Der grSsser trew je gethet C. — 624. an mir C.
625. müssen C. mir fehlt A. jemer jehen C.
626. Wann jr dysenbrieff band gesehen C. — 627. denbrieffC.
628 funden C. Hinter 628 schiebt C ein: Der jttngling tod wer
gesin Das thet jnen der besigelt brieff schein C.
629. do sprochent sü A. — 631. jn fftrt vnd trüg also C.
632. unbezwungelichen A. Silv. 2315. Schwanritter 475. vnd ane C.
634 bis 636 fehlt C. Die prosaische wendung ,nüt genuog' 635 wird durch
jkurz geret* R. Parz. 787, 2 noch übertroffen. Vgl. aber auch Tristan 11913.
Parton. 14828. Noch peinlicher wird die manier des redseligen Hans von Bühel
(Strassburger Studien III 316 f.).
637. gedohte A. Vnd nit gedacht man fraget jn Was er do
95
men vragete in, waz er brehte.
die trüwe er hat an im getan,
640 des hat uns got genieszen lan,
daz er lebende wider wart : [bl. 71 a.]
dhein man getet nie swerer vart*.
Do nament sü in vrüntlich her,
reht als er ein heiige wer:
645 ,der tröwen weint wir danken dir.
swaz du begerest, daz tuen wir.
du bist von art ein trüwer man,
lüte unde lant sol an dir stan^
Sehen t, do wart er wolgemuot.
650 er daht ,der dir daz halbe tuet,
du würst guotes rieh zehant'.
Do wart er pfleger über daz lant.
zehant tet man unde liesz,
swaz er wolte unde hiesz.
655 Ein jar er lenger pfleger was,
er tet so rehte alle daz,
daz man von siner vrümekeit
groz ere und tugent von im seit,
vür die herschaft er do gieng,
brächt er kern in pein C. Der vers 637 ist in syntaktische abhängigkeit
von daz (636) getreten, während er logisch hauptsatz ist.
639. hette getan A. 639, 640 umgestellt in C: Das sollen wir jn
geniessen lan Die grosse trew die er hat getan.
641 bis 644 fehlen C. Troj 35 ,dar üz er lebende wider wirt*.
645. Nun wellen wir es dancken dir C. — 646. das selb G,
647. getruwer A. 647, 648 fehlen in C.
649. Sehent fehlt C. wider ,seht da' Tristan 6024. Eonrads
nianier: Troj. 19113 ,seht, dö wart er er ungenleit^ Roth zum Schwanritter 2
u. ö. Vgl. Kistener 355. — 650. gedohte A. diss halber C.
651. So wirst du gftts reich genäg C.
652. Das wer dir gut ynd auch dein füg C.
653. tet er A. In dem hoff man thet C. — 654. oder C.
655. 656 fehlen in 0, dafür: Er hielt sich so das jedermann seit.
656. alle fehlt A und ist nach Boner 62, 6 ergänzt.
657. Von seiner tugent vnd fromkeit C. — 658 fehlt C.
659 sein C. Guter Gerhard 4896 ,far min h^rschaft ich do gie'.
96
660 sine rede men rehte wol enpfieng:
jVrouwe und herre' bat er
,ich han muoter und vater.
gunnet mir, daz ich var hein.
mir ist geseit von in zwein,
665 wie sü gerne sehent mich.
ez ist zwenzig jar, daz ich
von in gen Lamparten reit.
nu hat ein botte mir geseit,
sü sint guotes worden arm.
670 ich sol zuo in heim varn*.
Der her in güetlich vrogte : [bl. 72.]
jSeistu daz erst ingnote,
daz du noch vater und muoter best?
nim guotes gnuog und tuo daz best,
675 daz du her wider kumest schier.
du solt des gelouben mir,
wir mugent diu hie kume enbern'.
er sprach ,herre, ich tuon ez gern'.
der herre vragete in vürbaz,
680 wie des vaters name was.
660. menglich wol C. -— 661. Er sprach vyl lieber got (götte)
vnd herr C. Die stelle erinnert an Rudolfs guten Gerhard 6463 ,ich sprach
jherre und vrowe min, lät mit iwern hulden sin daz ich heim ze lande yar*.
662. Zu schweben hab jch C. vatter vnd müter A. muoter uud
vater, Vogt. — 663. Erlouben. zu jn C. — 666. by dressig jaren 0.
Parton. 13187 ,ez sint wol sehs und drizic jär, daz ich*. — 669. Wie sie
an gut syent arm C. — 670. Günnent mir zu jnen zu farn C.
671 lautet in C: Der graff sprach by dem reichen got Mit klugen
Worten ane spot Ja wiltu globen mir Das du wider kummest schier
Sprach der herr zu jm gedrat Wie seist du mir das so spat u. s.w.
672. ingnote (ignote 718) erinnern an Gottfrieds zahlreiche reime mit
genote (ie genote) 7719, 7850, 8255, 9577, 9929, 13154, 13296, 14492, 14623,
14634, 14929, 15085, 15281, 16525, 17361, 17561, 17810, 18376, 18973, 19016,
19i01, 19221. Seltener bei Konrad. — 673. noch fehlt A.
674. vndandzbestA. — 675, 676 habe ich umgestellt.
677. Trist. 5125 ,8wie küme ich din doch mtige enbern'. Engelhard 3397
,swie rehte küme ich din enber^
678 bis 688 fehlen in C. Dafür: Do für er heim gar wol gemfit
(vgl. Kistener 688) Vnd bracht seinem vatter michel gut.
97
er sprach ,her, ich wil lieh sagen,
er het gevarn in sinen tagen
mit hfibscheme gelimpfe
ze ernste und ze schimpfe.
685 er hiez her Hug wolgemuot
von Heigerloch, ein ritter guot*.
do gabent sü im groszez guot,
do vuor er heim wolgemuot.
Do er kam heim ze lande,
690 sinr vründe in keinr erkande.
ze Heigerloch vragete er,
wa sin vater und muoter wer.
do wart er gewiset hin
vür die stat ze einer wescherin.
695 also er vür daz hus kam,
die weschrin vragete den man,
waz er gerne hette.
do Seite er au der stette
,ez ist ein vrouwe dinne,
700 die solte sin min minne'.
die wescherin rief in daz hus [bl. 72 a.]
,her Huges vrouwe, gant her uzl'
sins vater nam er nüt vergaz,
er horte daz sin muoter was.
682. Zur Umschreibung des zeitbegriffes vgl. Jäckel s. 25.
683. Barlaam 6, 39 ,mit rehtem gelimphe ze erneste und ze schimphe^
Troj. 46519 ,ze ernest und ze schimpfe, mit froelichem gelimpfe'. R. Parz. 853, 2.
685. Goedeke irrte, wenn er s. 632 glaubte, Kistener könne wolgemuot
für den namen des vaters gehalten haben.
686. Zur Verbindung ,ein ritter guot* bei Konrad vgl. Wolff zur Birne
453. Jäckel s. 45 f.
689. jn seius vatters hauss vnd landt 0. Tristan 4181 ,sus kom
er her ze lande, wan er iuch gerne erkandeS
690. Do was er seinen fründen vnerkannt C. — 691. do froget C.
693. hin auss C. — 694. jn einer wescherin hauss C.
695. Vnd do er C. — 697. von jr het C. — 698. Er seit jr C.
699. Er sprach C. — 700. soll, rechte minn C. Einleitung s. 16.
701. rafft C. — 702. Liebe fraw nun C.
704. das es A. das sie C.
Ealing, Kistener. 7
98
705 her uz vür die tür sü gieng.
in einem hemdes in enpfieng.
,sint willekamen biderman,
weint ir an mich etwaz han?'
,ei muoter, daz si gotte leit,
710 sol daz sin din bestez kleit*.
do sü erhört, daz er ez was:
,owe, kint minz, bistu daz?
siest wilkum, liebe sele mini
ich het mich nim getroestet din^
715 von liebe und von leide •
do weintents alle beide.
er nach dem vater vrogte;
,wa ist er igenote?'
,er isset in der stat daz mol
720 bi herren, die in kennent wol.
ich wolte, daz er hie wer:
so kumet er dort her*.
Er vant sfi bi einander stan.
der suon in under darme nam:
705. Für die thür sein müter gieng C.
706. mit armen sü vmbying A.
707. 708 fehlen in C. — 708. an fehlt A. — 709. Er sprach müter C.
711. hört, do was C. Königstochter 6007 ,als bald er sach das sie es
was*. — 712. Sie sprach kindt C. — 713. Biss mir w. sun mein C.
714. hette nim A. hat mich gentziich verwegen dein C. nim
Lexer im BWB 7, 845 f. Weinhold, AI. gr. s. 300. V^örterbuch der Strass-
burger mundart aus dem nachlasse von Ch. Schmidt. Strassburg 1896. s. 78.
Derselbe ansdrnck bei Hans von Bühel, Diocletian 822 ,ob ich mich sSlle
trSsten din'.
715. vnd auch C. = guter Gerhard 4466 (1974). Ähnliche reimpaare sind
bei Gottfried und Konrad nicht selten, am nächsten steht Eudolfs guter
Gerhard 1973 f. (4465 f.). Engelhard 1764. Parton. 10502, 16359. — 716.
so AC. do alle C.
717. Do wart er nach seinem vatter frogen C.
718. Der yn so lieplich hat erzogen C. — 719. Sie sprach C.
720. den herren C. — 721. Er sprach C.
722. Do sprach die mftter so kumpt er C. — 723. bayde by C.
724. Die müter den sun ynder jr arm nam C. Die vorlehnung der
artikelform bezeugt auch für die mundart dieser zeit der E. Parz. 108, 38
99
725 ,e vater, dine vrfimekeit
ist vergessen, wie man seit'.
,lieber suon, wa kumst du her?
ich wüste ntit, daz du ez wer'.
Do woltents ime klagen.
730 der suon sprach ,lant mich sagen:
ir suUent wol gehaben tich. [bl. 73.]
ich wil üch wider machen rieh'.
Dinne er ein jar was.
über in verhieng got daz,
735 daz er sin reinekeit verlor,
malotz wart er in dem jor.
innecliche klagete er
, Waffen, got, der leiden mer,
so ez min herschaft bevint!'
740 die muoter sprach ,liebez kint,
ez enmag nüt anders sin.
,dandere^ Die heutige Strassburger mundart gebraucht diese formen auch vor
Isonsonanten. Schmidt, Wörterbuch s. 2
725. Er sprach vatter deiner wirdigkeit 0.
726. die man A C. vor von dir C. — 727. Er sprach C.
728. Mir was vergessen das C. — 729. wolt eins dem andern C.
730. jch will euch s. C.
731. eüchwolgehabenich mag eüwer armät nit me vertragen C.
732. machen wider 0. Dann fährt C fort: Darumb hab jch ge-
arbeit meich In franckreich vnd wo jch was Vnd das jch alle
zeit ewer not entsass. Einleitung s. 5 f. Kisteners vers 782 schwebt
Hans von Bühel vor, wenn er in der Königstochter 785 sagt, ,ich wil üch
beide machen rieh*. — 733. DoinneA. DoheimerbyynC.
734. Gut vber yn verbeuget das C.
736. Ausssetzig C. Schmidt, Wörterbuch s. 72b. Goedeke s. 634, 7.
In Schilderungen folgt Eistener Konrad von Würzburg nicht, hier sehr zu
seinem vorteil; vgl. die feine bemerkung Haupts, Engelhard s. XIII.
737. ,inneclichen trüren* Engelhard 3359.
738. Sprach woffen der C. — 739. befindet A. vernimpt C.
740. tröste jr kindt C
741. Vnd sprach lass dir es dancknem sein G. Troj. 16834, 18330.
Stauf. 457 ,mag ez nit (1. nüt) anders sin^ R. Parz. 90, 43; 697, 27; 687, 17;
698, 42 ; 806, 24. Merswin, Neun f eisen s. 123. Diocletian 3402 u. o.
7*
100
von gotte ist der himel din'.
,so lide ich, swaz mir got tuot.
ein kleffelote und ein huot,
746 die zwei hoerent mich an.
ich wil von der weite gan.
die lüte wil ich miden.
daz wil ich durch got liden.
vater und muoter unde mich
750 gesegene got von himelrich!'
vater und muoter was ez leit,
do slouf er in ein grouwez kleit.
Drü milen gieng er ungezalt,
so ver er kam in einen walt.
755 er vant in eime steine
ein bruoder guot alleine:
,guoter man, wa kumst du her?
,ichn weiz leider nüt* sprach er,
ich klage dir bruoder mine not.
760 ich bit dich, gib mir dinen rot',
er sprach ,din herz ist trüwen vol,
daz ich an dir sihe wol.
742. Das ewig hymmel reich jst C.
743. gern was mir not thüt C.
744. klaff vnd ein braiterh. C. Goedeke, Gengenbach s. 63i, 8. —
745. gehSrent C.
746. nun von C. — 747. Vnd wil die C.
749 : 750 und 751 : 752 habe ich umgestellt. C zieht diese vier verse in
zwei zusammen: Vatter ynd müter wasesleidt Got von hymellreich
gesegen euch beidt. — 750. got gesegue A. — 751. wz leit A.
753. Die A. In derselben unbestimmten bedeutung (DWB 2, 1371) ver-
wendet die dreizahl Hans von Bühel in der Königstochter 359 ,bi dri milen^
on gessen C.
753. Er hat aller wollüst vergessen Verr kam er jn ein waldt
Zu einem brunnen der was kalt C. — 755. Do fand er C.
756. Ein guten br. der was allein C. — 757. Sprach zu jm C.
758. Oder was seyst du mir frembder m£r Er sprach jch kan
dir gesagen nicht Mein hartz das jst mit leid verpflicht C.
759. Doch 80 klag jch dir mein C. — 760. das du mir gebest C.
761. dein härtz das jst C.
762. Ich weiss vmb deinen gebrästen wol C.
101
daz hat mich got wissen lan:
du solt hin gen Peigern gan.
765 do würstu wol enpfangen. [bl. 73 a.]
ez ist Sit wol ergangen,
der juncher hat gemahelt sich
ze einer vrouwen tugentlich.
ein kint gebirt stt an der stunt.
770 swen daz zuo der weite kunt,
so ist ez ein schoener knabe.
swer im snit die kele abe
unde dir des bluotes git,
swa man dich bestrichet mit,
775 da würstu allenthaben rein'.
er sprach ,bruoder, durch got, nein.
daz mir daz nüt kum in den sini
e wil ich bliben alse ich bin.
bruoder, got gesegene dich.
780 bit den milten got vür mich'.
er sprach ,min gebet teil ich mit dir,
guoter man, als tuo ouch mir.
hab ein gedultigen vesten muot,
din sorge nimt ein ende guot.
763.' Das mich got hat C. — 764. wider gon Bayern C.
766. gangen A. — 767. Dein junger herr C.
768. junckfrawen gar tugentrich C.
769. kindelin A. Die hat empfangen ein kind zu stundt C.
771. So ist fehlt A. So ist es gar ein hübscher 0.
772. Wer dem sein k&len schneidet ab C.
773. Vnd man dir dann des blut C. — 776. wnrst A.
776. Er sprach durch C.
780. Vnd bit den zarten C. ,bit unseren herren got vur mich' Hahns
Passional 224, 30. Stauf 1135 ,so wil ich bitten got für dich'. Königs-
tochter 1417 jbittent den zarten gott für mich' und 4571 f.
781. Der brüder sprach do Mit grosser demüt also Mein G.
782. das thü C.
783. gedult vnd C. Zu 783 f. vgl. Königstochter 3076f. ,herre darumb
habent guoten muot, es würt ob gott noch alles guot'. 1865 f. ,er sprach:
herr, habent guoten muot, die sache ist noch itel guot'.
784. Dein l&ben C.
102
785 darumb la dirz nüt schade sin.
DUO wolhin, gedenke minl^
Trost er in sin herz enpfieng.
Sit kerte er uf die straze und gieng
hin heim gen Peigernlant.
790 sin gebreste mähte in nnerkant.
Die lüte horte er sagen daz,
daz hochzit uf der bürge was,
da was ein groszer hof geleit,
hern und knehte vil dar reit.
795 da sach men mange turneiring,
der brüte hochzit man beging. [bl. 74.]
da zogete der guote man
durch die stat zuo der bürg hindan.
zuo dem burgtor er do trat,
800 den torwart er vlizeclichen bat
,wiltu got einen dienest tuon,
so heiz mir kumen mins herren suon^
der torwart sin antlitz gesach.
von Unlust ime so we geschach,
805 er wolt in han geslagen:
,waz hat dich her getragen?
du soltest von den lüten gan.
785. nü las A. Darumb so lass dir es nit schwer sein C.
786. wolhin vnd g. auch C. ,nü wol hin* MhdWb. 1, 689a. R. Parz.
6, 37. Boner 6^ 19. Dangkrotzheim, Namenbuch 546.
788. Strasse sint A. Gon bayern er do wider gieng C.
789. heim fehlt A C. Vnd do er kam jn das landt C.
791. Er hört die C, — 792. hochgezit A. ebenso 796. Ein h. vff C.
793. hin geleit C. — 794. und fehlt A. Rytter vnd C. do A C.
795, 796. Die waren alle wol bekleit Do stach man vnd tur-
niert Man thantzet vnd hoffiert C. [mangen? , turneiring' zunächst
turnierplatz , dann auch das tumier selbst; vgl. ,mensur' in der Studenten-
sprache und das einfache ,rinc' Frauendienst 70, 1. Vogt].
797. Also zöge C. — 798. zur C.
800. torwechter A. mit fleisse C. Vgl. die pförtnerscene im Dio-
cletian 8560 ff. — 801. mir ein C.
803. dor wahter A. Do der. ansach C.
806. Ach got wass A. hüt har C.
103
din antlitz ist so ungetan
nnd also wüesteclich gestalt
810 daz man ez durch ein wunder zalt^
Do viel sin herz in ungedult:
,ach got, wie han ich daz verschult?
hie was ich e liep unde wert,
wie liitzel man min nuo begert!
815 was sol ich nuo gedenken?
ich wil mich gan ertrenken^
Got der wante sinen sin,
zuo der porten drang er in.
Do kam ein miltez herze,
820 den jamerte sin smerze:
,waz vorderstu, guoter man?'
jheiz uz den jungen graven gan*.
do begunde er in kennen:
,so beit, ich wil dich nennen*.
825 balde er in die bürge lief:
junger grave* er do rief.
da sprachte mit dem herren er: [bL74a.]
junger her, ich sage üch mer.
808 f. Stauf. 860 ,die ist so rehte wol getan und also minneclich gestalte
Vgl. R. Parz. 123, 20. Engelhard 3064. — 809, 810 fehlen C.
811. vngetult A. — 813. e fehlt A. vormols C.
814. hie hegert A. jetz hegSrt C. Parton. 127 ,daz man sin da so
Ititzel gert^ ,daz sin niemen gerte dd^ Engelhard 5586.
815. jch armer man gedencken C.
816. sol mich selber gon C. Königstochter 2043 f. ,owe was sol ich
nun gedenken! ich glaub ich wöll mich gon erhenkenS Diocletian 1796 ,so
wil ich gan ertrenken mich^ — 817. wandt jm seinen C.
818. trat er aber A. — 819. bekam jm C.
820. erbarmet sein grosser C.
821. Er sprach was wolltest C.
822. her Ys A. Er sprach heiss mir den jungen herren här gan C.
823. erkennen C. Die Umschreibung mit begunde bei Konrad be-
spricht Wolff zur Birne 64. Jäckel s. 26. — 824. beit hie C.
825. burgA. Aber 1031 in der bürge für in die bürge. Weinhold,
AI. gr. §398. Mhd.gr. §452. — 826. Dem jungen grafen C.
827. Mit dem herren sprächet er C.
828. Vyl lieber herr C.
104
nu trettent hin nz vur daz tor,
830 uwer bruoder stat da vor',
do liez er Valien allez daz,
daz ime vor bevolhen was,
nnd lief hinabe an der stet,
also men in gejaget het
835 vür daz tor an den plan,
da vant er den guoten stan.
den hnot er abe zoch ze stant,
mit trüwen käste ern an den munt,
er druckte in umbevangen
840 sin antlitz an sin wangen:
,laz gan, lieber juncher mich,
die lüte daran ergem sich,
eht ich dich gesehen han,
so wil ich mine straze gan'.
845 Er sprach ,nein, du muost her in.
swa du bist, da wil ich sin'.
829. Nu fehlt C. — 831. faren C.
832. vor fehlt A. ,uiide den ez hevolhen waz' E. Parz. 700, 4.
833. hinauss hald an die C. — 834. Als oh C.
835. Er kam . vff den C. — 836. man C.
837. er gegen ime A C. z& stunt fehlt C; und dann: Des herren
snn dem ward goch. Troj. 1776 ,er zöch . . den huot gezogenlichen
ahe*.
838. Das er yn zur selben stund Gar früntlich küsset an
den mnnd C.
839. Vnd do das seih was ergangen Er trnckt yn an C.
841. junger her A. herre C. lieher fehlt C.
842. Er trang durch die leüt nehen sich C.
843. Das jch nun han gesehen euch Wann jch nun alle wllt
scheuch C.
844. Vnd will nun gern die Strasse gan Vwer almftsen wolt
jch gern han C.
845. Der her r sprach C. An nachahmnng Gottfrieds, der wiederholt
reimpaare mit gleichen reimworten auf einander folgen lässt (12187 £f., 12435 ff.,
12507 ff ), ist hier wohl nicht zu denken. Vgl. einleitung s. 50.
846. jch auch C.
106
do vuorte ern in die bürg hin in.
er sprach ,du solt gewaltig sin,
alse du ouch vor ie wer,
850 wir weint kein andern schaffener'.
Do herre und vrouwe ervuorent daz,
daz der guote kumen was,
sü uf unde balde hin,
mit trüwens umbeviengent in:
855 jSwaz dir wirret dazt mir leit.
du solt tragen unser kleit.
wir weint dich nüt engelten lan,
daz dir got diz hat getan.
du solt gewaltig sin als e, [bl. 76].
860 und dann noch zwttrent me.
swer din hie nüt welle gern,
der muoz unser ouch enbera'.
Do die hochgezit ergieng,
sin ambaht er do wider enpfieng,
865 er diente in wol getrüwelich.
847. Er fürt yn C. Nach 848 folgen in C: Vber alles das mein
herr hat Es sy fr& oder spat.
849. Als du vor wert gdter man C. ie fehlt A. — 850. han C.
851. Die herren vnd frawen C — 852. Wie der gut man C.
853. Sie stünden bald vff vnd hin C.
854. mit trauren empfiengen sie jn C. — 855. gebrist . vnss C.
856. hinlegen deine C. Hinter 856 fügt C hinzu; Wir wend dir
vnser kleider geben Du mäst nach vnserem sitten laben.
857. Königstochter 1660 ,man sols in nit engelten lan', 3267 ,das sol
man dich nit engelten lan^ Eaufringer 1, 331.
858. Was dir der almächtig got hat C.
859. by vnsss sein gewaltig C.
861. hie fehlt C, begeren C. B (bl. la): wil begern.
862. vnsers hoffs emberen C.
863. für gyng B. Vnd do das hochzeit also zergieng C. Guter
Gerhard 6438 ,Do diu höchzit zergie^
864. er das alle zit ane ving A. Ein gewaltig ampt er em-
pfieng C. — 865. jn aber C.
106
daz bewerte darnach sich,
e vollez umbe kam daz jar,
die grevinne ein kint gebar,
daz was ein knabe minneclich.
870 des herren sun was vröudenrich.
jung und alt wart sin gemeit.
nu het der bruoderz vor geseit.
also gedacht der guote
heimliche in sinem muote
875 ,got behüete mir min sinne,
daz ich des nüt beginne!'
Darnach über unlang wart,
sü vuorent beizen eine vart,
als ez wolte schicken sich,
880 das vuogte got von himelrich:
den guoten vragt der grove
,du bist gewesen ze hove
wite vor in dinen tagen,
hastu ie gehöret sagen,
885 ez were groz oder klein,
daz du wurdest wider rein?
swaz guots daz kosten möhte.
866. Dass wol dar noch bewerte sich B. Dasi dar nacbwol be-
fand sich C.
867 bis 876 sind nur in B überliefert. — 867. Ee follen B.
868. Die junge greffynne B. — 872. hatte der bruder vor B.
876. dass B. Parton. 6015 ,daz ich sin nu beginne*.
877. Das noch A. Der vers fehlt in C. ,über unlang* scheint elsässisch.
Jänicke verwies zu Stauf. 687 auf Closener 37, 20. Sonst ist die redeweise
unbelegt. ,dar nach so was vil harte unlanc' Engelhard 504 = 5080 = Tristan
1320; Jäckel s. 29; R. Parz. zusatz s. LV zeile 4: ,donoch ez gar unlanc waz*.
Diocletian 1749, 3342, 4127, 4611, 4965. — 878. Do füren sie C.
879. Als es doch wolt C.
880. wolte got A. Do fuget got der minneglich C.
881. Do frote der gute den groffen A. Das den guten fraget
der jung groff C. — 882. vyl ze C.
883. wol in A. Wyt yn B. Sag ob du vtzit by deinen tagen C.
884. Hast fehlt in B. Oder je gehört habest sagen C.
885. Es sy C. — 886. wider fehlt B. wider wurdest C.
887. vnd was das A. Wess gudes B. Wie vyl C.
107
mit willn ich daz vttrbrehte*.
jjuncher, lant die rede sin.
890 verdriizet üch daheime min,
so wil ich gerne von üch gan.
ich sol daz nieman wissen lan'.
er sprach ,ich mein ez nüt also'.
so rehte vrüntlich bat ern do,
895 daz er in liesze wissen mer,
wie im ze helfende wer.
er sprach ,wiltus nüt abe sin,
so muostu dem kinde din
sniden abe sin leben
900 und mir des bluotes geben.
dine fruht so edel ist,
swen du mir des bluotes gist [bl. 75 a.)
und ich daz strich an mich ze stunt,
so würde ich reine und gesunt.
905 ich wil sin aber nüt begern,
ich bitte mich sin nüt gewern*.
888. daz fehlt A. gutem C. brahte A.
889. Der bräder sprach herr C. Parton. 1261 ,lä die rede sin*.
Engelhard 1490 ,läz durch got die rede sinS
890. daheime fehlt B. hie G. sin A.
891. üch fehlt A. So sal ich uch von hynnen B.
892. Vnd will 0. Königstochter 1806 ,ir sollent es mich wissen lonS
893. nein jch C. — 894. bat yn gar früntlich do C.
895. wyssen dass B C. — 896. was B C.
897. Er sprach wend jr sein nit embern Ir wellent es wissen
gern C. — 898. So mOssent jr eweren kind neraen sin laben C.
899. Snyden dass heubet abe B. — 900. Vnd mftssent mir des
blutes geben C. — Vnde myr dess bludess git B.
901. Din, nicht Die (Goedeke) in A. Vwer fr. has so edel end
C. Über vruht bei Konrad Wolff zur Birne 357. Stauf. 294.
902. 903. Wan du sie an mych strichende bist B. Wan jr mir
d. bl. gend C. Die von Weinhold in der Al.gr. s. 39 Kistener zugeschriebene
stelle gehört Gengenbach.
903. Vnd jch es streich C. ich fehlt A. In B ist von vers 39 (899) des
brnchstücks an die stelle arg zerrüttet; vers 43 fährt B fort: So werde
ich reyne und wol gesunt Vnd genese uff dirre stunt.
904. wider rein vnd C. — 905. aber fehlt AB.
906. biedendichsynnytzngewernB. IrsondmichauchdesnitC.
108
des herren sun gedahte,
wie er die trft volbrahte.
Damach in dem meigen wart,
910 der junge grave leite ein vart
über einen burnen kalt
vtir die bürg in einen walt.
hinab men über den burnen truog
win und guoter spisen gnuog.
915 dar kament hern und vrouwen vil,
SU tribent manigerhande spil,
iederman sin sunders treip.
Des herren sun daheime bleip.
in allen wartet er da uz,
920 nieman bleip do uf dem hus
wan er und der guote man.
den hiesz er uf die muren gan,
daz er der bürge huote.
,vil gerne* sprach der guote.
925 die amme und daz kint da bleip.
darnach ers ouch enweg treip:
907. der gedacht C. Mit vers 907 beginnt das zweite blatt der Frank-
furter fragmente (B). — 908. anjm volbracht C.
909. Do noch A. Do dar nach C.
910. Geleit aber eyne burne fart B. Der Jüngling leit ein
mol ein fart C.
911. 912. Die junge greffynne gelüsten wart Vor die barg zu
eyme burne kalt B.
912. hin ab für A. Von der bürg jn den waldt C.
913. Zu dem burne hyn abe man B. Do hin man C.
914. guoter fehlt B. Wein brot vnd rates genüg C.
915. 916 fehlen in C. 916. Silv. 2389 ,und triben maniger bände spil*.
Parton. 86. Troj. 45550, 49155.
917. Jedermann do sein schirapff treib C.
918. Der jung herr C.
919. er warte vs A. warten er da uss B. Er wartet dem hoff-
gesind auss C. Kisteners vers war stilistisches vorbild für Hans von Bühel,
der in der Königstochter 1411 sagt ,wann das her wartet mein da usz^
920. da fehlt AB. yn B G. — 922. mure A.
925. amme fehlt A. kynt und die ame B. Da heyme bleip B C.
926. Zu der ammen er do schreit A.
109
,eins dinges ich vergessen hab,
se balde und tragez hinab'.
Sil sprach ,wer huot des kindes mir?*
930 er sprach ,wol hin, ich huote dir*.
Daz burgtor er nach ir beslosz.
sin leit, sin iamer wart so grosz,
daz ich ez nüt kan vol sagen.
er vant ligen in der wagen [bl. 76.]
935 sin kint, daz güetlichen slief.
so jamerlich er got anrief.
,wie we daz minem herzen tuot,
sol ich toeten min eigen bluot!*
er kniiwet vür die wage.
940 so grundelose klage
dhein man nie gehöret het,
den die er dem kinde tet.
ze sime kinde er do sprach
,owe hüte und iemer ach!
945 muoz ich dir din kele absniden
927. Er sprach AG. Eyn drachte B. han A.
928. hin nan A. Balde amme drag B. Se amme vnd C.
929. vor hudet ir dess B.
930. Er fehlt B. gang jch hftten dir C.
931. ir nach A. ir noch B. — 932. vnd jamer das was gr. C.
933. ich iss kan nyt folleu sagen B. jch es niemandt kan ge-
sagen C. — 934. in den dagen B.
935 bis 939 fehlen in A. Der Schreiber sprang wie 479 zu dem ähn-
lichen reimwort wagen bezw. klage über. — 935. so gfitlichem C.
936. Gar C. — 937. Ach wie C. 937, 938 in C umgestellt.
938. nun t&dten C. — 939. nider C.
940. Kein man bort nie grosser klagen C. ,grundelöse klage'
Part. 9682. ,grundel6s* Schmiede 962. Troj. 7670, 7905, 16652, 22936, 23317,
29302, 38907. Häufig bei den mystikern.
941, 942 fehlen A. nye gehorte B. Noch got anr&ffen mit ge-
bät C. — 942. De er dem kynde dede B. Ee das er dem kind den
tod an thet C.
943, 944 fehlen B C. — 943. do fehlt A. — 944. we A. ,hüte und
iemer' bei Konrad: Wolff zur Birne 112.
945. Er sprach nu wil ich snyden B. Er sprach nun wil jch
doch Bchnideu C.
112
Der vater leite rein sin kint:
,wol uf, daz wir nit me hie sint!
985 würt man unser hie gewar;
wer unser vil, wir stürbent gar.
suoch hervür sporn unde swert,
balde die sattel uf die pfert!'
daz bluot er von dem wege trach,
990 ze gotte er in den himel sprach
,owe junger marteler,
wie kumt üch so leide mer,
so die muoter sin enpfint!'
do kuste er sin totez kint,
995 daz sin herze mitten brach,
von jamer allez daz geschach:
,nu habe got die sele diu!
so wil ich iemer haben pin'.
Do ging er über die arke sin,
1000 an turen greif er darin,
Silber und goldes nam er gnuog
in einen wotsag er daz truog.
jbruoder' rief er ,kum har!'
983. wider rein das C. Zar ansdrucksweise vgl. ,waiit legen^ und ,16 1
legen* Troj. 35644, 31218, 39855, 24469 [42942, 48836], 3550. Parton. 404, 3637.
985. Vnd wurde man der that von vnss C.
986. man todt vnss gar C. — 687. här mir bald C.
988. Vnd sattel die besten zwey C.
990. Gegen got. sach C. — 991. du junger C.
992. kummen deiner müter so leidig 0.
993, 994. So es mein m&ter vnd die dein vernimpt So finden
sie ein todtes kindt C, und fährt dann albern fort Er kust es an seinen
roten mundt Das er do nit starb ze stunt Vnd sein h&rtz nit
gar zerbrach. R. Parz. 785, 26 ,daz im sin herze nach zerbracht
996. dz ander alles A. von grossem C. Vor 997 fügt C ein Do
wandts got mit seiner handt Dem alle härtzen sind bekant Er
sprach. Vgl. die einschaltung nach 994. — 999. die kisten C.
1000. Er greiff mit voller band dar yn Er nam gütz dar auss
so vyl Als eir der von dem lande wyl C.
1001. nam er fehlt C. — 1002. einem B.
1003. Er rüfft dem brüder C.
HS
balde lief er zaozim dar.
1005 den wotsag er von im enpfieng,
zuo den pferden er do gieng.
dar uf s& vaste bundent in,
sü sazent uf und yuorent hin.
einer mit dem andern reit. [bi. 77.]
1010 Der junge grave hette leit:
,got, wie sol es mir ergan!*
die bürg liez er eine stan.
beswert von gründe was sin muot:
,owe, ere und groszes guot,
1015 land, bürge, stette, lüte,
nu scheide ich von iich hüte!
got, daz ich ie wart geborn,
daz min trü nie wart verlorn,
nu muoz ich unz an daz ende min
1020 ieraer me eilende sin.
nu getar ich einen biderman
niemer me gesehen an^
hoerent, also klagete er
den jungeling und sine swer:
1025 ,nu giltet ez die sele min,
wil sin got nüt abe sin'.
Do sach er, wie die amme trat
1004. er dar A. Do lüff er bald zu jm dar C. — 1005. von fehlt C.
1006. dem pferde A.
1008. ritten C. Stauf. 199 ,sü sazent uf und ritent dan^
1010. hat gross C. — 1011. Ach got C.
1012. Hessen sie allein C.
1013. Im was beschwert von grund sin mflt C.
1015. stet bürg vnd leüt C. — 1016. jch schantlich von dir C.
1017. Ach got C. Gottfrieds Tristan 1283 ,owe, daz ich ie wart ge-
born*. 14143. — 1018. Das hat m. tr. alles verloren C.
1019. nü müss ich nü A. — 1020 min A. yn dem eilend sein C.
1021. eimA. keinen C. Stauf. 1134 ,daz mich niemerme kein man
mit ougen sol gesehen an*. Jäckel s. 24 f.
1022. frSlich sehen C. — 1023. klagt er sich C.
1024. der jungeling sin A. Sein liebes kind so jSmerlich G.
1027. Doch A.
Enling, Klstener. 8
112
Der vater leite rein sin kint:
,wol uf, daz wir nit me hie sint!
985 würt man unser hie gewar;
wer unser vil, wir stürbent gar.
suoch hervür sporn unde swert,
balde die sattel uf die pfert!'
daz bluot er von dem wege trach,
990 ze gotte er in den himel sprach
,owe junger marteler,
wie kumt üch so leide mer,
so die muoter sin enpflnt!'
do kuste er sin totez kint,
995 daz sin herze mitten brach,
von jamer allez daz geschach:
,nu habe got die sele din!
so wil ich iemer haben pin'.
Do ging er über die arke sin,
1000 an turen greif er darin,
Silber und goldes nam er gnuog
in einen wotsag er daz truog.
jbruoder* rief er ,kum har!'
983. wider rein das C. Zur ausdrucksweise vgl. ,wunt legen* und ,t6t
legen' Troj. 35644, 31218, 39855, 24469 [42942, 48836], 3550. Parton. 404, 3637.
985. Vnd wurde man der that von vnss C.
986. man todt vnss gar C. — 687. hir mir bald C.
988. Vnd sattel die besten zwey C.
990. Gegen got. sach C. — 991. du junger C.
992. kummen deiner müter so leidig C.
993, 994. So es mein mßter vnd die dein vernimpt So finden
sie ein todtes kindt C, und fährt dann albern fort Er kust es an seinen
roten mundt Das er do nit starb ze stunt Vnd sein härtz nit
gar zerbrach. R. Parz. 785, 26 ,daz im sin herze nach zerbracht
996. dz ander alles A. von grossem C. Vor 997 fügt C ein Do
wandts got mit seiner handt Dem alle h^rtzen sind bekant Er
sprach. Vgl. die einschaltung nach 994. — 999. die kisten C.
1000. Er greiff mit voller band dar yn Er nam gütz dar auss
so vyl Als eir der von dem lande wyl C.
1001. nam er fehlt C. — 1002. einem B.
1003. Er rüfft dem brüder C.
118
balde lief er zuozim dar.
1005 den wotsag er von im enpfieng,
zao den pferden er do gieng.
dar uf sü vaste bundent in,
sü sazent uf und vuorent hin.
einer mit dem andern reit. [bi. 77.]
1010 Der junge grave bette leit:
,got, wie sol es mir ergan!*
die bürg liez er eine stan.
beswert von gründe was sin muot:
,owe, ere und groszes guot,
1015 land, bürge, stette, lüte,
nu scheide ich von üch hüte!
got, daz ich ie wart geborn,
daz min trü nie wart verlorn,
nu muoz ich unz an daz ende min
1020 iemer me eilende sin.
nu getar ich einen biderman
niemer me gesehen an'.
hoerent, also klagete er
den jungeling und sine swer:
1025 ,nu giltet ez die sele min,
wil sin got nüt abe sin'.
Do sach er, wie die amme trat
1004. er dar A. Do lüff er bald zu jm dar C. — 1005. von fehlt C.
1006. dem pferde A.
1008. ritten 0. Stauf. 199 ,sü sazent uf und ritent dan^
1010. hat gross C. — 1011. Ach got C.
1012. Hessen sie allein C.
1013. Im was beschwert von grund sin müt C.
1015. stet bürg vnd leüt C. — 1016. jch schantlich von dir C.
1017. Ach got C. Gottfrieds Tristan 1283 ,ow§^ daz ich ie wart ge-
born*. 14143. — 1018. Das hat m. tr. alles verloren C.
1019. nü müss ich nü A. — 1020 min A. yn dem eilend sein C.
1021. eimA. keinen C. Stauf. 1134 ,daz mich niemerme kein man
mit engen sol gesehen an*. Jäckel s. 24 f.
1022. frSlich sehen C. — 1023. klagt er sich C.
1024. der jangeling sin A. Sein liebes kind so jSmerlich C.
1027. Doch A.
Eni in gl Kistener. 8
114
zer bürge hin den vuozpfat:
Sil wolt hin abe holen daz kint:
1030 jbalde, daz wir hin abe sint!*
Die amme in die bürge gie:
jheilgez cilize! ist niemen hie?'
daz kint daz truog sü ab dem hus
mit vorhte zuo der bürge uz
1035 unde nie geluogte daz,
ob ez tot od lebende was:
die zwene sich entsazen:
jdoch müeszen wir die strazen!'
der grave mit dem bruoder reit:
1040 jbruoder, daz si dir geseit,
swaz mir darumbe sül geschehen,
vater und muoter wil ich sehen
und die liebe vrouwe min, [bl. 77a.]
von der ich muoz gescheiden sin.'
1045 ,Ach got, waz wiltu schaffen do?'
sprach der bruoder zim also:
,du weist wol, daz uns herte lit.
1028. Gegen derbarg den nichsten pfadt C.
1029. herab reichen C. — 1030. Wolan bald das C.
1031. in der bürge A. Do die amme C. — 1032. Sie sprach C.
1033. daz an zweiter stelle fehlt C.
1035. Vnd ine A. Das sie nie C.
1036. das kind iSbent oder tod C. — 1037. sich seer C.
1038. die recht stross A. Sie rittent jre Strassen C.
1039. by dem br. was C. — 1040. Dir sey gesaget das C.
1041. sol A. Da der yers buchstäblich dem Engelhard (2345) entnommen
ist, habe ich auch, in anlehnung an die durch Closener 18, 21 bezeugte form
,sulleS sttl geschrieben. Haupt schrieb an der stelle sol, die von Joseph
aufgenommene Verbesserung hatte Bartsch vorgeschlagen. Vgl. Parton. 1561.
Troj. 9429, 17897.
1042. Ich müss noch einest v. vnd m. sehen C. — 1043. Vnd auch C.
1045. 1046 umgestellt in C. 1045. wend jr C.
1046. Der brüder sprach C.
1047. das es A. Ir wissent C. Kaufringer 14, 373 ,si legt irs
selber gar hert^ Diocletian 6409 ,wie es so recht herte mir lit'. Hätzlerin
s. 117, vers 160 ,doch wurd es in oft ligen hart'.
116
laz uns varn hinan, ez ist zit'.
er sprach ,ich sehe sü denne e,
1050 daz scheiden tet mir iemer we.
mine trüwe muoz bezeigen sich',
zem burnen vuor er trureclich:
jbeit, bruoder, min da:
swie ez mir joch dort erga'.
1055 Mit vröuden sü enpfiengeut in:
,lieber sun, wa weint ir hin?*
er sprach ,ich muoz ze eime tage,
hoeren unser lüte klage.
einer ist liblosz getan,
1060 die suone ist an mich gelan'.
vrouwe unde muoter baten in:
,du muost hie blibn und bi uns sin'.
die rede was im gar ein troum.
der vater viel im in den zoum:
1065 ,war woltestu in dirre hitzen?
du muost her abe zuo uns sitzen'.
do sü so in der rede sint,
1048. Loud. faren by zeit C.
1051. bezeichen A. erzeigen C. — 1052. reit C.
1053. Nun beit mein hie vnd gehab dich wol C.
1054. Ich bald hSrwider kummen sol C. noch dort A. Ich habe
nach R. Parz. 507, 26 ,wie ez mir joch erge^ Hans von Bühel, Diocletian 2442
,was mir joch hie nmb beschicht', joch geschrieben. Vor 1055 schiebt C ein:
Wie es mir jemer darnmb ergange Er ward von jnen wol em-
pfangen, ohne den nun überflüssigen folgenden vers zn tilgen.
1056. wiltu C.
1057. ich muoz fehlt A. jch mflss ze not vff ein tag C.
1058. Nach vnser armen leüten sag C. — 1059. Do jst einer C.
1060. Vnd jst die sach C.
1061. vnd die A. Einleitung s. 25. Sein fr. vnd sein m. C.
1062. Worlich du mdst by vnss hie sin C.
1063. als ein C. Zum ausdruck vgl. Parton. 1054. Troj. 17561, 25167.
Aus der letzten stelle ist gar entnommen, das in A fehlt. Der fortsetzer
des Trojanerkriegs liebt es. Klitscher s. 63 — 1064. an C.
1066. Also sü in der rede sitzent A. — 1067 fehlt A; dafür nach
1068 er sach wite vmb dasz sint. Vnd so sie also C. Noch stärkerer
8*
116
so bringt die amme her daz kint.
von gründe erschrack sin herze guot.
1070 er gedahte in sime muot
,sol ich hie verderben
und durch trüwe sterben,
daz wende lieber herre got!
hilf mir, herre, uz dirre not.
1075 vergisz nüt, sante Jacop, min.
daz bit ich durch die trüwe din, [bl. 78.]
die du mit got best, und die klage
an dem grünen dunerstage,
do du nüt woltest essen me,
1080 du gesehest den got wider e'.
von gedenken im so we geschach,
tempuswechsel mit denselben reimworten ,kint : sint* Trist. 6052. VglKistener
286, 506. Boner 7-^, 9 ,d6 si in dirre rede wän'. Königstochter 351 ,und do sie
in den sorgen was'. Pantaleon 1838 ,nü daz er in der rede saz . . ., dö kam'.
1068. her fehlt A. dort har C. Vor 1069 schiebt C ein Das was jn
der wagen schon verdacht Vnd hat jm ein schatten gemacht C.
1069. gantzem h. erschrack sein möt C.
1070. yn seinem hSrtzen gut C. — 1071. herr,sol jch doch C.
1072. vmb mein grosse C. — 1074. Vnd. herre fehlt C.
1075. lieber s. J. vergiss nit C. — 1076. dich C.
1077. das mit got wz die klage A.
1078. hohen donstag C. — 1079. vnd du A.
1080. Goedeke Hess gesehest von drucken; es steht deutlich den in
der hs. A, und dem entspricht bei Gengenbach dann. Dieser, übrigens text-
kritisch nicht ganz gesicherten stelle muss eine uns unbekannte erzählung zu
gründe liegen, die sich wohl auf Marc. 14, 33; 1. Cor. 15, 7 und folgende
antiphon der spanischen liturgie aufbaute: „0 beatum apostolum, qui inter
primos electus, primus omnium apostolorum domini calicem bibere meruit!*'
Garns, Kirchengeschichte von Spanien II, 2, 392. Vgl. Calixtus II, Sermo
primus in vigilia s. Jacobi Zebedaei apostoli (Patrologia ed. Migne 163)
p. 1385 B: „Sic ex duodecim apostolis tres barones et magistros, Petrum vi-
delicet, Jacobura et Joannem prae omnibus elegit. Hos tres heroes uno modo
super mare Galilaeae elegit; hos dum suscitaret filiam archisynagogi in aede,
caeteris absentibus discipulis, secum ad videndnm miraculum introduxit;
his sua arcana caeteris plenius patefecit; bis transfigurationem suam in monte
Thabor ostendit, his in passione sua velut cum charis suis condoluit, moesti-
tiam carnis suae ostendens eis et dicens: Tristis est anima mea usque ad
mortem. Matth XXVI 38«. Vergl. Sermo III p. 1396 D ff.
1081. Von grossen sorgen ward er so schwach C. Königstochter
117
daz man jamer an im sach,
swaz sü rettent, daz er sweig.
zwüschent in er do nider seig.
1085 leit hettents mit im unde not,
sü wantent alle, er were tot.
als ein tote wart er var:
jbalde reichent wasser har!'
daz herze sü im machtent naz.
1090 schiere er wider kumen was.
do hat ein zeichen got getan,
da wustent sü gar wenig van.
der trüwen sin got nüt vergaz,
sant Jacop bat ouch gotte daz:
1095 daz kint wart lebende in der wagen,
vür den vater wart ez getragen,
men wate im under dougen wint.
do sprach die vrouwe an schänden Mint
,so küsse, lieber man, din kint,
1100 daz wir al dest vroelicher sint*.
,Waffen, got! laz mich dervan!'
daz kint den vater lachete an.
2404 ,Yon jomer geschach in also we^ Diocletian 6066 ,Yon leide mir so we
beschach^ — 1082. yn jn grossem jomer C.
1083. Was jemandt redt er allzyt schweig C.
1084. in fehlt A. Vntz das er zwüschen jn nider C.
1085. leit sü mit ime hettent A. Sie hatten leid vnd grossi
not C. — 1086. Westen nit dan er C.
1087. gefar AC. Vgl. 206. Also blaich ward C. Gottfrieds Tristan
9350 ,daz diu wart alse ein töte var*. Vgl. 11695. Parton. 1249. Troj. 41910,
44591. R. Parz. 667, 14 ,alse er tot were wart er gevar^
1088. Man Hess bald wasser reichen dar C.
1089. Sie machten jm sein h&rtz C.
1090. Dar nach er C. — 1092. gar fehlt C.
1093. vnser herr nit C. — 1094. erbat got C.
1096. ez fehlt A. seinen C.
1097. vnder die A. wagdt jm vnder sein C,
1098. müter A. 1098 fehlt C. Troj. 10 ,an 6ren blint*. Engelhard 1069
,blint an ir menneschlicher art^
1099. Se lieber sun küsse C. — 1100 fehlt C.
1101. Er sprach o land dar van C.
1102. Do lachet das kind sein C.
118
do sach er, daz ez lebete:
sin herz in vröuden swebete.
1105 do sprang er uf, alse ein man,
der leit noch we nie gewan.
er viel nider uf die knie:
,got si gelobet des Zeichens hie. [bl. 78 a.]
sant Jacop si geeret,
1110 min heil ist hie gemeret'.
Noch do wustent sü nfit daz,
wie ez dem kinde ergangen was.
sin muoter sprach ,sun, sage uns daz,
wie dir ingenoten was*.
1115 ,so hoerent leide und liebe mer'.
dem bruoder rief er balde her.
der bruoder übele vorhte sich:
,owe, man ziht es alles mich.
nu wisse got, ez waz mir leit*.
1120 mit vorhten er zem burnen reit.
sti sahen t, daz er reine was:
,lieber sun, nu sage uns daz,
wie er reine worden si.
ir sint beide leides vri'.
1103, 1104 umgestellt in C. Do er sach das das kind noch labt C.
Tristan 9409 ,nnd sach wol, daz er lebete^ — 1104. in grossen C.
1105. ,als ein man der* R. Parz. 48, 25. Tristan 15232.
1106. vnmüt noch leit C.
1107. knuwehieA. v ff sine C. Königstochter 803 ,8ie viele nider
uff ir knie'. Diocletian 7594, 7708, 8185.
1108. Got sige globet ein zeichen ist geschehen hie A. Gelopt
sie got C. — 1109. Vnd sant C.
1110. Heil vnd seid j st mir C. Bartsch zum Tarnei 11, wo hinzu-
zufügen sind Silv. 2367. Parton. 14022, 20346 u. a. — 1111. Noch dann C.
1113. sün nd A. Sie sprachent liebes kind nun C.
1114. dir jetzund beschehn C.
1115. hOrent jr leid C. — 1116. rftfft er frSlich C.
1117. erschrack vnd C.
1118. nun zeicht man diser getat mich C. - 1119. weiss got C.
1121. Man sach wol er rein worden was C.
1123. der A. dein brftder C. sige : frige A.
1124. Wann jr baide sind sorgen fry C.
119
1125 Er sprach ,die rede ich nüt verbir.
ez ist nüt lang, do seite er mir,
wie im ze helfende was.
gar ungerne tet er daz.
mit trttwen ichz im an gewan,
1130 daz er michz muoste wissen lan.
er Seite, mines kindes bluot
wer im vür den gebresten guot.
der trttwe ich do nüt vergaz,
mit trüwen galt ich ime daz:
1135 mins kindes kele ich abesneit.
ez was im inneclichen leit.
ich wüste in mit dem bluote,
do wart rein der guote.
ob ir der rede in zwiveln sint,
1140 so luogent und besehent daz kint*.
umbe alle stucke seite er daz, [bl. 79.]
wiez nach und vor ergangen was.
,an der kelen man zeichen vint'.
do beschiegent sü daz kint,
1145 sü vundent an der kelen stan
ein roten vaden darumbe gan.
daz küssin was von bluote naz.
do sahent sü, daz also was.
Die muoter tet so klegelich:
1125. rede fehlt A. der red C. embir C. — 1127. do von zu C.
1128. Gar vngern so C. Gar fehlt A.
1129. Wann das jchs jm mit trSwen C.
1130. ez fehlt A. — 1131. seit mir das C. — 1132. Im wSr C.
1133. Darumbjch seiner trew C. Königstochter 2861 , seiner truwen
er nit vergasz*. Stauf. 510. Jäckel s. 29.
1134. vergalt A. Vnd galt jm wol mit trüwen C.
1136. Das was C. — 1137. bestreich, mit meines kindes C.
1138. Darumb ward rein der brüder gut C.
1139. die rede nun yn C. — 1140. und fehlt A. nement vnd C.
1141. so seite. — 1142. es darumb ergangen C. — 1143. fandtC.
1144. Da sie besahen das kin zu handt C.
1145. Da funden sie C. — 1146. guldin kreiss C.
1148. das es A. erst das es C.
1149. Er sprach jch het lieber get8det mich 0.
120
1150 ,owe, daz ich nüt toete mich!
ach kint minz! davon was mir swer.
mich ante, wie du tot wer.
ich mohte keine vröude han'.
do weintent vrouwen unde man,
1155 do wart erwert schimpf unde spot.
mit vlize batents alle got:
,nu lebent vater unde kint,
die bede tot gewesen sint.
so ist der reine worden.
1160 wir suUent einen orden
got ze eren und ze lobe
und dem vürsten sant Jacope
(buwen) * ♦ »
« * * «
buwetents ein closter guot,
da men noch gottes dienste tuot,
1165 daz wir hoeren sagen,
sü enmohtentz underslagen.
ez heizet Gnadeouwe,
da got und unser vrouwe
in gabent in iren sin,
1170 sü kement mit einander drin.
vrouwen in dem halben sint
1150. Wie wol das jch ertodte dich C. Parton. 9866 ,daz ich selbe
toete mich*. 10031 ,daz ich tcete mich*.
1151. Mein kind darumb G. — 1152. Es thet mir we das 0.
1153. m8hte A. Da von mocht jch C. — 1154. weinete A.
Stauf. 1106 ,do weintent ritter unde kneht*. 1060 ,frouwen unde man*.
Jäckel s. 12. Vor 1155 fügt C ein Von hSrtzen und von sinnen
Mit trüwen in gantzer minnen. — 1155. Do hiess vnd wert man C.
1156. Von gantzem härtzen lobten sie got 0.
1157. Nun sint iSbent worden C. lebet A.
1159. Vnd auch rein der brüder jst worden C.
1160. V7ir send jn einen geistlichen orden C.
1161. vnd ouch C. — 1162. Vnd ouch dem C.
1163. Do buwten C. — 1164. vyl gottes d. jn C.
1165. Das man noch hüt wol hSrt C. — 1166. en fehlt AC.
1167. Das closter heisset gnadow C. Über den namen einleitung
s. 48. — 1168. vnser liebe C. — 1170. koment A.
1171. Die frawen da jn einem theil C. Zur berichtigung der ein-
121
im andern halben man und kint.
got gab in umbe ir trüwe [bl. 79a.]
ein selig leben nüwe,
1175 sä wurdent heilig in der zit.
Hoerent, waz nütze an trüwen lit:
milte, trüwe und demuot,
die hie der mensche durch got tuot,
die minnet got in sinem muot
1180 für allez irdenischez guot.
swer sich ze gotte neiget
und trü durch in erzeiget,
ir süUent guoten glouben han,
daz got in niemer wil gelan
1185 an giner weite dort noch hie.
in trüwen got anz crüze gie,
trüwe er uns um gotte erwarp,
daz sin menscheit durch uns starp.
von trüwe han ich wol geseit,
1190 untrüwe laut üch wesen leit.
Swem dise rede bildet in,
durch got die gedenkent min:
ders uns ze liste hat gedaht
leitung s. 48 vergl. über doppelklöster Keinz, Helmbrecht * s. 12. Seuse
(Denifle) s. 168. — 1172. halben fehlt C. — 1173. Got der gab C.
1174. l&ben buss vnd rüwe C. Meier za Jolande 753.
1175. sSlig yn diser C.
1176. NunC. nutzes A. Zum epilog emleitung s. 21f.
1177. vnd gute diemüt C. — 1178. vf f erdtreich C*
1179, 1180. nimmet. für alles gut C. Parton. 17675 , er minnet die
für allez guot, die willecliche ir armnot wellent dnrch in liden^
1181. sich hie C. — 1182. dar jn C. — 1183. Do sol man 0.
1184. jn got niemer wert yerlan C.
1185. In C. dort fehlt C. — 1187. er fehlt C.
1188. er jn mönscheit darumb C. — 1189, 1190 umgestellt in C.
1190. Das jst ewer seel lustigkeit C. — 1191. belibet C.
1192. Dem yerlelch got ein st&ten sin C. Troj. 3076 ,durch got,
wer hat in denne hie so rehte wol gegestet?^
1193. Der vns die rede A. Der diss mit lust hat C.
122
und ze tatsche hat gebraht,
1195 daz tat Kuonze Kistener.
swaz ir von gotte habent ger
guoter werg gent ime teil,
daz got mere üwer heil.
ir tuont ez ane schaden wol.
1200 guoter werg man teilen sol
gemeine in die cristenheit,
daz hant die pfaflfen mir geseit.
so ir mich hoerent nennen, [bl. 80.]
so süUent ir bekennen,
1205 daz ich Kuonze Kistener
sante Jacop dise mer
ze lobe han getihtet
und ze rime gerihtet.
swaz sant Jacop diener hat,
1210 daheim od uf der strazen gat,
in der gebet bevilhe ich mich,
daz bitte ich sante Jacop dich,
swer in din ere ie kam dahin,
1194. braht A. Vnd dyse rede jn rimen C.
1195. dz wissent A. Das hat gethon C.
1196. Welcher diss lisst jst sein beger C.
1197. Güte, jm zft theil C. Zur Umschreibung Jäckel s. 24, 8ß.
1198. Das jst wol ewer sele heil C. — 1200. Güte, triben C.
1201. jn aller C. — 1202. mir die priester band C.
1203. Wannjr jn hSren C. Guter Gerhard 6607 ,daz man ir lop er-
kennet swä man ir uamen nennet^ Troj. 342 ,diu frouwe tugentrich gemuot
was Ecnbä genennet, man hete wite erkennet ir namen und ir höhen pris^
19255 ,als ich in hörte nennen, er künde wol erkennen^ 20047 ,sö man si
nennen hoeret* u. o. — 1204. erkennen C.
1205. der vorgenant C. ich fehlt AC.
1206. Zu rimen hat gebracht die mSr C.
1207. hat A. Das doch ein gantze warheit jst Vnd gantz on
allen argen list Got vnd seiner mütter zu lob Vnd auch dem
guten herren sant Jacob Die dyse zeichen band gethon Dassond
wissen frawen vnd man C. — 1208. rüme A. — 1209. dienern C.
1210. rittet oder A. Der do heim jst oder vff der Strassen
gadt C. — 1212. Das wir s. J. findent dich C.
1213. siner eren A. Wer je kam gon sant Jacob hin C.
123
der gnaden laz uns teilhaft sin.
1215 Got unde sante Jacop,
ich han geseit üwer lop.
kund ich ez baz durchgründen,
ich wolte ez gerne künden,
schier hat die rede ein ende.
1220 got und sant Jacop wende
unser not und arebeit.
swerz gerne hoeret oder seit,
ez sige vrouwe oder man,
vil guoter jare gang sü an.
1225 die suUent ir von gotte han,
die weit git werlich boesen lan.
1214. lass vnss teilhafftig C.
1215. Edler got vnd C.
1216. geschriben C.
1217. jdurchgründen', lieblingswort Konrads v. Würzburg. Z. b. Schmiede
242, 473. Engelhard 862, 975. Troj. 7166, 7527, 7608, 10863, 13185, 14700,
26357 u. 0. Guter Gerhard 6876 ,ich spraeche, künde ich, gerne baz*. Königs-
tochter 4830 f. ,auch wil ich üch hie bitten, das ir min rede band verguot.
wan ich hon des willen und muot, kund ich basz, ich tet auch basz^
1218. durch künden A, dann durch gestrichen und wiederhergesteUt.
Das weit jch C.
1219. Also hat dyse C.
1221. All vnser C.
1223. syent C.
1224. Güte jor gange A. Vil guter jaren gang C. Mundartlich
war wohl meist der Singular üblich: Stauf. d. schluss: ,got geb vns allen
ein gut ior'. E. Parz. 646, 33 ,got gebe dir ein guot jor*. 652, 40 ,got
gebe üch ein also guot jar*. So auch später noch DWB 1, 342; 4, 2, 2233.
Aber auch der plural ist bezeugt: Königstochter 7562 ,got gebe üch tusent
guoter jar*. Klopfan (Schade) 14, 38.
1225. Erec 537 ,daz wil ich von gote han*. Nach 1224 fährt C fort:
War nit gern von got hurt lesen Der mag nit sein diener wSsen.
1226. jetzund bSsenG. Boner 94, 87 f. ,gloub mir, also tuet euch diu
weit; si lebt wol, und git boesez gelt*. Engelhard 5390 ,ach broediu werlt,
sich wie du bist aller missewende vol! niemen dir getriuwen sol, wan du
vil swache lönen kanst*. Haupts Zeitschr. 6, 151ff. Kaufringer 19,21 ,damit
maint er die unrain weit, wann die geit gar bösen gelt*. Teichner im
Liedersaal 208, 181.
/
124
noch welle uns got dort geben
vröude in himel und ewig leben,
des helfe mir unde lieh
1230 der milte got in himelrich!
1227. dort fehlt A. Silv. 1332 ^dar umbe wirt im dort gegeben vroüde
und daz Iwecliche lebend Wir sond ein guten fürsatz han So wii
vnss got nach disem l&ben Das ewig hymmelreiche geben Dess
hellff vnss der milte got Ynd der gut herr sant Jacob. Amen. 0.
1230. mit got A. Der Schreiber von A schiiesst Dirre rede ist nüt
me (vgl. Stauf. 1110. Jäckel s. 29. R. Parz. 388, 28) Wol vns hüte vnd
iemer me. Explicit feliciter.
Nachtrag
von F. Vogt.
1. Zum Wallaere (oben S. 9 f.).
In der Abhandlung über das Eckenlied ZfdPh. 25, 1 ff. hatte ich S. 6 f.
die Gründe auseinandergesetzt, weshalb die von Bächtold wieder aufjgefrischte
Vermutnng, dass Bndolf von Ems mit dem Wallsere des Heinrich von
Linonwe das Eckenlied meine, unhaltbar ist. Bekanntlich gedenkt Eudolf
des Gedichtes in den beiden Literaturübersichten, die er im Alexander und
im Wilhelm giebt; dort sagt er: her Heinrich von Linouwe hat onch
vil süeze arbeit an den Wallaere geleit; im Wilhelm spricht er von
dem von Linouwe (Varr. lindouwe, mouwe) der Ekkenis (Varr. eggenis,
ekkeins, eikins, eggen, ereckes) manheit hat getichtet und geseit, daz
ist der Wallsere. Die Beziehung auf das Eckenlied wird nun, wie ich
a. a. 0. zeigte, durch eine zweite Erwähnung des Wallsere im Wilhelm un-
möglich, die von den Früheren garnicht, von Bächtold nur ganz unvollständig
berücksichtigt war. Es heisst da Wilhelm 7084 fg. swer hat vernomen
oder gelesen von dem Wallsere hern Ekkenes (Varr. erkeynes, eikenes,
klies, ereckes) msere, dem ist bekannt, wie da jährlich (jserlich, nicht
ie gel ich) ein Turnier stattfindet, bei dem ein Sperber als Eampfpreis auf-
gesetzt wird. Das beweist für den Waller einen ganz andern Inhalt als ihn
das Eckenlied hat. Da aber das Motiv des Kampfes um den Sperber an
Hartmanns Erec erinnert und unter den Varianten an dieser Stelle sich auch
Ereckes st. Ekkenes findet, so schien es mir nötig die Möglichkeit zu er-
wägen, ob nicht etwa dieses Citat von dem in den beiden Literaturübersichten
ganz zu trennen und wirklich etwa auf Hartmanns Erec zu beziehen sei.
Dann würde ja immerhin die Möglichkeit bestehen bleiben, den Wallsere der
Literaturübersichten mit dem Eckenliede in Zusammenhang zu bringen. Ich
verwarf aber diese Deutung, da sie nötigen würde, an der Stelle vom Sperber
das überlieferte wallsere willkürlich inOuwsere zu ändern und da überdies
die näheren Angaben über das Sperbertumier mit dem Erec nicht überein-
stimmen.
Seither ist durch Zeidler, die Quellen von Kudolfs v. Ems Wilhelm S. 141,
auch die Fortsetzung der von mir mitgeteilten Verse bekannt geworden, und im
126
Hinblick auf sie hat Singer AfdA 21, 242 die Meinung ausgesprochen, ich würde
wohl jetzt nicht mehr daran zweifeln, dass wir es hier nur mit dem Erec Hart-
manns zu tun haben könnten. Ich muss gestehen, dass mir gerade jene Fort-
setzung nur zur Bestätigung der entgegengesetzten Meinung dient. Budolf er-
zählt, dass nach der Darstellung des Wallaere regelmässig acht Tage vor Beginn
jenes Mitte August stattfindenden Turniers alle die schönsten Frauen des Landes
in einem besonders für sie bestimmten, am Turnierplatz gelegenen Palaste zu-
sammenkommen. Sie wählen sich eine Königin, die ihnen diese Zeit über Recht
in Minneangelegenheiten spricht. Die, welche da für die Schönste erklärt wird,
rühmt man im ganzen Lande. Am achten Tage kommen dann alle kampflustigen
Bitter aus den verschiedenen Ländern zum Turnier, und wenn dies ein Ende
hat, so giebt diejenige Frau, welche den Schönheitspreis erhalten hat, dem über-
einstimmend für den Tüchtigsten erklärten Kitter mit einem Kusse den
Sperber auf die Hand. Von alledem findet sich ja in Hartmanns Erec nichts.
Herzog Imain hält einige Zeit vor Pfingsten für sein Volk ein Jahresfest ab,
bei welchem Alt und Jung, Arm und Beich zusammenkommen. Wessen
Freundin da für die Schönste erklärt wird, die erhält einen auf silberner
Stange aufgestellten Sperber. Schon zwei Jahre hat ein gefürchteter Bitter
seine Freundin den Sperber nehmen lassen; obgleich sie keineswegs die
Schönste ist, so hat ihm doch niemand zu widersprechen gewagt; jetzt be-
ansprucht Erec ihm gegenüber den Sperber für Eniten. Es kommt zum
Zweikampf, in dem Erec den Gegner überwindet und ihm das Leben schenkt.
Budolf kann also unmöglich hier die Scene aus Hartmanns Erec meinen.
Damit fällt aber jeder Grund dafür fort, diese Stelle anders als auf den in
den beiden Literaturübersichten erwähnten Waller zu deuten, und zugleich
schwindet damit die Möglichkeit, diesen für das Eckenlied zu halten. Die
Dichtung des Heinrich von Linouwe muss ein höfischer Boman gewesen sein,
in dem ein vermutlich nach dem Vorbilde der betreffenden Erekscene er-
fundenes und mit neuen Detailzügen ausstaffiertes Turnier um den Sperber
vorkam. Dass der Held dieses Bomans aber auch denselben Namen getragen
haben sollte wie der des Hartmannschen, ist wenig wahrscheinlich. Die Variante
er eck es hat wohl nicht mehr Bedeutung als klies: beides sind coivjecturen
einigermassen literaturkundiger Schreiber angesichts eines ihnen unbekannten
Namens. Ob Heinrich von Leinau etwa in Anlehnung an Erec einen Erkein
erfand oder ob in Ekkenis die richtige Namenform steckt, vermag ich nicht
zu entscheiden. Jedenfalls wird Budolf von Ems dem bald vergessenen Ge-
dichte auch literarhistorisch die richtige Stelle gegeben haben, wenn er es
neben den mit Hartmannschen Motiven genährten Boman des Strickers, neben
Daniel vom blühenden Tal stellt.
2. Septimunt (oben S. 80, Anm. zu V. 361).
Dass Setmunt an der vielbesprochenen Stelle in Gottfrieds Tristan den
Berg Septimer (Setmer) bedeute, hatte Jänicke ZfdPh. 2, 183 fg. mit guten
Gründen gezeigt. Bechstein hat sich trotzdem durch eine Variante Sefre-
munt verleiten lassen, an die Sphären weit (sphSremunt) zu denken, und
127
auch Golther ist mit seinem senstemunt vom richtigen Wege ahgeirrt.
Jänickes Deutung wird durch eine bisher nicht beachtete Parallele im Frank-
furter Passionsspiel (Froning V. 1683) sicher gestellt. Der Synagogus spricht
dort zum Salvator, der vom Genuss seines Leibes geredet hat:
und werestu als der berg Septimunt,
wir essen dich zu kurtzer stunt.
Es ist also sicher, dass den Südwestdeutschen der Septimer, der höchste Berg,
den sie auf dem Wege über die Alpen nach Italien zu überschreiten hatten,
als Bild gewaltiger Grösse geläufig war, und dass auch Gottfried kein anderes
Bild als dieses im Sinne gehabt hat. An das Siebengebirge, welches Froning
zu dieser Stelle wie die älteren Ausleger zu der im Tristan herbeizieht, ist
natürlich nicht zu denken.
^^
Berichtigungen.
In den zitaten der (zuerst gedruckten) einleitung ergaben sich folgende
Verschiebungen bezw. druckfehl er: seite 3, zeile 9 : lis 371; 3,26:796; 3,
28 : 867; 3, 35 : 769; 5, 2 v. u. : 729; 5, 11 v. u. : 197; 6, 19 : 164; 6, 3 v.
u. : 651, 687; 7, 1 : 668; 7, 8 : 396, 667; 14, 14 : 467, 523, 531, 615; 15, 17 :
502; 14,19:523; 14,21:584; 14,22:887; 14,23:369,599; 14,24:478;
14, 29 : 364; 14, 30 : 881; 14, 31 : hän 1226; 16, 5 : 548; 19, 8 v.u. : 453; 19,
7 : 328; 25, 7 v. u. : 554; 25, 7 : 877 cv:) 1749; 32, 11 v. o. 943; 33, 13 : 571;
35 : 15 V. u. : 877; 63, 14 v. u. : resipuerint; s. VIII ist vers 1166 hinzuzufügen.
Register.
(Die fettgedruckte ziffer weist auf text und anmerkungen.)
Zur ästhetik des 14. Jahrhunderts 55 f.
allitteration 74.
also wie 582,
anapher 209. 347.
icno xoiyov 33.
apostrophe 2.
Armer Heinrich 2. 49. 54.
Boner, Verhältnis Kisteners zu B. 27.
IBüheler, Hans von Bühel, nachahmer
Kisteners 25 ff. 59. — kunst 26.
55 f. — metrik 50.
h. Christof 16, 31.
compostelas 544.
Compostella, Vorwort s. VIII. 28. 42 ff.
Dreizahl 753.
durchgründen 1217.
e unorganisch 164.
eben war uemen 302.
Egenolf , Verhältnis Kisteners zu E. 11).
eilende im under ougen sluog
379.
Elsass und Italien 7.
eren 312.
Gengenbach, Stadt 16.
Paraphilus Gengenbach 2. 30. 32 f.
Gnadau 2. 4. 48 f. 1167.
Gnadenberg 4.
gol 262.
Gottfried von Strassburg, Verhältnis
Kisteners zu G. 20. 392.
grit 28. 16.
grosz 361.
grundelos 940.
Gumpostell 397. 478.
Handschriften. A If. 16. 30 ff. —
B lOf. 32 ff
Heigerloch 407. 691. 46.
her Hug von Heigerloh 685.
Heinrich von Linouwe, vorwort s. VIII.
4 ff. Nachtrag s. 125 f. .
hiatus 5.
hin — her 597.
Igenote 672
s. Jacop 18 u. 0.
Jacobuslegende 8. 42 ff.
Jacopvart 295. - wallfahrten, Vor-
wort s. VIII. 17 f. 28. 42 ff. 63.
Jude und Christ 30.
Kindtaufe 217 ff.
kistener 17.
Wernher der kistener 17.
Kistener, Kuonze 9. 1195. 1205. 28 f.
54 ff. — heimat 13 ff. — zeit 27 f.